Dunkle Nacht
Blog-Nr. 481
Die Planung war schlecht. Nein, natürlich, es war ja ein Traum, endlich auf diese Insel. Und wer denkt im Winter daran, dass Ende Mai, wenn man Sonne und die Badi oder gar das Meer im Kopf und irgendwo einen Negroni in der Hand hat, wieder Winter ist.
Wenigstens sportmässig.
Und so sitze ich da. Vor mir die Schiffe im Hafen, die Sonne, die am Horizont langsam untergeht, der Himmel, der sich nächtlich blau verfärbt, die Esel, die darauf warten, irgendwelche Koffer oder sonst was die steilen Wege und Treppen hinauf zu tragen, die Katzen, die vielen Katzen, die müde sind vom Tag und es sich auch auf Stühlen in den Tavernen bequem machen, die flanierenden Menschen in kurzen Röcken und Hosen, die Boote, die ankommen und wegfahren.
Sitze da und habe meinen Laptop vor mir. Und denke, es wäre ja schön, jetzt in der Swiss Life Arena in Altstetten in Zürich, als einer von Zehntausend in Rot, oder zu Hause vor dem Bildschirm. Aber ist es doch noch viel schöner, ein Glas Rosé neben dem Laptop, nicht das erste, später ein Ouzo, Moussaka anderswo gegessen (wunderbar), die Kopfhörer im Ohr, denn ich will ja nicht stören, und andere sollen mich nicht stören, es wird viel geredet, hinter dem Fenster der Bar spielt eine Frau live am Klavier, einmal «Non, je ne regrette rien».
Einige bleiben hinter mir stehen und blicken ziemlich irritiert, griechische Männer und Frauen (diese noch mehr) besonders.
Was ist denn das? Menschen verkleidet in dicken Anzügen, mit Helm auf dem Kopf und einem Stock in der Hand, die gegeneinander kämpfen, um so ein rundes Ding auf dem Eis? Hm?
Eishockey kennt man in Griechenland nicht oder fast nicht. Einmal, die Webseite des Verbandes verkündet es mit Stolz, holte man eine Silbermedaille, bei der WM in Luxemburg, allerdings in der 3. Division, der 43. Rang weltweit gesehen war es. Drei Jahre später löste man die Nationalmannschaft auf, es gab und gibt im Land keine Eisflächen mit der erforderlichen Grösse; ein paar wenige Teams spielen manchmal auf einer kleinen Eisfläche auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums, erst um elf Uhr abends bis morgens um eins.
Am Sonntagabend auf Hydra, im Hafen hängt ein Filmplakat, nächsten Mittwoch, 21 Uhr, im einzigen Kino der Stadt, «So long, Marianne, behind every great love is a story». Unbedingt hingehen.
Aber jetzt nicht diese Liebesgeschichte auf der kleinen Inyel, nicht Leonard, nicht Marianne, sondern eine andere, in die sich die Schweiz verliebt hat: Josi, Malgin, Genoni, Thürkauf, kein Mensch kennt auf Hydra ihre Namen.
Was ist denn das? Menschen verkleidet in dicken Anzügen, mit Helm auf dem Kopf und einem Stock in der Hand, die gegeneinander kämpfen, um so ein rundes Ding auf dem Eis? Hm?
Eishockey kennt man in Griechenland nicht oder fast nicht. Einmal, die Webseite des Verbandes verkündet es mit Stolz, holte man eine Silbermedaille, bei der WM in Luxemburg, allerdings in der 3. Division, der 43. Rang weltweit gesehen war es. Drei Jahre später löste man die Nationalmannschaft auf, es gab und gibt im Land keine Eisflächen mit der erforderlichen Grösse; ein paar wenige Teams spielen manchmal auf einer kleinen Eisfläche auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums, erst um elf Uhr abends bis morgens um eins.
Am Sonntagabend auf Hydra, im Hafen hängt ein Filmplakat, nächsten Mittwoch, 21 Uhr, im einzigen Kino der Stadt, «So long, Marianne, behind every great love is a story». Unbedingt hingehen.
Aber jetzt nicht diese Liebesgeschichte auf der kleinen Inyel, nicht Leonard, nicht Marianne, sondern eine andere, in die sich die Schweiz verliebt hat: Josi, Malgin, Genoni, Thürkauf, kein Mensch kennt auf Hydra ihre Namen.
Büne Huber schreibt, nachdem ich ihm ein Foto vom Haus und der Tür, das Leonard Cohen damals auf Hydra gekauft hatte (Geschichte dazu später): «Ist äuä ein eigenartiges Gefühl, wenn man den Türknauf berührt, den Cohen und Marianne tausendmal berührt haben?»
Fiebern mit ihnen, hier, draussen in der Bar der Piraten, Leonard soll, heisst es, damals in den sechziger Jahren auch hier gesessen und Gitarre gespielt haben. Mit seiner Marianne.
Ich bekomme auf Whatsapp ein Foto von meinem Sohn. Es zeigt eine Schweizer Fahne und eine Finnische im Gewitterregen im Garten in Fällanden; er Schweizer, seine Frau Finnin, es dürfte heute Abend bei ihnen nicht ganz harmonisch sein.
Fiebern mit ihnen, hier, draussen in der Bar der Piraten, Leonard soll, heisst es, damals in den sechziger Jahren auch hier gesessen und Gitarre gespielt haben. Mit seiner Marianne.
Ich bekomme auf Whatsapp ein Foto von meinem Sohn. Es zeigt eine Schweizer Fahne und eine Finnische im Gewitterregen im Garten in Fällanden; er Schweizer, seine Frau Finnin, es dürfte heute Abend bei ihnen nicht ganz harmonisch sein.
Dann, 21.20 Uhr ist es hier, eine Stunde später, die Esel sind … hm, wo sind sie eigentlich über Nacht?
Alle sitzen, spazieren, viele Arm in Arm, wie einst Leonard und Marianne, sie sollen manchmal auch hier am Hafen spät in der Nacht noch ins Meer gesprungen sein; nur ich, vor dem Laptop, schwitzend, nicht nur, weil es eine laue Sommernacht ist, inzwischen mit einem Negroni neben dem Laptop. Kaum auszuhalten diese Spannung.
Und dann, die Verlängerung, jetzt nicht mehr im Hafen, im Garten der vorübergehenden Wohnung, weg vom Hafen, Mitternacht ist vorbei in Griechenland. Der Schuss. Das Tor.
Alle sitzen, spazieren, viele Arm in Arm, wie einst Leonard und Marianne, sie sollen manchmal auch hier am Hafen spät in der Nacht noch ins Meer gesprungen sein; nur ich, vor dem Laptop, schwitzend, nicht nur, weil es eine laue Sommernacht ist, inzwischen mit einem Negroni neben dem Laptop. Kaum auszuhalten diese Spannung.
Und dann, die Verlängerung, jetzt nicht mehr im Hafen, im Garten der vorübergehenden Wohnung, weg vom Hafen, Mitternacht ist vorbei in Griechenland. Der Schuss. Das Tor.
Für die Finnen.
Keine «D’ W.Nuss vo Bümpliz/Isch schön wie es Füür i dr Nacht/Win e Rose im Schnee.»
Nein, es ist dunkle Nacht, auch auf Hydra.
Keine «D’ W.Nuss vo Bümpliz/Isch schön wie es Füür i dr Nacht/Win e Rose im Schnee.»
Nein, es ist dunkle Nacht, auch auf Hydra.
Link: Endlich da: Hydra
Nächste musikalische Lesung:
Sonntag, 29. November, 11 Uhr
Immobilienwerkstatt, Küsnacht
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