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Es werden Posts vom Februar, 2024 angezeigt.

Vor zwei Jahren

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Blog-Nr. 309 Zwei Jahre Krieg, zwei Jahre Leid, Schmerz, hunderttausende Tote, Elend und ein Ende nicht in Sicht. Wenige Tage, nachdem die Russen ihren Bruderstaat Ukraine am 24. Februar 2022, um vier Uhr morgens Schweizer Zeit,   überfallen hatten, schrieb ich diesen Blog.  Er ist aktuell wie damals. Ich veröffentliche ihn deshalb nochmals, in gekürzter Form, nur zweimal ergänzt. Es sind spontane Gedanken, die damals durch den Kopf gingen, Gedanken von mir und Gedanken, die Menschen in Zeitungen und am TV äusserten. Lena K., eine Ukrainerin, die seit 15 Jahren in Zürich lebt, schaut alle paar Stunden in den Whatsapp-Status ihres Bruders. Sie will sehen, ob er noch lebt. Ihr Bruder ist im Krieg in Kiew. So erzählt sie es an diesem Nachmittag im Radio SRF 1. Wir sehen überall Bilder. Es ist ein Krieg in Bildern. Live, auf den verschiedensten Kanälen. Noch nie gab es so viele Bilder von einem Krieg. Wir werden zugemüllt mit Informationen. Aber was wissen wir wirklich? Wladimir Putin wirk

Ein Sonntag

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Blog-Nr. 308 Es ist Sonntag, die Kirchenglocken läuten, in diesem kleinen Dorf im Prättigau. Und das Postauto fährt los, pünktlich, durch die grüne Landschaft im Winter. Und in der einen Zeitung wird thematisiert, wie wahrscheinlich ein dritter Weltkrieg ist und dass die vielen Diktatoren ihre grosse Chance wittern und wir uns fürchten müssen. Oben am Himmel ein Gleitschirmflieger, rot ist er und lautlos macht er Kurven. Und wir denken, wie schön muss es sein, da oben in der grenzenlosen Freiheit. Und in einer andere Zeitung steht, wie Europa aufrüstet und so viel Geld wie noch nie plant für seine Verteidigung, für noch mehr Waffen und Munition. An der Haltestelle steigen neue Leute ein und grüssen die, die schon da sind, und die schon da sind, wünschen einen hübschen Tag, wie sie hier sagen. Und in einem Wochenmagazin heisst der Titel, Putin, der Missverstandene, und in der Zeitung am Sonntag wird vermutet, er stehe hinter dem Mord. Und der Gleitschirmflieger landet jetzt unten im Tal

Leben im Sterben

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Blog-Nr. 307 Ein Buchtipp Tränen beim Lesen eines Buches. Mehrmals. Ein Satz ein zweites Mal gelesen, nicht, weil er kompliziert ist, die Sprache ist wie immer bei ihm eher einfach, fast sachlich, sehr ruhig, einfühlsam – einfach wunderbar. Nochmals gelesen, weil man nachdenken will. Und man muss oft nachdenken. Es ist ein Buch zum Nachdenken. Und es hört plötzlich auf, bevor das eintrifft, um das es im ganzen Buch geht. Und es ist gut, dass es so aufhört, einfach so, auf Seite 240, mit diesen zwei Sätzen: «Manchmal, wenn er eingeschlafen war und sie ihn nicht hatten wecken wollen, waren sie die Letzten am Strand; es war still um sie, die Sonne stand tief, die Schatten waren lang. Es war kühl, David brachte noch eine Decke, Ulla legte sie über ihn, und sie warteten, bis die Sonne ins Meer sank.» Ende. Die Sonne, die im Meer versank, steht für das Sterben. Es ist ein Buch über das Sterben. David ist ihr sechsjähriger Sohn, Ulla seine viel jüngere Frau, 42, Malerin und Galeristin, und er

Traumgast

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Blog-Nr. 307 Es war Montag, es war in einem Café, nicht in meinem, aber auch hier sitzen einige ältere Männer an einem Tisch und reden miteinander, und weil am Vorabend erstmals die neue «Late Night Switzerland» am Schweizer Fernsehen gesendet wurde, gab es in den ersten Minuten nur dieses Thema. Eine aufgesetzte Lustigkeit sei es gewesen, sagt einer, ein anderer stellt sich vor, wie es wohl in der Redaktionssitzung zu und her geht und sie über sich selber lachen, aber sie würden es nur für sich tun – oder, habt ihr gelacht? fragte er in die Runde. Und alle schüttelten den Kopf, nicht jeder hatte die Sendung allerdings gesehen. Und dann redeten sie über Putin und dieses Interview, das ein Monolog des russischen Kriegspräsidenten war, und einer fand … und ich musste mich tief in meine Zeitung vergraben und mein Ohr auf taub stellen, sonst wäre der Tag schon früh am Morgen verdorben gewesen. Zum Glück kamen sie dann wieder auf die Night-Show zurück, und einer sagte, schlimm, aber noch sc

Gress und seine Bürste

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Blog-Nr.: 306 «Wo sind Sie nur?», der Anruf kam nur wenige Minuten nachdem wir den Bahnhof in Strassburg verlassen hatten.» – Hier, wo Sie sagten, wir sollen auf Sie warten, 100 Meter nach rechts, wenn sie den Bahnhof verlassen.» –  «Ich sehe Sie nicht.» –  «Wir auch nicht». Das war der erste Dialog an diesem Mittag anfangs Januar, als wir Gilbert Gress besuchten. «Hören Sie, seit 50 Jahren warte ich immer hier, wenn mich jemand besucht, haben mich alle immer gefunden, nur Sie nicht. Sie sind alt geworden.» Wir fanden uns doch noch, drei Kollegen vom Tagi, die ein Interview mit ihm machen wollen, und ich. Gress stand an einem Strassenrand vor seinem Auto und winkte, an einem Ort, wo eigentlich kein Auto stehen sollte, es war noch etwas 200 Meter weiter entfernt. Zum Stade de le Mainau, wo der Racing Club de Strasbourg spielt, wollte er zuerst nicht hinfahren, «non, non, dahin gehe ich nicht, seit 15 Jahren bin ich nicht mehr dort gewesen». Aber dann liess er sich für den Fotografen do

Abschiede

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Blog-Nr. 305 Trennungen und Abschiede sind nie einfach, schmerzhaft meistens, sie können wütend machen, verletzend sein, sie verlaufen oft nicht im gegenseitigen Einvernehmen, auch wenn man es so darstellen will, nach aussen hin. Sei es privat, bei Beziehungen, nach einem gemeinsamen Leben, sei es im Beruf, weil die da oben entscheiden, dass bei denen da unten gespart werden muss, sei es im Sport. Und manchmal gibt es Tränen. Es gibt zuletzt einige Beispiele, von Trennungen, Abschieden, Rücktritten und Diskussionen, ob man zusammen weitermachen will oder es vielleicht vernünftig wäre, auseinander zu gehen. Guillaume Hoarau , «der singende Stürmer mit der Gitarre» (NZZ), sei sauer gewesen und wütend, als er, in Bern eine Kultfigur, von den Young Boys 2020 hören musste, dass sie ohne ihn planen, nach sechs Jahren und 118 Toren in 188 Spielen, Hoarau war damals 36. YB war für ihn eine Familie, eine Liebesbeziehung sei es gewesen, und ein Familienmitglied könne man doch nicht einfach so ve