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Handschuhe im Netz

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Blog-Nr. 477 Mit 33 Abschied, mit 40 Fortsetzung* Die Handschuhe eines Torhüters hängen im Netz. Weil er sie nicht mehr braucht. Weil er mit ihnen keine Tore mehr verhindern will. Er wird bald 33. Das beste Alter für einen Torhüter, sagt man. Aber Yanick Brecher mag es nicht mehr. Nicht die Nummer 1 sein; die Nummer 25 trug er, 20 Jahre war er beim gleichen Klub, immer bei nur einem Klub, 367 Spiele beim FC Zürich. Weil im Klub ein junger, talentiert wie Brecher als Junge auch war, Torhüter auf seine Chance wartet und diese auch verdient, will Brecher nicht mehr. Es ist nicht der einzige, aber ein wichtiger Grund für den Abschied. Er hatte keine Lust, fortan die Nummer 2 zu sein. Und mag auch nicht anderswo, bei einem anderen Klub, nochmals die Nummer 1 (oder 25) sein. Yanick Brecher: Der Abschied mit seinen Kindern Ein anderer dagegen mag es. Er ist kürzlich 40 geworden. Er macht beim Klub, bei dem er seit 15 Jahren im Tor steht, ein weiteres Jahr weiter. Und seit gestern Abend ist (f...

Besser nicht lesen

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Blog-Nr. 476 Seite 1 : «Die wirtschaftliche Lage Irans ist katastrophal. Vor dem Krieg kostete ein Dollar 800 000 Rial. Heute sind es 1,8 Millionen.» Seite 2: «Trump ging nach Peking, um handfeste Handelsgeschäfte abzuschliessen. Er stellte phantastische Deals’ in Aussicht. Vor seiner China-Reise investierte Donald Trump Millionenbeträge in Apple- und Nvidia-Wertschriften.» Seite 3 «Die Monarchien am Golf beschränken sich nicht mehr darauf, amerikanischen Schutz zu suchen – sie greifen offenbar selber militärisch gegen Iran ein.» Seite 3: «Kuba sei das nächste Ziel, sobald man mit Irans Regime fertig sei, droht Trump.» Seite 4: «Andri Jermark sitzt in Untersuchungshaft. Wusste Selenski von den Machenschaften seines Stabschefs?» Die Samstagsausgabe der NZZ. Es geht aber nicht um eine bestimmte Zeitung. Es könnte auch eine andere sein. Es ist nur so: Manchmal wäre es besser, keine Zeitung zu lesen. Versöhnlich immerhin dieser Satz: «Verschwände diese Beiz, es würden nicht nur Daumen,...

Du und ich

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Blog-Nr. 475 Nur du und ich und ich und du und ich bin dein du und du mein ich und du bist du und ich bin ich weil ich dein du lasse und du mein ich weil wir  ich sein dürfen ich ich  du du sind wir wir fw./13.5.26 Unter dem Label «Gedichte»  gibt es in meinem Blog frühere Texte Liebe Freundinnen und Freunde, Übernächstes Wochenende lesen (Kolumnen, auch Texte von früher) und spielen (u.a. Songs von Dylan, Cohen, Springsteen, Matter) wir wieder: – Am  23. Mai 2026,  es ist der Pfingstsamstag. – An einem besonderen Ort: Im Gasthaus  zum weissen Rössli  in  Mettmenstetten  im Säuliamt. – Mit besonderen Gastgebern: Regula Esposito (als Künstlerin: Helga Schneider) und Fredy Bickel (Fussball). –  Ab 18 Uhr , also bliebe nachher genügend Zeit, die wunderbare Kochkünste im schönen Gasthaus zu geniessen. Wir würden uns sehr freuen, es hat noch einige wenige Plätze: Fredy und Lukas Übrigens:  Mit ÖV (S5) gut erreichbar, aber es hat auc...

Flicks Sonntag

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Blog-Nr. 474 Es war schon fast Mitternacht an diesem Sonntagabend in Barcelona, und Hansi Flick stand mit einem Mikrofon in der Hand auf dem Rasen des Camp Nou, begann seine kurze Rede auf katalanisch, «Bona nit, culers», schöner Abend, Fans, culers werden die Fans von Barça genannt, und später sagte der deutsche Trainer der Katalanen, niemals habe er so viel Liebe gespürt. So viel Liebe wie an diesem Sonntag – an einem Tag mit so viel Schmerz für ihn. Am Morgen hatte er von seiner Mutter den Anruf bekommen: Der Papa ist gestorben. Aber am Abend wollte er Trainer seiner Mannschaft sein, es gab im Stadion eine eindrückliche Schweigeminute, mit wässrigen Augen stand und sass er am Spielfeldrand und erlebte, wie er sagte, seinen schönsten Moment als Fussballtrainer, sicher der emotionalste : Mit dem 2:0 gegen Real Madrid, ausgerechnet gegen Real, den ewigen Rivalen, wurde Barcelona spanischer Meister. Trauer und Glücksgefühle bei einem der eindrücklichsten Trainer der Gegenwart. Vor sechs...

