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Lesung mit Chor

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Blog-Nr. 461 Es war klar, schon damals im Theater Rigiblick, zwei Tage nachdem Bruce Springsteen sein «Streets of Minneapolis » veröffentlich hatte, dieses so bemerkenswerte und wichtige Lied, und Lukas Langenegger es zusammen mit der Band kurz übte und abends sang: Lukas muss es auch an unserer musikalischen Lesung in der Immobilienwerkstatt in Küsnacht vortragen. Und er tat es, zusammen mit meinem Schwiegersohn Ravin Marday, ganz am Schluss, es gab grossen Applaus, und bald wird Springsteen mit seiner E Street Band im Amerika auf eine zweimonatige Tournee gehen, und er sagt dazu: «Wir werden eure Stadt rocken zur Verteidigung Amerikas, der amerikanischen Freiheit, unserer Verfassung und unseres heiligen Traums. Alles wird von unserem Möchtegern-König und seiner Schurkenregierung in Washington D.C. attackiert.» Es war das Wochenende, als die Welt durch den Angriff auf den Iran noch etwas mehr in Aufruhr und Angst geriet, als sie es schon zuvor war, und so war die vielleicht schönste...

Verlorene Heimat

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Blog-Nr. 460 Jasmin, Oliver, Toni, Malik, Antonio, Jenny, Emilija, Martin, Jan, Younes, Ahmad, Balazs, Bar, Ytalo, Martine,  Zdenek – ich habe vielleicht noch jemand vergessen. Oder: Sarah, Hans, Katharina, Heinz, Ursi, Walti, Adrian, Irene, Martin, Herby, Yvette, Franziska, Peti, Fritz, Lioba, Pippo, Joe, Murat, Ruedi, Helen, Lizzy, Vanessa, Michi, Urs, Sabine, Walti, Andreas, Michelle, Karen, Pilar, Roger, Sétarée. Es sind Namen. Einige kenne ich besser, andere weniger oder fast gar nicht. Ich habe mit ihnen gesprochen oder ihnen vielleicht nur lieb zugelächelt oder einfach freundlich gegrüsst. Oder eben, die ersten Namen, sie arbeiteten. 2 und 4. Das sind Zahlen. Sie fehlen. Die Namen und die Zahlen. Oder richtig: Die Namen werden seit gestern Nacht nicht mehr da sein, wo ich sie manchmal getroffen habe, die beiden Zahlen sind schon früher verschwunden. Die lieben Menschen sind nicht mehr im Totò, können nicht mehr dort sein, in diesem Bistro oder Ristorante, diesem Cafe oder di...

Zauberhaft

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Blog-Nr. 459 Dieser Text erschien bereits auf Facebook,  ich habe ihn jetzt, weil es seither noch mehr schneite, nochmals überarbeitet und ergänzt Sanft fiel er an diesem Dienstag, der Schnee, der sich in diesem Winter so rar machte, und eigentlich freute man sich schon sehr auf den Frühling und noch mehr darauf, was nach ihm kommt, ich habe mir im Kalender die Eröffnung der Badi bereits notiert, mit roter Farbe, im Utoquai ist das schon der 11. April, nur noch 49mal schlafen also, und dann war es doch schön zu sehen, was da vom Himmel zur Erde schwebte, Flocke um Flocke, ganz viele Flocken und immer mehr und grössere, geräuschlos, besonders hier oben, weg von allem Lärm dieser Welt und dem mit den komischen Haaren und seinen Zöllen da drüben, einer setzte sich in der Hotellounge mit den weissen Sofas nachmittags ans Piano, im Kopf hatte ich, er würde «Imagine» von John Lennon spielen, aber das war wohl nur Einbildung und wäre schon fast zu kitschig, und der Himmel war weiss, und d...

Grönemeyern

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Blog-Nr. 458 Er hüpft. Er schreit. Er redet. Er rennt. Er singt. Er geniesst. Er tanzt. Er quiekt. Er wedelt. Er spielt. Er grölt. Er flitzt. Er twistet. Er dirigiert. Er stampft. Er jodelt. Er schauspielert. Er taumelt. Er klatscht. Er säuselt. Er brüllt. Er lebt (intensiv). Er grönemeyert. Und es war wunderbar. Nach 100 Minuten ging Herbert Grönemeyer am Sonntagabend von der Bühne, die mitten im Zürcher Hallenstadion aufgebaut war, kam zurück, ging wieder, kam wieder zurück, und am Ende waren es fast drei Stunden. Im letzten Lied sang und sprach er vom Mond, der aufgegangen ist, «macht, was ihr wollt, schläft später gut/Vielen herzlichen Dank» heisst es darin, «Tschüss» das letzte Wort. Die Menschen gingen, wohl viele summend, hinaus in die nass-kalte Nacht, es war fast Neumond, kurz nach 23 Uhr. Ein Zähler hätte bei Grönemeyer wohl zwanzig- oder mehr tausend Schritte angezeigt, fast ständig war er unterwegs, und man fragt sich, wie schafft er das, diese Kondition, diese Energie? Am ...

