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Platz mit Aussicht

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Blog-Nr. 483 Es gibt das imposante Bernabeu mitten in Madrid, das Camp Nou in Barcelona wird ein Bijou, wenn es einmal fertig ist, das Wembley schrieb Geschichte, das Aztekenstadion in Mexico-City wird immer mit Diego in Verbindung bleiben, die Allianz Arena in München ist manchmal ein Wohnzimmer, dem ehrwürdigen San Siro in Mailand werden wir bald nachtrauern müssen. Es gibt wunderbare Stadien und Fussballplätze auf dieser Welt, einige sind mit Erinnerungen verbunden. Und es gibt die Plätze, die manchmal mehr ein Acker waren, irgendwo auf dem Lande oder in einem Quartier, auf denen wir an einem Samstagmorgen bei Nässe und Kälte und auch Schnee und vor null Zuschauern kickten. Ich liebe Fussballplätze, suche sie gerne auf Reisen, werde manchmal wehmütig, wenn ich übers Land fahre, sie sind jetzt oft eine grüne und gepflegte Wiese, und wenn ich zwei Tore sehe und denke, wie schön wäre es, noch ein Spiel, ein letztes, ich habe ja mein letztes nicht gespielt, weiss wenigstens nicht, wann...

Auf Leonards Spuren

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Blog-Nr. 482 Mit dem Gefühl durch die engen Gassen gelaufen, immer wieder die Treppen, die vielen, vielen hoch, er komme gleich um die Ecke, mit seiner Gitarre umgehängt, vielleicht gar spielend und singend, oder dann Händchen haltend mit seiner Marianne und verliebten Blicken.  Oder er sitze unten am Hafen, in der Taverne O Pirates, wo er oft sass, manchmal spielte, manchmal etwas aufschrieb, spät nachts Ouzo trank, oder im Café O Katsikas, so hiess es früher, es soll einst auch ein Lebensmittelgeschäft gewesen sein, hier hatte er seine Marianne erstmals gesehen, diese schöne blonde Norwegerin. Und sich sogleich verliebt. So flaniere ich durch Hydra, und als ich ankam vor ein paar Tagen, war es wie ein nach-Hause-kommen, obwohl es noch nie ein Zuhause war, aber die Bilder im Kopf, alles, was ich gelesen und gehört hatte – und es war viel –, es war genauso. Hydra ist wie ein riesiges Gemälde. Und eben hier wegen ihm, und jetzt mit dem Gefühl, er sei doch immer noch auf der Insel, o...

Dunkle Nacht

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Blog-Nr. 481 Die Planung war schlecht. Nein, natürlich, es war ja ein Traum, endlich auf diese Insel. Und wer denkt im Winter daran, dass Ende Mai, wenn man Sonne und die Badi oder gar das Meer im Kopf und irgendwo einen Negroni in der Hand hat, wieder Winter ist. Wenigstens sportmässig. Und so sitze ich da. Vor mir die Schiffe im Hafen, die Sonne, die am Horizont langsam untergeht, der Himmel, der sich nächtlich blau verfärbt, die Esel, die darauf warten, irgendwelche Koffer oder sonst was die steilen Wege und Treppen hinauf zu tragen, die Katzen, die vielen Katzen, die müde sind vom Tag und es sich auch auf Stühlen in den Tavernen bequem machen, die flanierenden Menschen in kurzen Röcken und Hosen, die Boote, die ankommen und wegfahren. Sitze da und habe meinen Laptop vor mir. Und denke, es wäre ja schön, jetzt in der Swiss Life Arena in Altstetten in Zürich, als einer von Zehntausend in Rot, oder zu Hause vor dem Bildschirm. Aber ist es doch noch viel schöner, ein Glas Rosé neben de...

Endlich da: Hydra

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Blog-Nr. 480 Erstmals einen Song von ihm wahrgenommen in den siebziger Jahren. Ein erstes Konzert wohl in Basel, vielleicht in Montreux, ja, ich glaube, es war am Genfersee beim Jazzfestival. Auf der Piazza San Marco in Venedig erst später, es regnete damals den ganzen Tag bäche- oder kanäle-voll, wir mussten über provisorische Holzstege zum Platz, aber es war wunderbar, wir völlig durchnässt. Und Barcelona. Und Wien, klar in Zürich, mehrmals, zweimal Kongresshaus, sonst im Hallenstadion, Mailand, Stassburg, Lörrach, es war ein Open-Air, Genf, München, Berlin. Viele Male. Er stets mit dreiteiligem Massanzug, meistens Krawatte, dunklem Fedora-Hut, den er jeweils vom Kopf und vor seine Brust nahm, sich vor dem Publikum verbeugte, niederkniete, irgendwie demütig, etwas verlegen, fast schüchtern, aber immer würdevoll, und sich so bedankte. Mit warmen Worten. «I Tried to Leave You» sang er zuletzt bei seinen Konzerten meist, das Mikrofon fest in seine Hände gedrückt, so möchte man alt werd...