Märchenhafter Sommer

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Blog-Nr. 473 Ein neues Buch von Ronald Reng Dies vorweg: Es ist keine Buch- Kritik , dafür ist Ronald Reng ein zu lieber Kollege, dessen Texte ich schon früher, als er noch Sportreporter war, sehr gerne gelesen habe. Und ich schrieb auch einige Male über ihn, 2008, bei der Fussball-Europameisterschaft in einem Tagebuch über seine Reise quer durch die Schweiz, wie er in Bauma im Zürcher Oberland landete, auf dem Weg von Neuenburg nach Innsbruck, weil das Tourismusbüro Winterthur ihm dort ein Zimmer gebucht hatte ( siehe Link unten). Jahre später besuchte ich ihn in Barcelona, er war Korrespondent dort und hatte eine eindrückliche und einfühlsame Biografie über den Torhüter Robert Enke geschrieben, der gegen seine Depression kämpfte und nur noch den Tod als einzigen Ausweg sah. Reng sagte damals in einem langen Gespräch: «Ich hatte vorher ein sehr rudimentäres Wissen von Depressionen. Nach diesen Recherchen, bei denen ich auch mit sehr vielen Psychologen und Psychiatern geredet und sehr...

Damals in der Pause

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Blog-Nr. 472 Wir sehen etwas, sind an einem Ort, stehen vor einem Gebäude, vielleicht ist es auch ein Bild, eine Stadt, eine Beach, eine Bar, manchmal sind es Erinnerungen an eine vergangene Liebe, oder wir lesen etwas, in der Zeitung, in einem Buch, und …  ... im Kopf ist alles wieder zurück. Damals. Und damals scheint, als sei es heute, oder wenigstens gestern, alles wieder nah vor den Augen, obwohl es doch weit weg ist. Wie in diesem Moment. An einem Morgen im April. Ich spazierte auf einer Quartierstrasse in meinem Dorf und blieb stehen. Vor mir mein Schulhaus, damals, erst im Kindergarten, dann in der Primarschule, und eben dieser Pausenplatz, es ist fast alles noch gleich wie in den sechziger Jahren. Der Pausenplatz. Mit dem Unterstand und der grossen Glasscheibe, den Säulen. Und auf beiden Seiten hat es Bänkli. Eigentlich zum Sitzen gedacht. Aber bei uns waren es die Tore. Und wir hatten einen Tennisball – wo versteckten wir diesen eigentlich während der Schulstunde ? –, er ...

Nur ein Thema

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Blog-Nr. 471 Im  «Bohemia» beim Kreuzplatz in Zürich bringt Toni am Morgen den Espresso an den Tisch und sagt lachend: «Hast du es gestern gesehen?» Am Nebentisch hat einer die Frage gehört und sagt: «Noch nie so etwas erlebt.» Eine Frau daneben, ich weiss, anderes im Leben interessiert sie weit mehr, sagt: «Ich habe es kaum mehr ausgehalten.» Einer hat schon am Abend zuvor, kurz vor Mitternacht, geschrieben, und ich weiss, dass er jene, die jetzt zwar verloren haben, sich aber trotzdem als Sieger fühlen, gar nicht mag, um es sanft auszudrücken: «Es hat sogar mit ihnen Spass gemacht.» Einer schreibt jetzt, er schaut wohl Fussball seit Fussball am Fernsehen zu sehen ist, und zwischendurch sagte er auch, jetzt möge er diesen Sport und den damit verbundenen Wahnsinn und den Auswüchsen nicht mehr sehen, um dann doch wieder alles zu schauen: «So etwas habe ich noch nie gesehen.» Und ein Freund, er hat bei seinem Klub seit Jahrzehnten eine Saisonkarte und verpasst kaum ein Spiel seiner R...

Nächste musikalische Lesung

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Liebe Freundinnen und Freunde, In einer Woche lesen und und spielen wir wieder,  Kolumnen, auch Texte von früher, Gedichte und Songs u.a. von Dylan, Cohen, Springsteen, Mani Matter oder Stiller Haas. Auch einen ganz alten Text über Fredy Bickel, wie er damals am Telefon zu Heino wurde. Wenn all die Wetter-Wisser, die Buchelis und Kachelmänner dieser Welt, Recht haben, dann wird es endlich wieder sommerlich-sonnig, also ideal: Erst ein Apero draussen im Garten, dann die musikalische Lesung, dann das Abendessen im wunderbaren Gasthof: – Am 23. Mai 2026,  es ist der Pfingstsamstag (Reise in den Süden lohnen sich also nicht, Stau...) – An einem besonderen Ort: Im Gasthaus zum weissen Rössli in Mettmenstetten im Säuliamt. Es gibt noch ein paar wenige Tickets (Anmelden unten). – Mit besonderen Gastgebern: Regula Esposito (als Künstlerin: Helga Schneider) und Fredy Bickel (Fussball). – Ab 18 Uhr, also bliebe nachher genügend Zeit, die Kochkünste im schönen Gasthaus zu geniesse...