Posts

Wie bei einem Popkonzert

Bild
Blog-Nr. 465 Dieser Text ist bereits auf meinem Facebook-Konto erschienen. Dieser Blog ist leicht ergänzt. Bereits mehr als eine Stunde vor der Predigt standen viele Menschen vor der Eingangstür. Die Kirche war nachher überfüllt, viele mussten in den Gemeindesaal nebenan ausweichen, über 700 waren es insgesamt, auch einen Livestream gab es und eine grosse Leinwand im Altarraum. Es ist Sonntagnachmittag in Küsnacht , es ist ein Bild wie vor einem Popkonzert. Es ist aber ein Anlass in der reformierten Kirche in der Zürichseegemeinde, ein Jubiläumsgottesdienst und die Verabschiedung von Pfarrer Andrea Marco Bianca , er geht nach 30 Jahren in Pension. Tanzender Pfarrer Und es war alles, eine Predigt, ein Fest, ein Konzert – und vor allem war es bewegend. Für Bianca, der mehrmals seine Tränen wegwischen musste, der seine Gefühle in die Predigt einbaute, dazu stand, wie schwer es ihm fällt, nicht mehr Pfarrer sein zu können. Für die Menschen in der Kirche, die spürten, dass jetzt etwas fehle...

Sollte man nicht?

Bild
Blog-Nr. 464 Von KI generiert Ein Gespräch kürzlich, was machst du im Juni? war die Frage gewesen. Bist du auf deiner Insel? Oder irgendwo am Meer? Weit weg? Da bleibe ich hier, bis Mitte Juli, da kann ich nicht weg, war meine Antwort. Ich will Fussball schauen, die WM, ab dem 11. Juni, es ist ein Donnerstag, abends um 21 Uhr bei uns, Mexiko gegen Südafrika. Nachmittags um eins ist es dann in Mexico-City, es wird sicher brütend heiss sein, wie damals, 1986 im Aztekenstadion, nie werde ich diesen Moment vergessen: Maradona – Diego! –, er und sein Dribbling, und dann er und die Hand Gottes, göttlich war es. Und jetzt, Fussball-WM 2026, in Mexiko, Kanada und – ja, den USA. Ich zögerte dann einen Moment, im Kopf rumorte es. Weltmeisterschaft, diese Weltmeisterschaft? Statt irgendwo am Meer, mit dem Rauschen der Wellen, dem Duft des salzigen Wassers, dem schönen Licht, dem Himmel, der sich abends rötlich verfärbt, dem Negroni an der Strandbar, den lauen Nächten, ohne Ball? Gut, vielleicht a...

Stolz mit Medaille

Bild
Blog-Nr 463 Sie sind jung und alt, 14 die jüngsten, um die 90 die ältesten, eine 89-Jährige aus Klosters ist immer dabei, seit es den Anlass gibt, seit 1969. Über 13 000 sind es auch diesmal. Einige sind dünn wie Langlauflatten, andere keuchen, weil ihre Skis doch recht viele Kilos zu viel tragen müssen. Frau und Mann, Jugendliche und Veteranen, und jeder, dünkt einem, wenn man ihnen zuschaut, wieder in einem anderen Laufstil. Einige kostümiert. Manche verbissen (vor Anstrengung). Andere dauerlächelnd (in der Frühlingssonne), zwischendurch winkend, gar tanzend, weil an einigen Orten Musik durch Lautsprecher ertönt. Auch so unterwegs Viele trainieren, seit sie irgendwo in diesem Winter, der vielerorts kein Winter war, Schnee gefunden haben. Andere sind am Tag zuvor einige wenige Kilometer gelaufen, um wieder das Gefühl zu bekommen, wie es ist, so mit Skis unter den Füssen und Stöcken an den Händen. Sie kommen von überall her. Oder sie sind wie Stefan, er hat seit Kindertagen eine Einsch...

