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Märchenhafter Sommer

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Blog-Nr. 473 Ein neues Buch von Ronald Reng Dies vorweg: Es ist keine Buch- Kritik , dafür ist Ronald Reng ein zu lieber Kollege, dessen Texte ich schon früher, als er noch Sportreporter war, sehr gerne gelesen habe. Und ich schrieb auch einige Male über ihn, 2008, bei der Fussball-Europameisterschaft in einem Tagebuch über seine Reise quer durch die Schweiz, wie er in Bauma im Zürcher Oberland landete, auf dem Weg von Neuenburg nach Innsbruck, weil das Tourismusbüro Winterthur ihm dort ein Zimmer gebucht hatte ( siehe Link unten). Jahre später besuchte ich ihn in Barcelona, er war Korrespondent dort und hatte eine eindrückliche und einfühlsame Biografie über den Torhüter Robert Enke geschrieben, der gegen seine Depression kämpfte und nur noch den Tod als einzigen Ausweg sah. Reng sagte damals in einem langen Gespräch: «Ich hatte vorher ein sehr rudimentäres Wissen von Depressionen. Nach diesen Recherchen, bei denen ich auch mit sehr vielen Psychologen und Psychiatern geredet und sehr...

Damals in der Pause

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Blog-Nr. 472 Wir sehen etwas, sind an einem Ort, stehen vor einem Gebäude, vielleicht ist es auch ein Bild, eine Stadt, eine Beach, eine Bar, manchmal sind es Erinnerungen an eine vergangene Liebe, oder wir lesen etwas, in der Zeitung, in einem Buch, und …  ... im Kopf ist alles wieder zurück. Damals. Und damals scheint, als sei es heute, oder wenigstens gestern, alles wieder nah vor den Augen, obwohl es doch weit weg ist. Wie in diesem Moment. An einem Morgen im April. Ich spazierte auf einer Quartierstrasse in meinem Dorf und blieb stehen. Vor mir mein Schulhaus, damals, erst im Kindergarten, dann in der Primarschule, und eben dieser Pausenplatz, es ist fast alles noch gleich wie in den sechziger Jahren. Der Pausenplatz. Mit dem Unterstand und der grossen Glasscheibe, den Säulen. Und auf beiden Seiten hat es Bänkli. Eigentlich zum Sitzen gedacht. Aber bei uns waren es die Tore. Und wir hatten einen Tennisball – wo versteckten wir diesen eigentlich während der Schulstunde ? –, er ...

Nur ein Thema

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Blog-Nr. 471 Im  «Bohemia» beim Kreuzplatz in Zürich bringt Toni am Morgen den Espresso an den Tisch und sagt lachend: «Hast du es gestern gesehen?» Am Nebentisch hat einer die Frage gehört und sagt: «Noch nie so etwas erlebt.» Eine Frau daneben, ich weiss, anderes im Leben interessiert sie weit mehr, sagt: «Ich habe es kaum mehr ausgehalten.» Einer hat schon am Abend zuvor, kurz vor Mitternacht, geschrieben, und ich weiss, dass er jene, die jetzt zwar verloren haben, sich aber trotzdem als Sieger fühlen, gar nicht mag, um es sanft auszudrücken: «Es hat sogar mit ihnen Spass gemacht.» Einer schreibt jetzt, er schaut wohl Fussball seit Fussball am Fernsehen zu sehen ist, und zwischendurch sagte er auch, jetzt möge er diesen Sport und den damit verbundenen Wahnsinn und den Auswüchsen nicht mehr sehen, um dann doch wieder alles zu schauen: «So etwas habe ich noch nie gesehen.» Und ein Freund, er hat bei seinem Klub seit Jahrzehnten eine Saisonkarte und verpasst kaum ein Spiel seiner R...

Nächste musikalische Lesung

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Liebe Freundinnen und Freunde, Bald lesen (Kolumnen, auch Texte von früher) und spielen (u.a. Dylan, Cohen, Springsteen, Matter) wir wieder: – Am 23. Mai 2026, es ist der Pfingstsamstag. – An einem besonderen Ort: Im Gasthaus zum weissen Rössli in Mettmenstetten im Säuliamt. – Mit besonderen Gastgebern: Regula Esposito (als Künstlerin: Helga Schneider) und Fredy Bickel (Fussball). – Ab 18 Uhr, also bliebe nachher genügend Zeit, die wunderbare Kochkünste im schönen Gasthaus zu geniessen. Wir würden uns sehr freuen: Fredy und Lukas Übrigens:  Mit ÖV gut erreichbar, aber genügend Parkplätze hat es auch. Anmelden für die musikalische Lesung: seetickets.com Anmelden zum Essen: Reservation | Gasthaus zum weissen Rössli