Fredy, der damals Heino war

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Blog-Nr. 479 Eine musikalische Lesung in Mettmenstetten Da sei Roberto Blanco, hörte Fredy Bickel damals am Telefon, es war in den Neunzigerjahren, und er war bei den Grasshoppers, als diese noch eine stolze Marke im Fussball waren, Technischer Leiter. Er sass spät abends in seiner Wohnung in Mettmenstetten. Dann sei er der Heino, sagte Bickel, schlagfertig wie er ist. Blanco, deutscher Sänger und Entertainer, er sei wirklich Blanco, sagte er, wollte Tickets für ein GC-Spiel, damals noch begehrt. Sie waren am Telefon bald der Roberto und der Fredy. Das war die erste Geschichte bei der musikalischen Lesung an diesem sommerlichen Pfingstsamstag im Mai – und aus einem besonderen Grund. Fredy Bickel ist jetzt Gastronom, zusammen mit seiner Frau, Regula Esposito , bekannt als Helga Schneider auf den Comedy-Bühnen, führen sie das Gasthaus zum weissen Rössli , ein altes Haus, immer wieder wunderbar renoviert, in Mettmenstetten im Säuliamt. Im Schimmel Saal mit Wein und Fussball-Erinnerungen...

Wo liegt Elversberg?

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Blog-Nr. 478 Wir haben den FC Thun: Aufstieg, gleich Schweizer Meister.  Doch es gibt in diesen Tagen noch andere märchenhafte Fussballgeschichten. Ein Verein, eine Sportvereinigung 07, nicht aus einer Stadt, auch nicht aus einer kleinen, auch nicht aus einem Dorf, es ist nur ein Ortsteil. Es halten hier keine Züge, auch nicht verspätet, es hat gar keinen Bahnhof, immerhin zwei Tankstellen. Auf der Booking-Plattform wird nur ein Hotel aufgelistet, mit 27 gemütlichen Zimmern, ab 90 Euro.  Das Stadion hat nur 10 000 Plätze, es wird im Moment eine neue Nordtribüne gebaut, dann sind es 15 000, mehr als der Ort Einwohner hat. Das Stadion heisst offiziell Ursapharm-Arena, aber alle sagen nur Kaiserlinde, die Linde, die den Namen gab, steht allerdings nicht mehr, ein Orkan hat sie umgehauen. Die Spielerkabinen sind in Containern untergebracht, sie stehen nebenan auf einer Wiese, eine der neun dient als Mannschaftsdusche, eine als Toilette. Die Busse halten mitten auf der Landstrasse,...

Handschuhe im Netz

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Blog-Nr. 477 Mit 33 Abschied, mit 40 Fortsetzung* Die Handschuhe eines Torhüters hängen im Netz. Weil er sie nicht mehr braucht. Weil er mit ihnen keine Tore mehr verhindern will. Er wird bald 33. Das beste Alter für einen Torhüter, sagt man. Aber Yanick Brecher mag es nicht mehr. Nicht die Nummer 1 sein; die Nummer 25 trug er, 20 Jahre war er beim gleichen Klub, immer bei nur einem Klub, 367 Spiele beim FC Zürich. Weil im Klub ein junger, talentiert wie Brecher als Junge auch war, Torhüter auf seine Chance wartet und diese auch verdient, will Brecher nicht mehr. Es ist nicht der einzige, aber ein wichtiger Grund für den Abschied. Er hatte keine Lust, fortan die Nummer 2 zu sein. Und mag auch nicht anderswo, bei einem anderen Klub, nochmals die Nummer 1 (oder 25) sein. Yanick Brecher: Der Abschied mit seinen Kindern Ein anderer dagegen mag es. Er ist kürzlich 40 geworden. Er macht beim Klub, bei dem er seit 15 Jahren im Tor steht, ein weiteres Jahr weiter. Und seit gestern Abend ist (f...