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Ancillo Canepa: «Heliane, wir müssen reden»

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Blog-Nr. 456 Die Ein-Mann-Redaktion vom Blog «Wieder im Auge» bekam eine anonyme Mail zugeschickt, angehängt ist ein File mit einer Tonband- und, was besonders erstaunt, auch Filmaufzeichnungen, ziemlich wacklig. Es ist ziemlich brisant, ein Protokoll eines Gesprächs in der Familie Canepa am grossen Familientisch in ihrem Haus in Wädenswil. Einmal sieht man an der Wand eine Uhr, sie zeigt 20.15 Uhr, das Präsidentenpaar muss eben vom Spiel in Basel zurückgekommen sein. Man hört Gläser klingen, ein kurzes «Prost» von ihr, wenig freundlich, er schweigt, einmal ruft er «Chilla», es tönt lieb, sie ist eine von zwei Schäferhunden Canepas. Man sieht es auf dem Bild nicht klar, aber Chilla liegt offenbar vor einem Stück Rinderfilet, es sieht edel aus, auf dem Boden. Die Ein-Mann-Redaktion fragte KI, wie es möglich sein könnte, dass so eine Aufzeichnung gemacht wurde. KI antwortete, denkbar sei, dass Milos Malenovic, der entlassene Sportchef, dahinter stecken könnte, er habe möglicherweise der ...

Eine Begegnung, eine Geschichte

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Blog-Nr. 455 Symbolbild Ich sah sie auf dem Trottoir der Seestrasse am Zürichsee gehen, ein Mann, wohl der Vater, mit einem Kind an jeder Hand, drei Schwarze Menschen, die Kinder, der Bub vielleicht 11, das Mädchen vielleicht 9, trugen Rucksäcke. Der Vater, denke ich, hatte sie von der Schule in der Nähe abgeholt; es war nachmittags kurz nach vier, ein schöner Frühlingstag im Februar, vielleicht hatten auch sie heute die Zeugnisse bekommen, wie alle Schüler in diesen Tagen. Sie wirkten vergnügt, sie lachten, sie schwatzten, sie waren bunt gekleidet, auch der Vater, vielleicht hatte er ihnen als Belohnung für die guten Noten etwas versprochen, sie liefen nachher hoch zum Bahnhof, wo es einen Kiosk gibt. Ich denke, sie leben schon länger hier in der Schweiz, er spricht, wie ich knapp mithöre, französisch mit den Kindern, sie reden recht gutes Schweizerdeutsch. Ein schönes Bild. Ich las einige Tage zuvor im Magazin der Süddeutschen Zeitung die Geschichte eines unbescholtenen Bürgers, der ...

Nächste Lesung mit etwas «Bruce»: 1.3. in Küsnacht

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Blog-Nr. 454 Liebe Freundinnen und Freunde  Wann, wo, wie – das sind die Angaben zu unseren nächsten musikalischen Lesungen. Und das Schönste zuerst: Bruce, der Boss, schrieb es am Samstag nach dem zweiten tragischen Ereignis in Minneapolis, nahm es am Dienstag auf, veröffentliche es am Mittwoch – viele Millionen haben es inzwischen schon auf YouTube angesehen: «Streets of Minneapolis», ein bewegender Song. Im Theater Rigiblick nahmen sie es mit der Band spontan in ihr Programm «Tribute to Springsteen» auf, übten am Nachmittag paar Stunden, und am Abend sang Lukas das Lied, auf beeindruckende Weise. Und, eben das Schönste: Er wird es auch bei unseren nächsten zwei Lesungen tun, in Küsnacht und Mettmenstetten! Wir sind am Vorbereiten. Ich lese neue Texte, einige, die ich vor vielen Jahren geschrieben habe, Texte wie: «Verlorene Heimat» (ist ganz aktuell, schreibe ich erst am Vorabend zu Ende, mehr sei nicht verraten ...), «Ein Zuschauer», «Famiglia Galli» oder «Dorfklatsch, auch üb...

Zorniger Boss

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Blog-Nr 453 Bruce Springsteen am 30.6.2025 im San Siro, Mailand Roberto De Niro, andere grosse Schauspieler und Schauspielerinnen, Natalie Portman, Jennifer Aniston oder Edward Norton, auch die Sängerin Billie Eilish, haben sich schon gegen den narzisstischen Möchte-gerne-Weltherrscher aus Washington und Mar-a-Lago positioniert, jetzt tut es auch Rockmusiker Bruce Springsteen . Oder tut es wieder. Mit Worten machte er es schon lange. Bei allen Konzerten im vergangenen Jahr quer durch Europa schrie er zu seinem Publikum, dass sein Amerika, das er so liebe, in den Händen einer korrupten, inkompetenten und verräterischen Regierung sei, und er liess dies jeweils auch an den Videoleinwänden in der entsprechenden Landessprache übersetzen. Jetzt macht er es mit einem Song. Am Samstag, wenige Stunden nachdem auf der Nicollet Street in Minneapolis der 37-jährige Alex Pretti von Beamten der Einwanderungs- und Zollbehörde ICE festgehalten und mit zehn Schüssen getötet worden war, schrieb Springst...

