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Beobachtungen am Pool

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Blog-Nr. 511 Eine Espresso-Kolumne* Sie hatten sich nach langer Zeit, so lange wie nie mehr, seit sie einst mit ihrem wöchentlichen Ritual begonnen hatten, endlich wieder zu ihrem morgendlichen Espresso getroffen. Das «Totò» im Seefeld ist wegen der Renovation des ganzen Hauses weiterhin geschlossen. Das «Bohemia» ist für Bruno , den seit kurzem ergrauten Werber im Ruhestand, eine schöne Alternative geworden. Aber Luca , der Architekt, klagt über zu viele Projekte, die ihn noch beschäftigen, obwohl er eigentlich längst nicht mehr arbeiten müsste. Genauer gesagt ist es seit fünf Jahren dasselbe Projekt. Aber der wahre Grund ist ein anderer: Er jammert über die rot-grüne Regierung in Zürich und die Parkplätze, die immer weniger werden, auch am Kreuzplatz, sagt er. Aber jetzt sitzen sie wieder einmal im «Bohemia», die Trams fahren vorbei, der Zweier und der Vierer, was Luca irritiert. Die gehören doch ins Seefeld, sagt er. Jasmin nimmt die Bestellung auf, wie immer, sagt sie, sie kennt d...

Poesie am Himmel

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Blog-Nr. 510* Was ist es, was uns so fasziniert? Jeden Abend wieder, wenn nicht dicke Wolken alles verhüllen. Aber in diesem endlosen Sommer oft und überall, auch jetzt wieder. Es wäre eigentlich Herbst, es ist mitte Oktober, aber wir fühlen uns immer noch sommerlich, im Süden auf der Insel Mallorca. Wir bleiben abends stehen, schauen zu, überwältigt. Ein Ahhh und ohhh, sagen oder denken wir, zumindest. Bleiben am Ufer und schauen hinaus zum Horizont. Oder halten den Moment fest mit unserem Taschenfotoapparat.  Es sind die Farben. Das Gelbliche, das langsam golden wird, das Orange, das sich ins Rot verwandelt. Und alles spiegelt sich im Blau, das auch immer wieder ein anderes Blau ist, im Meer, begleitet vom Rauschen der Wellen.  Poesie am Himmel. Doch es ist mehr als das. Da vergeht etwas, es verschwindet etwas, es verabschiedet sich etwas von uns. Es sagt Tschüss. Auf die schönste Art, ganz langsam, lieblich, sanft. Und wir wissen: Bald ist es nicht mehr da. Die letzten Töne...

Beobachter des Lebens

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Blog-Nr. 409 E in Leben für Geschichten – Silvio Blatter und sein neues Buch Dieser Text zu einem Buch ist nicht objektiv. Aber können das Meinungen über Bücher überhaupt sein? Jede und jeder liest und sieht doch bei Büchern wieder etwas anders. Ich kenne Silvio Blatter gut, den Schriftsteller aus Bremgarten. Ich mag ihn, wie er schreibt, wie er Geschichten erzählt, wie er formuliert. Vor vielen Jahren hatten wir ihn gebeten, Kolumnen im Sportteil des Tages-Anzeigers zu schreiben. Ich liebte seine Kolumnen. Eine besonders – und jetzt wird es ganz persönlich. Mit «Lieber Fabio Galli» begann sie, «seit Wochen lese ich von Dir und den Freuden und Leiden Deiner Famiglia.» Fabio Galli war ich, oder der Name meiner täglichen Kurz-Kurz-Geschichte im Tagi hiess damals so. Ich schrieb in wenigen Sätzen über das Leben dieser Familie während «Italia Novanta», der (wunderbaren) Fussball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien, der WM von Totò Schillaci, des italienischen Stürmers, und wie Fabio, sein V...

Ziellose Zugfahrten

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Blog-Nr. 508 Lesen inspiriert. Es kann zu schönen Gedanken führen – seit einiger Zeit, in dieser verstörenden Welt, aber auch zu angstvollen. Es kann auch zum Träumen verleiten, mehr in Büchern als in Zeitungen. Man liest einen Satz oder eine Seite mehrmals, weil es so gut tut. Und ein (fremder) erster Satz kann zu einer Idee, zu einem (eigenen) zweiten und dritten Satz und zu einer (eigenen) Geschichte führen. So ging es mir schon oft. Ich schreibe, weil ich zuvor gelesen habe. Ich lese viel. In diesem Moment, bei Wolken, aber sommerlichen 29 Grad, im Sand am Meer, habe ich eben das gelesen. Eine Geschichte in der neu gestalteten «Welt am Sonntag» über den in Deutschland lebenden Schweizer Jean-Remy von Matt , den Mitbegründer der Hamburger Agentur Jung von Matt, einer der erfolgreichsten im deutschsprachigen Raum. In diesem Text geht es auch um ein ungewöhnliches Wochenend-Ritual von Jean-Remy von Matt. Er steigt dann oft in einen Zug, nicht, um an einem Ort anzukommen. Er sucht sic...