Begegnungen

Bild
Blog-Nr. 462 Sie kannten sich nicht, sie in einem Liegestuhl am See beim Utoquai nahe dem Restaurant Fischerstube, er kam daher gelaufen, um die 30 wohl beide, sie ganz in schwarz, er in einem auffallend blauen Anzug, weisses Hemd. Sie kannten sich auch nicht, bellten zuerst, ein freudiges lautes Bellen, wie ein gegenseitiges Hallo; und sie und er, sie im Liegestuhl und er, jetzt stehenbleibend, schauten sich an – eben, weil sie bellten. Und sich neugierig beschnupperten und bald dem anderen hinterher rannten, mal der eine dem anderen, dann der andere dem einen, wie ein wilder Tanz, um Stühle und Tische herum und bald auf dem Kiesplatz, zwischendurch erneut ein Bellen, leiser jetzt, sie wirkten nun vertraut. Ein Tanz in der Familie, denn er oder sie – oder vielleicht waren es zwei er’s oder sie’s – sahen aus, als wären sie Zwillinge, gleiches Aussehen, gleich gross, gleiche Farbe, gleiche Spiellust. Sie im Liegestuhl war jetzt aufgestanden und wechselte mit ihm im Anzug stehend ein paa...

Lesung mit Chor

Bild
Blog-Nr. 461 Es war klar, schon damals im Theater Rigiblick, zwei Tage nachdem Bruce Springsteen sein «Streets of Minneapolis » veröffentlich hatte, dieses so bemerkenswerte und wichtige Lied, und Lukas Langenegger es zusammen mit der Band kurz übte und abends sang: Lukas muss es auch an unserer musikalischen Lesung in der Immobilienwerkstatt in Küsnacht vortragen. Und er tat es, zusammen mit meinem Schwiegersohn Ravin Marday, ganz am Schluss, es gab grossen Applaus, und bald wird Springsteen mit seiner E Street Band im Amerika auf eine zweimonatige Tournee gehen, und er sagt dazu: «Wir werden eure Stadt rocken zur Verteidigung Amerikas, der amerikanischen Freiheit, unserer Verfassung und unseres heiligen Traums. Alles wird von unserem Möchtegern-König und seiner Schurkenregierung in Washington D.C. attackiert.» Es war das Wochenende, als die Welt durch den Angriff auf den Iran noch etwas mehr in Aufruhr und Angst geriet, als sie es schon zuvor war, und so war die vielleicht schönste...

Verlorene Heimat

Bild
Blog-Nr. 460 Jasmin, Oliver, Toni, Malik, Antonio, Jenny, Emilija, Martin, Jan, Younes, Ahmad, Balazs, Bar, Ytalo, Martine,  Zdenek – ich habe vielleicht noch jemand vergessen. Oder: Sarah, Hans, Katharina, Heinz, Ursi, Walti, Adrian, Irene, Martin, Herby, Yvette, Franziska, Peti, Fritz, Lioba, Pippo, Joe, Murat, Ruedi, Helen, Lizzy, Vanessa, Michi, Urs, Sabine, Walti, Andreas, Michelle, Karen, Pilar, Roger, Sétarée. Es sind Namen. Einige kenne ich besser, andere weniger oder fast gar nicht. Ich habe mit ihnen gesprochen oder ihnen vielleicht nur lieb zugelächelt oder einfach freundlich gegrüsst. Oder eben, die ersten Namen, sie arbeiteten. 2 und 4. Das sind Zahlen. Sie fehlen. Die Namen und die Zahlen. Oder richtig: Die Namen werden seit gestern Nacht nicht mehr da sein, wo ich sie manchmal getroffen habe, die beiden Zahlen sind schon früher verschwunden. Die lieben Menschen sind nicht mehr im Totò, können nicht mehr dort sein, in diesem Bistro oder Ristorante, diesem Cafe oder di...

Zauberhaft

Bild
Blog-Nr. 459 Dieser Text erschien bereits auf Facebook,  ich habe ihn jetzt, weil es seither noch mehr schneite, nochmals überarbeitet und ergänzt Sanft fiel er an diesem Dienstag, der Schnee, der sich in diesem Winter so rar machte, und eigentlich freute man sich schon sehr auf den Frühling und noch mehr darauf, was nach ihm kommt, ich habe mir im Kalender die Eröffnung der Badi bereits notiert, mit roter Farbe, im Utoquai ist das schon der 11. April, nur noch 49mal schlafen also, und dann war es doch schön zu sehen, was da vom Himmel zur Erde schwebte, Flocke um Flocke, ganz viele Flocken und immer mehr und grössere, geräuschlos, besonders hier oben, weg von allem Lärm dieser Welt und dem mit den komischen Haaren und seinen Zöllen da drüben, einer setzte sich in der Hotellounge mit den weissen Sofas nachmittags ans Piano, im Kopf hatte ich, er würde «Imagine» von John Lennon spielen, aber das war wohl nur Einbildung und wäre schon fast zu kitschig, und der Himmel war weiss, und d...