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Nighthawks in Erlenbach

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Blog-Nr. 513* Nicht New York. Ein Dorf am Zürichsee. Nicht die Greenwich Avenue. Die Schiffländestrasse. Nicht eine dunkle Strassenecke. Am Wasser. Nicht an einer Bar. In einem Bistro. Nicht mitten in der Nacht. Am frühen Abend. Nicht ein Paar, das sich offenbar nichts (mehr?) zu sagen hat, ein einsamer Mann an der Bar und einer dahinter. Es sind drei Frauen. Nicht Isolation und Entfremdung. Ein bisschen Wärme.  Nicht 1942. 2026. Nicht Edward Hopper . Mit dem Handy. Nicht Nighthawks . Ein spontanes Bild.  Ein Donnerstagabend. Früher wartete man hier am See auf die Schiffe, die kamen und gleich wieder abfuhren. Heute bleibt man, meistens länger, als man vorhatte. «Hüsli» heisst das neue Lokal in Erlenbach, und schon der Name sagt es: Das denkmalgeschützte Häuschen ist klein, aber mit viel Charme und Holz, es ist erst seit kurzem eröffnet. Auf beiden Bildern derselbe Blick. Von draussen nach drinnen. Grosse Fenster trennen uns von den Menschen drinnen. Wir beobachten sie aus D...

Gelebtes Leben

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Blog-Nr. 512 Vielleicht wird man von diesem Buch verführt, es so zu lesen. In Etappen, immer wieder mit Pausen dazwischen. Damit man sich Gedanken machen kann, über gelebtes und jetziges Leben. Mit zwischendurch sehnsüchtigen Blicken in die Unendlichkeit des Meeres, im grellen Sonnenlicht der Insel, manchmal auch unter dunklen Wolken am Himmel. Was kommt noch, was will man noch? Und was von dem, was einmal wichtig war, ist es noch? War es je? Auch solche Gedanken kommen dann. Im Buch geht es auch um das, was in einem Leben war. «Die Vergangenheit quält sich in die Zukunft», heisst es irgendwo. Doch die Frage, was noch kommt, ist geklärt. Oder entschieden. «In die Schweiz» h eisst das Buch der gefeierten Autorin Emma Cline, 37. Es ist interessanterweise zuerst auf Deutsch und erst kürzlich auf Englisch erschienen, «Switzy» heisst es im Original. David Hastings, Mitte 70, ist ein erfolgreicher und vermögender Unternehmer. Er steigt in New York in den Privatjet eines Geschäftsfreundes, ...

Beobachtungen am Pool

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Blog-Nr. 511 Eine Espresso-Kolumne* Sie hatten sich nach langer Zeit, so lange wie nie mehr, seit sie einst mit ihrem wöchentlichen Ritual begonnen hatten, endlich wieder zu ihrem morgendlichen Espresso getroffen. Das «Totò» im Seefeld ist wegen der Renovation des ganzen Hauses weiterhin geschlossen. Das «Bohemia» ist für Bruno , den seit kurzem ergrauten Werber im Ruhestand, eine schöne Alternative geworden. Aber Luca , der Architekt, klagt über zu viele Projekte, die ihn noch beschäftigen, obwohl er eigentlich längst nicht mehr arbeiten müsste. Genauer gesagt ist es seit fünf Jahren dasselbe Projekt. Aber der wahre Grund ist ein anderer: Er jammert über die rot-grüne Regierung in Zürich und die Parkplätze, die immer weniger werden, auch am Kreuzplatz, sagt er. Aber jetzt sitzen sie wieder einmal im «Bohemia», die Trams fahren vorbei, der Zweier und der Vierer, was Luca irritiert. Die gehören doch ins Seefeld, sagt er. Jasmin nimmt die Bestellung auf, wie immer, sagt sie, sie kennt d...