Als Yogi in der Bohemia Bar

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Blog-Nr. 507 Dieser Text war eigentlich nicht als Blog gedacht. Ich schrieb ihn, während sich neun Frauen zu einer Yoga-Woche getroffen haben, im Pozzo de Sol, einem Bijou von einer grossen Finca, umgeben von tausend Olivenbäumen an der Costa Daurada, der goldenen Küste zwischen Barcelona und Valencia.  Ich bin kein Yogi, fotografierte nur, machte eine kleine Lesung,  (deshalb dieser Text) aber ich fühlte mich als Yogi, allein unten am Meer, ich war ganz bei mir, wenigstens im Kopf, mental entspannt. Es ist so in einem langen Leben. Wir mussten und müssen immer noch irgendwo abbiegen. Und ist dann nicht vieles Zufall? Oder Schicksal? Der Entscheid vor einem Studium, im Beruf, in der Liebe. Wir treffen jemanden in einer Bar, vielleicht im Zug, irgendwo unterwegs, in einer Badi, in den Ferien, beim Kaffee, im realen Leben. Oder auch das.  Ich fahre zwischen Barcelona und Valencia der Costa Daurada entlang, in nördlicher Richtung von L’Ampolla weg,  diesem kleinen Hafe...

Moralische Empörung

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Blog-Nr. 506 Bild von KI Ich war im Auto unterwegs, von Barcelona Richtung Valencia, ein kurzer Halt, ein Blick auf die Mails (müsste eigentlich nicht sein), eines von SRF. Sie würden am Abend in «10 vor 10» etwas zu Granit Xhaka machen und ob ich vielleicht … Ich mailte zurück, schrieb, wo ich war, das sei wohl eher ungünstig. Beim nächsten Halt das nächste Mail: Vielleicht könne man ja einen Videocall machen. Hm. Ich war auf dem Weg zu einem Yoga-Retreat, nicht als Yogi unter lauter Yoginis, aus anderen Gründen, der Kopf also anderswo, der Himmel nur blau, das Meer aus der Ferne auch, 31 Grad, Hochsommer im Herbst. Xhaka weit weg. Dass er inzwischen zugegeben hatte, ein gefälschtes Zertifikat erworben zu haben, wusste ich in diesem Moment noch gar nicht. Ich solle doch schnell zurückrufen, wenn es mir ginge, eine nächste Nachricht. Ich tat es, redete lange mit dem Reporter von der Inlandredaktion und merkte dabei: Das Thema ist komplizierter, als es zunächst scheint. Verschiedene Eb...

Warten im Zug

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Blog-Nr. 505 Er fährt. Tatsächlich. Und pünktlich: EC 196   ab München Hauptbahnhof , der eine Baustelle ist, 8:32 Uhr. Auf die Minute genau. Gute Reise wünscht die Stimme im Lautsprecher. Und sogar das Internet funktioniert. Jetzt, es ist 08:35 Uhr. Zwei Minuten später nicht mehr. Ich bin der Erste im Restaurant-Wagen, trinke einen Espresso, schwarz. Hätte einen zweiten nötig, dringend. Leider, höre ich von der lieben Serviceangestellten, gebe es keinen, die Maschine sei defekt. Das sagt jetzt auch der Unbekannte am Lautsprecher, aber kalte Getränke gäbe es; nur kein Coca-Cola, dafür Vivi-Cola höre ich, weil jemand, der Coca will, ja kein Vivi. Ich trinke Wasser. Und jetzt fährt der Zug nicht mehr. Er hält, irgendwo im Nirgendwo. Grün ist es draussen und blau oben, ein wunderbarer Herbstmorgen, bald heisst es in München «O’zapft is»;  im Hauptbahnhof, der eine Baustelle ist, standen schon viele in Lederhosen, einige mit dem ersten und sicher nicht letzten Bier in der Hand. De...