Brief an Magnin

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Blog Nr. 452 Lieber Ludovic Magnin Ich schaue diese Fotos an. Und denke: Es ist eine Frechheit, dass man Sie beim FC Basel nicht mehr will. Es sind Augenblicke an diesem frühen Sonntagabend. Die Klub-Verantwortlichen, die im Letzigrund oben auf der Tribüne sassen, wussten in diesem Moment bereits, dass Sie entlassen werden. Sie hätten auch 7:0 gewinnen können, es hätte nichts geändert. Sie gewannen gegen den FCZ 4:3 nach einem Spiel mit tausend Emotionen und ständigen Wendungen. Sie sagten vor dem Spiel, Sie würden keine Zeitungen lesen, sonst würden Sie krank werden; Sie schmunzelten dabei, das wunderbare Magnin-Schmunzeln, Sie wippten mit Ihrem Körper, und Sie waren wie immer, obwohl Sie vielleicht ahnten, was passieren wird, unabhängig davon, was jetzt im Spiel passiert. Und dann litten Sie, bangten Sie, hofften Sie, schrien, gestikulierten, jammerten, fluchten, bebten, fieberten, 94 Minuten lang – und zuletzt jubelten Sie, ausgelassen, hemmungslos, überbordend, mit ausgestreckten A...

Verloren

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Blog-Nr. 451 Einmal Wawrinka, einmal Odermatt* Der eine holte zuletzt zwei Bierdosen aus seiner Tasche und prostete dem Turnierdirektor zu. Der andere versteckte sein Gesicht, den Kopf lange auf die Skistöcke gestützt. Verloren. Der eine hatte feuchte Augen, wurde gefeiert, feierte selber, genoss einfach den Moment. Der andere hatte einen leeren Blick, wäre am liebsten sofort verschwunden, hätte gerne mit niemandem sprechen müssen. Der eine verabschiedete sich aus Melbourne, vom ersten grossen Tennisturnier des Jahres, nie mehr wird er dort spielen. Der andere stand wieder auf dem Podest, zum 100. Mal in seiner Karriere, und er wird wieder nach Kitzbühel zurückkehren.  Verloren.  Der, der Abschied nahm, hatte auch schon viel und viel Grosses gewonnen und jetzt nochmals gezeigt, wie grossartig er ist. Der, der so abgrundtief enttäuscht war und bei der Ehrung der Besten weinte, gewinnt fast immer. Aber weiterhin nicht die Abfahrt auf der Streif. Wegen sieben Hundertstelsekunden....

Mit a statt u

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Blog-Nr. 450 Trump Trump Trump Trump Trump nur Trump trumpen Es war einmal ein schönes Wort,  mit a statt u. trampen.  Autostoppen. Einsteigen. Vertrauen haben. Mit Fremden ins Gespräch kommen. Reden. Zuhören. Irgendwohin fahren.  Ein Tramper sein. Es war einmal. Nächste musikalische Lesungen: 1. März, 11  Uhr Immobilienwerkstatt, Küsnacht Anmeldungen:  fredy.wettstein@gmail.com 23. Mai, 18 Uhr, Gasthaus zum weissen Rössli, Mettmenstetten Anmeldungen: seetickets.com Wer nachher Essen mag (sehr zu empfehlen) Reservation | Gasthaus zum weissen Rössli Meine Webseite  zum Blog, mit immer  wieder neuen Fotos und Tipps HIER Den  Blog «Wieder im Auge»   kostenlos abonnieren   oder   auf Facebook folgen  und lesen.  

Zwischen Krieg und Frieden

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Blog-Nr. 449 Pippo Pollina  mit seiner neuen Tour  « Fra guerra e pace»* Es war wie damals, mitte der achtziger Jahre, als er es nicht mehr ausgehalten hatte, in seinem Palermo in Sizilien, und er von der Mafia und der Korruption in der Stadt flüchtete: Pippo Pollina, inzwischen 62, ist wieder der Strassenmusikant, wie damals in den Städten quer in Europa, auch in Zürich, im Niederdorf, nur er und seine Gitarre, Lieder singend, Leute legten Münzen oder Noten in eine Schachtel.  Pippo Pollina mir Gitarre im Kaufleuten So betritt er an diesem Mittwoch und Donnerstag zweimal das Kaufleuten, läuft durch den Saal, von ganz hinten nach vorne zur Bühne, inmitten der Zuschauer, nur er und die Gitarre, singt «A mani basse», seine Hommage an Muhammad Ali, den er so bewundert. Er beschreibt im Lied die Künstler, die Hoffnung verbreiten sollen in Zeiten, in denen Politiker versagen. Ein starkes Lied, eines von vielen von Pollina, der seit mehr als 30 Jahren im Zürcher Seefeld lebt. U...