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Als Yogi in der Bohemia Bar

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Blog-Nr. 507 Dieser Text war eigentlich nicht als Blog gedacht. Ich schrieb ihn, während sich neun Frauen zu einer Yoga-Woche getroffen haben, im Pozzo de Sol, einem Bijou von einer grossen Finca, umgeben von tausend Olivenbäumen an der Costa Daurada, der goldenen Küste zwischen Barcelona und Valencia.  Ich bin kein Yogi, fotografierte nur, machte eine kleine Lesung,  (deshalb dieser Text) aber ich fühlte mich als Yogi, allein unten am Meer, ich war ganz bei mir, wenigstens im Kopf, mental entspannt. Es ist so in einem langen Leben. Wir mussten und müssen immer noch irgendwo abbiegen. Und ist dann nicht vieles Zufall? Oder Schicksal? Der Entscheid vor einem Studium, im Beruf, in der Liebe. Wir treffen jemanden in einer Bar, vielleicht im Zug, irgendwo unterwegs, in einer Badi, in den Ferien, beim Kaffee, im realen Leben. Oder auch das.  Ich fahre zwischen Barcelona und Valencia der Costa Daurada entlang, in nördlicher Richtung von L’Ampolla weg,  diesem kleinen Hafe...

Moralische Empörung

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Blog-Nr. 506 Bild von KI Ich war im Auto unterwegs, von Barcelona Richtung Valencia, ein kurzer Halt, ein Blick auf die Mails (müsste eigentlich nicht sein), eines von SRF. Sie würden am Abend in «10 vor 10» etwas zu Granit Xhaka machen und ob ich vielleicht … Ich mailte zurück, schrieb, wo ich war, das sei wohl eher ungünstig. Beim nächsten Halt das nächste Mail: Vielleicht könne man ja einen Videocall machen. Hm. Ich war auf dem Weg zu einem Yoga-Retreat, nicht als Yogi unter lauter Yoginis, aus anderen Gründen, der Kopf also anderswo, der Himmel nur blau, das Meer aus der Ferne auch, 31 Grad, Hochsommer im Herbst. Xhaka weit weg. Dass er inzwischen zugegeben hatte, ein gefälschtes Zertifikat erworben zu haben, wusste ich in diesem Moment noch gar nicht. Ich solle doch schnell zurückrufen, wenn es mir ginge, eine nächste Nachricht. Ich tat es, redete lange mit dem Reporter von der Inlandredaktion und merkte dabei: Das Thema ist komplizierter, als es zunächst scheint. Verschiedene Eb...

Warten im Zug

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Blog-Nr. 505 Er fährt. Tatsächlich. Und pünktlich: EC 196   ab München Hauptbahnhof , der eine Baustelle ist, 8:32 Uhr. Auf die Minute genau. Gute Reise wünscht die Stimme im Lautsprecher. Und sogar das Internet funktioniert. Jetzt, es ist 08:35 Uhr. Zwei Minuten später nicht mehr. Ich bin der Erste im Restaurant-Wagen, trinke einen Espresso, schwarz. Hätte einen zweiten nötig, dringend. Leider, höre ich von der lieben Serviceangestellten, gebe es keinen, die Maschine sei defekt. Das sagt jetzt auch der Unbekannte am Lautsprecher, aber kalte Getränke gäbe es; nur kein Coca-Cola, dafür Vivi-Cola höre ich, weil jemand, der Coca will, ja kein Vivi. Ich trinke Wasser. Und jetzt fährt der Zug nicht mehr. Er hält, irgendwo im Nirgendwo. Grün ist es draussen und blau oben, ein wunderbarer Herbstmorgen, bald heisst es in München «O’zapft is»;  im Hauptbahnhof, der eine Baustelle ist, standen schon viele in Lederhosen, einige mit dem ersten und sicher nicht letzten Bier in der Hand. De...

Paris! 9:34 Uhr!

