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Wenn Zürich erwacht

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Blog-Nr. 489 Den Wecker gestellt auf 03.30 Uhr. Mit der roten Vespa in die Stadt gefahren, die noch gar nicht erwacht, einfach still ist, (fast) keine Autos, kein Tram, keine Rotlichter, niemand auf der Strasse. Das Bellevue leer. Nur das Surren des Vespa-Motors. Ein schöner Moment, allein in der grossen Stadt, «Il est cinq heures, Paris s’éveille», das Lied von Jacques Dutronc kommt in solchen Momenten mir immer in den Sinn, es beschreibt die Poesie einer Stadt im Morgengrauen, die Verliebten sind erschöpft, die Strassenarbeiter mit Besen unterwegs. Aber viele solche Momente kenne ich ja gar nicht. Um halb vier morgens schlafe ich meistens, oder will schlafen und kann nicht. Oder träume vielleicht. Nicht jetzt, an diesem Freitagmorgen. Den Wecker gestellt (und beinahe nicht gehört) wegen Schweizern, die Fussball spielen. Warum das? Zwei «Spanier» vor dem «Vior» und Kobel und Xhaka Als ich die Vespa parkte bei der Löwenstrasse vor dem Club «Vior», in dem sie abends zuvor noch mit Salsa...

Die Denker

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Blog-Nr. 488 Der eine steht. Der andere läuft an, nachdem er zuvor den langen Weg vom Mittelkreis her gegangen war. Der eine, der im Tor steht, denkt sich, was der andere, der den Ball jetzt auf den Punkt gelegt hat und nun schiessen soll, vielleicht denkt. Er denkt – und er denkt auch. Und er, der im Tor steht, denkt, der andere denkt in dieser Sekunde auch irgendetwas und er hat wohl einen Plan; und er fragt sich, was der andere vielleicht gerade in dieser Sekunde denkt und was für einen Plan er hat; und er denkt, es sei besser, er denke jetzt gleich. Aber vielleicht denkt der andere, dass er jetzt anders denken soll, weil der im Tor so denkt.  Er will anders denken, als er denkt. Er ändert seinen Plan. Und der in Tor denkt im letzten Moment, er müsse vielleicht doch anders denken. Elfmeterschiessen, die Verlängerung nach der Verlängerung, wie jetzt wieder an dieser Weltmeisterschaft, wie bei den Sechszehntelfinals schon in zwei von vier Spielen, es sind die Momente der Denker. D...

Per favore, Roma!

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Blog-Nr. 487 Ein Blumenstrauss liegt auf ihr, ein grosser, es sind wunderbare Rosen. Und ich wundere mich. Und erschrecke dann, als ich auf ihr sitze. Sie beginnt zu reden, deutlich hörbar, ich sehe mich um, denke, die Stimme komme vielleicht aus dem nahen Fenster oder von hinter mir; hört man auf einem Ohr nicht mehr so gut, weiss man oft nicht, woher die Stimmen kommen. Sie kommt aus ihr. «Ich will nach Rom», sie sagt: «Roma» , und sie wolle sofort gehen, möglichst gleich abfahren. Und sie sagt noch: «Du warst auch auf deinem Sehnsuchtsort Hydra, ich darf auch meinen haben, und jetzt spricht sie italienisch: «Per favore, per favore a Roma, partiamo!» Ich weiss immer noch nicht, woher die Stimme kommt, aber es gibt keinen Zweifel, sie ist es, die zu mir redet, und obwohl ihre Stimme lieblich ist, scheint sie keinen Widerspruch zu dulden. Und, sagt sie nun, sie habe auf Google Maps bereits alles angesehen, auch mit KI korrespondiert, knapp 900 Kilometer seien es von Küsnacht aus , 18 S...

Schwitzen mit den Hosen

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Blog-Nr. 486 24 Stunden zuvor versank Zürich im Wasser. War es abends um acht dunkel und der Himmel schwarz, und die Welt schien unterzugehen, nichts ging mehr in der Stadt. Und jetzt ist er nur blau, brennt die Sonne vom Himmel, über 30 Grad noch, jeder Schritt ein Kampf gegen den Schweiss. Und wir tanzen und hüpfen und springen und wippen. Wir singen oder johlen oder summen oder grölen auch. Und vor allem schwitzen wir. Sind nass. Nicht, weil es regnet, wir sind pflotschnass von diesem Gewitter da vorne im Stadion bei brütender Hitze. Von diesen Liedern, der Musik, von den lauten Tönen, dem Geschrei, manchmal wie ein Motor, der aufheult, wie ein wilder Sturm, sie ballern auf der Bühne, schiessen aus allen Rohren, es knallt, aber dann gibt es auch immer wieder die leisen Momente. Punk, Rock und Poesie. Mit Songs von früher und neuen. Mit Texten wie diesen: «Ich soll dich grüssen von den Anderen / Sie denken alle noch ganz oft an dich / Und dein Garten, es geht ihm wirklich gut / Obwoh...