Poesie am Himmel

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Blog-Nr. 510* Was ist es, was uns so fasziniert? Jeden Abend wieder, wenn nicht dicke Wolken alles verhüllen. Aber in diesem endlosen Sommer oft und überall, auch jetzt wieder. Es wäre eigentlich Herbst, es ist mitte Oktober, aber wir fühlen uns immer noch sommerlich, im Süden auf der Insel Mallorca. Wir bleiben abends stehen, schauen zu, überwältigt. Ein Ahhh und ohhh, sagen oder denken wir, zumindest. Bleiben am Ufer und schauen hinaus zum Horizont. Oder halten den Moment fest mit unserem Taschenfotoapparat.  Es sind die Farben. Das Gelbliche, das langsam golden wird, das Orange, das sich ins Rot verwandelt. Und alles spiegelt sich im Blau, das auch immer wieder ein anderes Blau ist, im Meer, begleitet vom Rauschen der Wellen.  Poesie am Himmel. Doch es ist mehr als das. Da vergeht etwas, es verschwindet etwas, es verabschiedet sich etwas von uns. Es sagt Tschüss. Auf die schönste Art, ganz langsam, lieblich, sanft. Und wir wissen: Bald ist es nicht mehr da. Die letzten Töne...

Beobachter des Lebens

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Blog-Nr. 409 E in Leben für Geschichten – Silvio Blatter und sein neues Buch Dieser Text zu einem Buch ist nicht objektiv. Aber können das Meinungen über Bücher überhaupt sein? Jede und jeder liest und sieht doch bei Büchern wieder etwas anders. Ich kenne Silvio Blatter gut, den Schriftsteller aus Bremgarten. Ich mag ihn, wie er schreibt, wie er Geschichten erzählt, wie er formuliert. Vor vielen Jahren hatten wir ihn gebeten, Kolumnen im Sportteil des Tages-Anzeigers zu schreiben. Ich liebte seine Kolumnen. Eine besonders – und jetzt wird es ganz persönlich. Mit «Lieber Fabio Galli» begann sie, «seit Wochen lese ich von Dir und den Freuden und Leiden Deiner Famiglia.» Fabio Galli war ich, oder der Name meiner täglichen Kurz-Kurz-Geschichte im Tagi hiess damals so. Ich schrieb in wenigen Sätzen über das Leben dieser Familie während «Italia Novanta», der (wunderbaren) Fussball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien, der WM von Totò Schillaci, des italienischen Stürmers, und wie Fabio, sein V...

Ziellose Zugfahrten

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Blog-Nr. 508 Lesen inspiriert. Es kann zu schönen Gedanken führen – seit einiger Zeit, in dieser verstörenden Welt, aber auch zu angstvollen. Es kann auch zum Träumen verleiten, mehr in Büchern als in Zeitungen. Man liest einen Satz oder eine Seite mehrmals, weil es so gut tut. Und ein (fremder) erster Satz kann zu einer Idee, zu einem (eigenen) zweiten und dritten Satz und zu einer (eigenen) Geschichte führen. So ging es mir schon oft. Ich schreibe, weil ich zuvor gelesen habe. Ich lese viel. In diesem Moment, bei Wolken, aber sommerlichen 29 Grad, im Sand am Meer, habe ich eben das gelesen. Eine Geschichte in der neu gestalteten «Welt am Sonntag» über den in Deutschland lebenden Schweizer Jean-Remy von Matt , den Mitbegründer der Hamburger Agentur Jung von Matt, einer der erfolgreichsten im deutschsprachigen Raum. In diesem Text geht es auch um ein ungewöhnliches Wochenend-Ritual von Jean-Remy von Matt. Er steigt dann oft in einen Zug, nicht, um an einem Ort anzukommen. Er sucht sic...

Als Yogi in der Bohemia Bar

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Blog-Nr. 507 Dieser Text war eigentlich nicht als Blog gedacht. Ich schrieb ihn, während sich neun Frauen zu einer Yoga-Woche getroffen haben, im Pozzo de Sol, einem Bijou von einer grossen Finca, umgeben von tausend Olivenbäumen an der Costa Daurada, der goldenen Küste zwischen Barcelona und Valencia.  Ich bin kein Yogi, fotografierte nur, machte eine kleine Lesung,  (deshalb dieser Text) aber ich fühlte mich als Yogi, allein unten am Meer, ich war ganz bei mir, wenigstens im Kopf, mental entspannt. Es ist so in einem langen Leben. Wir mussten und müssen immer noch irgendwo abbiegen. Und ist dann nicht vieles Zufall? Oder Schicksal? Der Entscheid vor einem Studium, im Beruf, in der Liebe. Wir treffen jemanden in einer Bar, vielleicht im Zug, irgendwo unterwegs, in einer Badi, in den Ferien, beim Kaffee, im realen Leben. Oder auch das.  Ich fahre zwischen Barcelona und Valencia der Costa Daurada entlang, in nördlicher Richtung von L’Ampolla weg,  diesem kleinen Hafe...