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Blog-Nr. 504 Der alte Mann sitzt im Zug, wie jeden Morgen, es ist immer der gleiche Zug, er sitzt auch fast immer am gleichen Platz, er war am gleichen Ort eingestiegen, gleich beim Treppenaufgang. Es ist sein Platz, beim Fenster, wenn dieser aber einmal besetzt ist, dann ist er etwas verwirrt, bleibt einfach im Gang stehen. Der alte Mann hatte kürzlich seinen 85. Geburtstag, gefeiert hat er ihn nicht, er wusste, dass dieser Tag, es regnete, was es sonst praktisch nie machte in diesem Sommer, sein Geburtstag ist; 85 dachte er, vielleicht kommen nicht mehr so viele Tage.  Aber der alte Mann lebt längst alleine, ein Handy hat er nicht, er will nichts mehr wissen von dieser Welt, und so hat ihm auch niemand gratuliert. Er hätte auch nicht gewusst, wer ihm nun gratulieren soll. Seine wenigen Freunde sind alle gestorben. Der alte Mann weiss, wo er wieder aussteigen muss, er steigt immer dort aus, denn er geht von dort gleich die Strasse zum See runter, vorbei am Kino Le Paris, und dann ...

Wo war ich?

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Blog-Nr. 503 Foto KI Weil heute – 9/11 – alle Zeitungen und TV-Anstalten darüber berichten. Über diesen Tag, einen Dienstag, vor genau 25 Jahren. Und über die Menschen, die erzählen, wo sie waren und was sie machten, als die Türme des World Trade Center einstürzten. Die ganze Welt schaute live zu. Und ich denke: Wie viele Momente in einem Leben gibt es, an die man sich immer erinnert, weil man genau weiss, wo man war und was man in diesem Augenblick machte? Die erste Liebe (Gaby hiess sie) nicht, denn: Wann genau weiss man, dass daraus dann die erste Liebe wird? Die Geburt der Kinder (ich weiss den Wochentag, einmal ein Samstag, einmal ein Donnerstag, aber nicht mehr die genaue Uhrzeit)? Das erste Fussballspiel (wohl auf dem Heslibach, FC Küsnacht), das erste Konzert (wohl Joe Dassin, auf einer Bühne im Sand in der Camargue), aber wann? Keine Ahnung. Der 11. September aber. Ich war auf der Insel Mallorca, es war später Nachmittag, kurz nach 16 Uhr, ich weiss nicht, weshalb ich zu diese...

Was will er?

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Blog-Nr. 502 Will er einfach nicht? Will er gar ewig bleiben? Will er zeigen, wie schön er ist? Will er, dass wir noch wochenlang  am See sitzen bleiben? Will er, dass wir noch im Januar glauben, dass es Juli ist? Will er, dass die Vögel nicht  gegen Süden fliegen? Will er, dass nicht die Fischreiher das Floss besetzen, sondern wir? Will er, dass wir abends um zehn noch  ein weiteres Glas Negroni bestellen?  Und keinen heissen Tee? Will er, dass wir das tausendste Foto vom Sonnenuntergang machen? Will er, dass die rote Vespa noch mehr Kilometer auf dem Tacho hat? Will er, dass die Winterpneus  v on Auto überwintern? Will er, dass Fernando in der Badi Kusen  nicht zurück nach Mallorca kann? Will er, dass Javier in Cas Concos  auf uns warten muss? Will er, dass der Rosé  nochmals ausverkauft ist? Will er, dass wir nie mehr frieren? Will er, dass wir nicht mehr wissen,  was ein Pullover ist? Will er, dass wir nie mehr Socken tragen? Will er, das...

Verführt

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Blog-Nr. 501 Ich kann keine Noten lesen, offenbar kann das auch Ronnie Wood nicht. Doch von ihm später. Ich spielte nie ein Instrument, kann nicht singen, mein rhythmisches Gefühl ist mässig, ich tanze gerne, aber wenig stilvoll, bin eigentlich unmusikalisch. Aber bei Musik schwebe ich, im Kopf, im ganzen Körper. Dann werde ich leicht, manchmal auch melancholisch, nachdenklich. Ich bewege mich in eine andere Welt, vergesse die reale, lasse mich verführen. Wie von einem zarten Regen in einer lauen Sommernacht. Ich liebe Fussball. Gehe in ein Stadion und warte auf den Moment, den besonderen Moment. Ich weiss nie, was kommt. Vielleicht gibt es einige davon, vielleicht nur einen einzigen, manchmal kommt gar keiner. Dann frage ich mich, weshalb bist du überhaupt ins Stadion gegangen? Bei Musik ist es anders. Nicht vom ersten Ton und Takt oder Wort an. Anfangs bin ich vielleicht noch abgelenkt, durch sorgende Gedanken, durch Menschen neben mir, mit negativen Nachrichten. Aber dann beginnt d...