Schwarz-weiss

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Blog-Nr. 470 Es geht nicht um die Frage, ob es richtig war, Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer zu entlassen (es gab, nach allem, keine andere Möglichkeit mehr). Es geht nicht um die Frage, wie schlimm es ist, dass der grundsätzlich sich-nicht-impfen-wollende-Fischer dieses gefälschte Covid-Zertifikat damals erkauft hatte (er hätte andere Möglichkeiten gehabt, nach Peking zu olympischen Winterspielen zu gehen). Es geht nicht um die Frage, welche Rolle der Verband spielte (eine nicht sehr glückliche). Es geht nicht um die Frage, welche Rolle dieser SRF-Journalist spielte (eine fragwürdige). Es geht nicht um die Frage, weshalb Fischer dieses amateur- und unvorteilhafte Video als Erklärung in die Welt setzte (völlig unnötig). Es geht nur um das: Ein Mensch, in diesem Fall ein Eishockeytrainer mit grossen Qualitäten, mit grossen Erfolgen, der immer auch gelobt und bewundert wurde, weil er andere Wege geht, weil er nonkonform ist, weil er zu vielem im Leben eine andere Sichtweise hat,...

Kinder des Krieges

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Blog-Nr. 469 Symbolbild Es war eine lange Kolonne, die da über den Fussgängerstreifen lief, auf der Mühlebachstrasse im Kreis 8 in Zürich, es war ein sonniger Morgen in diesem Frühling. 12 oder 15 Kinder, wohl vierjährig, sie gaben sich die Hand, jedes trug einen kleinen Rucksack, alle blau, irgendwelche Figuren drauf, wohl ein Sandwich drin und etwas zu trinken, sie trugen gelbe Westen, und alle hoben die Hand, lächelten eher schüchtern, und bedankten sich winkend beim Autofahrer. Wohl eine Kindergartenklasse oder eine Kita, zuvorderst und zuhinterst eine erwachsene Person, die Kinder schwatzten miteinander oder blickten zu den Bäumen, rosa leuchteten die Kirschblüten, schön war die Welt, ihre Welt. Vielleicht war es die gleiche Klasse, die einige Wochen zuvor, es war noch Winter, mittags kurz nach halb zwölf ins Totò gekommen war, kurz vor der vorübergehenden Schliessung des Ristorante. Auch damals kamen sie in einer lange Kolonne hereinspaziert, auch damals mit ihren Rucksäcken, abe...

Welt im Umbruch

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Blog-Nr. 468 Eine Espresso-Kolumne* Luca steht da. Ein Gerüst mit dunkler Abdeckung ist rund um das Haus aufgebaut, ein hoher Kran daneben, Handwerker wirbeln umher, und es gibt keine Eingangstür mehr, alles ist zugedeckt. Der Elfer, längst nicht mehr der Zweier oder Vierer, fährt eben vorbei. Er schaut nochmals hoch, er steht am richtigen Ort auf der Lindenstrasse bei der Tramhaltestelle Höschgasse, nebenan, wo einmal das Restaurant Iroquoi war, sieht es auch anders aus, ein anderer Name, Khouris , steht über der Tür, rötlich gefärbt. Und jetzt kommen zwei entgegen, zwei, die Luca kennt, zwar nicht gut, aber sie sassen auch immer im Lokal, das es offenbar nicht mehr gibt. Sie sind ebenfalls irritiert, blicken den blauen Kran an. Sie sind eben aus Südafrika zurück, haben dort wie jedes Jahr überwintert und kennen jeden Golfplatz. Nachdem sie in Kloten gelandet sind, wollen sie hier, an ihrem gewohnten Ort,  es ist jetzt morgens um neun Uhr, einen kurzen Halt machen und etwas trinke...

Glücksmomente

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Blog-Nr. 467 Eine Woche – von einem Gedicht, einem Buch, viel Orient im Seefeld, Kirschblüten,  einem Konzert in zwei Jahren, einer Protesttour, von Bildern und Liedern und eine roten Liebe Der argentinische Schriftsteller Jorge Luis Borges sagte einmal in einem seiner Gedichte:«Das Leben besteht nur aus Augenblicken, vergiss nicht den jetzigen.» Und er schrieb darin auch, wenn er noch einmal leben könnte, dann würde er von Frühlingsbeginn bis zum Herbst barfuss gehen und viel weniger Dinge so ernst nehmen. Um barfuss zu gehen, ist es in diesen Tagen wieder zu kalt geworden. Und Dinge nicht ernst nehmen, die gerade unsere Welt so verrückt machen, ist nicht einfach. Aber vielleicht sollten wir, um uns von diesem Grössenwahnsinnigen da drüben mit der hohen Stimme nicht ganz verrückt machen zu lassen, jeden Tag versuchen, Augenblicke zu leben, die gut tun und ablenken. Der Versuch eine Woche lang, von Samstag zu Samstag Samstag: Im Radio SRF1 sagt ein Moderator, jemand habe an diese...