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Liebe in den Armen

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Blog-Nr. ??* Der Himmel über München um acht Uhr an diesem Sonntagabend ist noch hell, die Sonne aber war untergegangen, als Nick Cave , in einem dunkelblauen, edlen dreiteiligen Anzug, das Hemd weit offen, auf der Bühne am Königsplatz steht. Was heisst: steht? «Get Ready for Love» ruft er uns und singt nun, wir und er sind bereit für die Liebe und für all die Gefühle, die zu ihr gehören, die schönen und die schmerzvollen. Bereit sein dafür, das ist so wichtig in diesen Zeiten. Jedes Konzert in diesem Sommer quer durch Europa beginnt mit diesem Song. München ist sein 30. Und eben: er steht nicht, er singt, schreit, fleht, klagt, flüstert, keucht, beschwört, schmeichelt, er ist düster und melancholisch, aber auch wieder hoffnungsvoll, immer charismatisch. Und er rennt umher, stampft, tanzt, manchmal wie ein gehetztes Raubtier hinter Gitter, ein Irrwisch, finster zwischendurch sein Blick, stechend die Augen, aber dann wieder ganz liebevoll, versöhnt, man glaubt, einmal gar Tränen zu se...

Im Süden der Kurve

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Blog-Nr. ?* Früher, immer auf den Medienplätzen oder sonst irgendwo auf einem Sitz der Westtribüne, die Südkurve im Letzigrund weit weg, zwar hörbar, aber meistens von den Gesängen wenig zu verstehen, oft beeindruckt (von den Choreo-Ideen), manchmal aber auch genervt vom Rauch, der allen die Sicht auf den Platz nahm oder den lauten Böllern und Leuchtpetarden. Und damals als Kind, noch viel früher, da durften wir noch direkt auf dem Boden hinter dem einen Tor sitzen, und stolz war ich, als Küsnachter hinter Karli Grob, dem Küsnachter im Tor des FCZ. Ich habe in einem alten Fotoalbum ein Bild gefunden, ein Dokument, wie ich damals schrieb. Es war auch gegen Basel. Aber jetzt mitten drin in der Südkurve, zum ersten Mal, nicht ganz zwar, an einem Ende, eine Glaswand trennt gleich neben mir zum Sektor C, doch ich bin einer aus der Kurve; der Sohn der Enkel und Freunde daneben, Simon, er schaut die Spiele immer hier, hat mich eingeladen. Und zwei Stunden miterlebt. Wie sie singen, immer nur...

Lesen. Zeitungen.

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Blog-Nr. 499/b Dasitzen, blaue Trams fahren vorbei, noch draussen, weil seit gefühlt Silvester jeden Tag Sommer ist, froh darum, dass sich die Sonne noch hinter dem Haus versteckt, denn es ist morgens um zehn schon warm, immer noch warm, irgendwann, vielleicht ja schon bald, kommt der Herbst und dann der Winter, und wir sitzen alle wieder drinnen und denken, es sind nicht Tage oder Wochen, nein: Monate bis dieses südliche Lebensgefühl wieder aufkommt und man glaubt, man sitze nicht am Kreuzplatz in Zürich, sondern auf irgendeiner Piazza in Rom oder Palermo, beim Espresso, später Aperitivo. Und eben: Wir lesen – nicht alle, einige sitzen auch vor ihrem Laptop oder tippen in ihre kleinen Geräte irgendwelche Nachrichten, vielleicht liebe oder andere – man glaubt es ihrem Gesichtsausdruck ablesen zu können. Vielleicht shoppen sie auch oder lesen Börsenkurse. Aber viele tun es. Sie lesen. Zeitungen. Es hat davon einige, sie hängen an einem Ständer beim Eingang zum Lokal mit dem schönen Name...

Sommertanz

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Blog-Nr. 499 Manchmal, und manchmal ist ja oft, ist eigentlich immer in diesem verschwenderischen Sommer mit den stets gleichen Tagen, Abenden und lauen Nächten, dem Himmel, der fast immer nur eine Farbe kennt, und der Sonne, die verschwindet und wiederkehrt, immer dieselbe, nur der Mond nimmt zu und ab, und doch denkt man manchmal, vielleicht sogar fast immer: Es gibt Augenblicke, da möchte man, dass das Auge den Anblick gar nicht mehr loslässt, ihn einfriert, festhält. Vielleicht, weil man selbst im Herbst des Lebens steht, will man, dass der Sommer ewig bleibt. Das flirrende Licht erinnert an Bilder von Claude Monet, den Maler des Lichts und des flüchtigen Augenblicks: Menschen auf Stühlen im Sand am Meer oder in einem Klappstuhl am Fluss, «L’été» , die Frau im Kornfeld, neben ihr ein Sonnenschirm, Boote im Wasser, und natürlich seine Seerosen – Blau und Gelb, ganz Sommer. Monet malte mit zarten Pinselstrichen Momente im Wandel und immer in der Natur, aber wir wollen, dass es bleibt...