Stolz sein

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Blog-Nr. 457 Ich schrieb diesen Text vor fast genau zwei Jahren während der alpinen Ski-WM in Courchevel. Und ich habe ihn jetzt aktualisiert, um- und neugeschrieben.  Weil die Gefühle wieder ähnlich sind. Ich hörte das Lied, schrieb ich damals, zufällig auf einer persönlichen Liste, die Spotify zusammengestellt und die man hört, wenn man spazierend einfach etwas Musik hören und sich nicht festlegen will.  (Diesmal war es während dem Fitnesstraining, ich wollte mich auf das Konzert von Herbert Grönemeyer am Sonntag im Hallenstadion einstimmen). Ich hatte «Deutsche Liedermacher» gewählt, und dann… … ich hörte dieses Lied und dachte an Momente in diesen olympischen Tagen in Italien ... Abends auf dem Teletext gesehen; ja, Teletext, wie vor 40 Jahren, für mich immer noch eine der wichtigsten Informationsquellen: Bronze für Gregor Aschwanden. Bronze! Nicht mehr Simon Amman, dem ich es so wünschte, dass er zum achten Mal dabei sein darf bei Olympia; nein Gregor Deschwanden, u...

Ancillo Canepa: «Heliane, wir müssen reden»

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Blog-Nr. 456 Die Ein-Mann-Redaktion vom Blog «Wieder im Auge» bekam eine anonyme Mail zugeschickt, angehängt ist ein File mit einer Tonband- und, was besonders erstaunt, auch Filmaufzeichnungen, ziemlich wacklig. Es ist ziemlich brisant, ein Protokoll eines Gesprächs in der Familie Canepa am grossen Familientisch in ihrem Haus in Wädenswil. Einmal sieht man an der Wand eine Uhr, sie zeigt 20.15 Uhr, das Präsidentenpaar muss eben vom Spiel in Basel zurückgekommen sein. Man hört Gläser klingen, ein kurzes «Prost» von ihr, wenig freundlich, er schweigt, einmal ruft er «Chilla», es tönt lieb, sie ist eine von zwei Schäferhunden Canepas. Man sieht es auf dem Bild nicht klar, aber Chilla liegt offenbar vor einem Stück Rinderfilet, es sieht edel aus, auf dem Boden. Die Ein-Mann-Redaktion fragte KI, wie es möglich sein könnte, dass so eine Aufzeichnung gemacht wurde. KI antwortete, denkbar sei, dass Milos Malenovic, der entlassene Sportchef, dahinter stecken könnte, er habe möglicherweise der ...

Eine Begegnung, eine Geschichte

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Blog-Nr. 455 Symbolbild Ich sah sie auf dem Trottoir der Seestrasse am Zürichsee gehen, ein Mann, wohl der Vater, mit einem Kind an jeder Hand, drei Schwarze Menschen, die Kinder, der Bub vielleicht 11, das Mädchen vielleicht 9, trugen Rucksäcke. Der Vater, denke ich, hatte sie von der Schule in der Nähe abgeholt; es war nachmittags kurz nach vier, ein schöner Frühlingstag im Februar, vielleicht hatten auch sie heute die Zeugnisse bekommen, wie alle Schüler in diesen Tagen. Sie wirkten vergnügt, sie lachten, sie schwatzten, sie waren bunt gekleidet, auch der Vater, vielleicht hatte er ihnen als Belohnung für die guten Noten etwas versprochen, sie liefen nachher hoch zum Bahnhof, wo es einen Kiosk gibt. Ich denke, sie leben schon länger hier in der Schweiz, er spricht, wie ich knapp mithöre, französisch mit den Kindern, sie reden recht gutes Schweizerdeutsch. Ein schönes Bild. Ich las einige Tage zuvor im Magazin der Süddeutschen Zeitung die Geschichte eines unbescholtenen Bürgers, der ...