No einisch der gliich Diego si

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Blog-Nr. 485 Ein Buchtipp: «Mit linggs» von Pedro Lenz Es ist WM, auch in Mexiko, auch im Aztekenstadion, und weil damit so manches in den Kopf kommt, über den Fussball von damals, und weil man dabei denkt, es fehlen heute Figuren von einst, auch weil es früher ein Turnier mit weniger Mannschaften war, mit 16 oder 24 und nicht 48, mit weniger Spielern, die man sich merken konnte, aber natürlich vor allem mit einem; und eben Mexiko, eben das Aztekenstadion, dieser 22. Juni 1986, ein Sonntag, Argentinien gegen England: Diego Armando Maradona und seine beiden Tore, mit dem Fuss und der Hand Gottes, und wie der uruguayische TV-Reporter auf der Tribüne in sein Mikrofon schrie: «Genio, genio, genio… ta, ta, ta goooooooool! Quiero llorar, Dios santo, viva el fútbal… golaaaazooo Diegoool!» Alles das steht in spanisch auf zwei Seiten in diesem Buch, aber sonst ist alles auf Berndeutsch geschrieben, und dann heisst es so: «Genie, Genie, Genie… Ta, ta, ta Goooooooool! I wett gränne, Heilige Gott,...

Verliebt auf Hydra!

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Blog-Nr. 484 Verliebt. Eine Frau seit 30 Jahren immer wieder mal irgendwo gesehen. Nie mit ihr geredet. Nie berührt. Nur immer wieder geträumt von ihr.  So war es. Mit diesem Ort. Dieser kleinen Insel. Und der Geschichte zu dieser Insel. Die auch mit einer Liebe zu tun hat. Mit der Liebe, die Leonard Cohen dort fand, mit seiner Marianne. Sie hielt nicht ewig. Aber sie war eine Liebe fürs Leben. «So long, Marianne». Deshalb nach den Texten noch diese Fotogeschichte. In 28 Bildern. Über Hydra. Mit der Ankunft in Athen und dort dem Ende der Reise.   1. Damals, Leonard Cohen und seine Marianne im Hafen von Hydra 2. Athen: Die Insel ist nahe 3. Noch eine Ecke mit der Fähre 4. Schöner als im Traum 5. Die erste Katze (von ganz vielen) 7. Der erste Esel (von vielen)   8. The Pirate Bar, wo auch Cohen immer sass 9. Und abends manchmal Gitarre spielte 10. Seine Gasse hoch oben 11. Und dann: Das Haus von Cohen 12. Sein Film, im Freiluftkino 13. Und immer wieder Katzen 14./15. Und si...

Platz mit Aussicht

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Blog-Nr. 483 Es gibt das imposante Bernabeu mitten in Madrid, das Camp Nou in Barcelona wird ein Bijou, wenn es einmal fertig ist, das Wembley schrieb Geschichte, das Aztekenstadion in Mexico-City wird immer mit Diego in Verbindung bleiben, die Allianz Arena in München ist manchmal ein Wohnzimmer, dem ehrwürdigen San Siro in Mailand werden wir bald nachtrauern müssen. Es gibt wunderbare Stadien und Fussballplätze auf dieser Welt, einige sind mit Erinnerungen verbunden. Und es gibt die Plätze, die manchmal mehr ein Acker waren, irgendwo auf dem Lande oder in einem Quartier, auf denen wir an einem Samstagmorgen bei Nässe und Kälte und auch Schnee und vor null Zuschauern kickten. Ich liebe Fussballplätze, suche sie gerne auf Reisen, werde manchmal wehmütig, wenn ich übers Land fahre, sie sind jetzt oft eine grüne und gepflegte Wiese, und wenn ich zwei Tore sehe und denke, wie schön wäre es, noch ein Spiel, ein letztes, ich habe ja mein letztes nicht gespielt, weiss wenigstens nicht, wann...