Schönheit des Fussballs

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Blog-Nr. 498 Sie kennen den Namen nicht. Sie sind viel  zu jung dafür. Sie wissen nicht, wer Franco Baresi war. Dieser geniale italienische Fussballer, der ein Leben lang nur für die AC Milan spielte, insgesamt 719-mal, dreimal die Champions League gewann, sechsmal italienischer Meister, auch Weltmeister wurde. «Il capitano» , eine grosse Persönlichkeit, «Il Piscinin» auf lombardisch «Der Kleine» nannten sie ihn, aber er war einer der Grössten in der Fussballgeschichte. Er trug die Nummer 6. Mit 66 Jahren starb er letzten Freitag nach einer schweren Lungenerkrankung. Aber sie kannten ihn nicht. Sie, die kleinen Kinder, die ich spielen sah in der Badi Männedorf, Buben und Mädchen, vielleicht zehn Jahre alt, zwei Stühle bildeten das Tor. Mal schoss einer oder eine, mal stand jemand im Tor, die anderen sassen auf Stühlen und schauten zu, bis sie wieder an der Reihe waren. Oder meine Enkel, Dylan und Diego, in der Badi Kusen in Küsnacht auf einer kleinen Wiese. Es dunkelte schon. Ein...

Denken

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Blog-Nr. 497 Das Bild hat Chat GPT zum Gedicht erstellt Denken. Nachdenken.  Mehr denken. Zuerst nachdenken. Überdenken. Bedenken. Umdenken. Durchdenken. Vordenken. Weiterdenken. Es wäre so wichtig. Bei vielem und bei vielen. Dieses Gedicht habe ich vor bald zwei Jahren geschrieben. Zufällig fand ich es jetzt wieder. Vielleicht ist es nicht zufällig. Es wäre so wichtig, gerade jetzt. Nächste musikalische Lesung: Sonntag, 29. November, 11 Uhr Immobilienwerkstatt, Küsnacht NEU Eine   Webseite  zum Blog, mit immer wieder aktuellen Fotos  und Tipps zu Büchern, Konzerten, Filmen, Orten HIER Den  Blog «Wieder im Auge»   kostenlos abonnieren   oder   auf Facebook folgen  und lesen.  

Bilder hier, Bilder dort

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Blog-Nr. 496 C. ist immer hier, oder fast immer, nur wenn es regnet, doch es regnet ja fast nie in diesem endlosen Sommer, bleibt sie zu Hause. Sie kommt früh am Morgen, als eine der Ersten, sie hat ihren Platz auf der Wiese, auf ihrem Liegestuhl, immer den gleichen Platz, es ist in der Badi die Ecke der älteren Damen. Und sie sagt es immer wieder, und alle sagen es, die hierher kommen, und viele kommen oft oder fast täglich hierher; sie liegen und bräunen sich, sie lesen, sie hören Musik oder einen Podcast, sie stricken. Sie reden nicht, wie vor zehn Jahr vielleicht noch, die Sprache von hier, es werden ganz verschiedene Sprachen gesprochen, aber sie alle sagen: Ach, wie schön ist es hier. It’s so beautiful here. Great. Det är fantastiskt. Auch schwedisch wird gesprochen. Und viele machen immer wieder Fotos, es sind oft die gleichen Fotos: Der See, das Wasser, das mal blau, mal grün, mal gräulich ist, die verschiedenen Schiffe  oder das Entenpaar mit ihren Jungen. Viele Male am Ta...

Letztes Mal

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Blog-Nr. 495 Es war nochmals Sommer an diesem Donnerstag Mitte September 2018. Eine wunderbare laue Nacht, die Musik noch im Ohr, ich fuhr beschwingt mit der roten Vespa dem Zürichsee entlang und dachte, ich hätte noch stundenlang zuhören können. Nichts ahnend, dass dieser Abend später eine ganz andere Bedeutung bekommen würde. Und jetzt denke ich daran, weil ich eben ein Lied von ihm und seiner Band am Radio höre. Das letzte Mal. Es hat bei mir oft mit Musik zu tun. Leonard Cohen, Lucio Dalla, Charles Aznavour, Polo Hofer, Endo Anaconda, Udo Jürgens, wahrscheinlich habe ich jemanden vergessen, bei allen war ich an Auftritten von ihnen, in Zürich, Wien, Bern oder Rubigen, ich wusste nie, dass es immer auch ein Abschied war. Es gibt einen schönen Satz dazu, vom deutschen Schriftsteller Erich Maria Remarque («Im Westen nichts Neues»), er schrieb einmal: «Man merkt nie, wenn man das letzte Mal glücklich ist; man merkt es erst, wenn es vorbei ist». Das letzte Mal. Vielleicht ist es gut, we...