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«Ist er vielleicht hier?»

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Blog-Nr. 430 Notizen von der «schönsten Insel der Welt» Javier, wie meist in kurzen Hosen und mit einem T-Shirt, kein Gramm Fett am Körper, so scheint es, hetzt herum, sein tägliches Fitnessprogramm. Er telefoniert, nimmt Reservationen auf, trägt sie beim Eingang in das Buch ein, begrüsst, immer freundlich und lachend, und redet, sucht einen Tisch, findet stets einen, begleitet Gäste an den Platz, die Menükarten schon in der Hand, nimmt erste Bestellungen auf, wenigstens zum Trinken, rennt wieder weg, hektisch, bedient zwischendurch das Musikgerät, weil jemand Geburtstag hat, jeden Abend feiert jemand, oft sind es mehrere, «Happy Birthday» als Dauerhit, verabschiedet Gäste wieder, bedankt sich, Adiòs, Adiòs oder oft Tschüss, neue kommen. Und das während Stunden, jeden Abend ausser Sonntag, in seinem Lokal Can Mel an der Carrer Major, mitten im kleinen Dorf Cas Concos des Cavaller auf Mallorca, am Rande des «Hamburger Hügels». Es ist der Treffpunkt für fast alle im Südosten der Insel,...

Abschied

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  Blog-Nr. 360 Es windet, zwischendurch fast stürmisch, grau sind die Wolken, die Wellen reisen aus dem dunklen Irgendwo des weiten Meeres heran und preschen gegen das sandige Ufer, Welle auf Welle, sie türmen sich auf,  überschlagen sich, es zischt und rauscht, eine Wellen-Symphonie, und der junge Mann mit der gelben Weste hat auf seinem hölzernen Hochsitz die rote Flagge gehisst, niemand darf ins Wasser. Es besteht allerdings auch nicht die Gefahr, dass sich jemand ins Wasser stürzt, denn niemand ist am frühen Vormittag da, am kilometerlangen Strand Es Trenc. Die Liegestühle bleiben zugeklappt, nur ich bin nochmals gekommen, um Abschied zu nehmen. Und wie es ist, beim Abschiednehmen, man will gar nicht, man will, dass es bleibt. Ewig. Manchmal.   Partir c’est mourir un peu – sterben grad nicht, noch nicht, aber leiden, dass es vorbei scheint mit der Poesie des Sommers. In solchen Momenten hat man das Gefühl, für immer etwas zu verlieren. Es war in diesen Wochen nochmals...

Und wo die Verlobten?

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  Blog-Nr. 359   War er dabei? Ich kann es mir vorstellen. Sportlich sieht er aus, vielleicht 40 ist er. Er sitzt im Can Mel , einem Restaurant in Cas Concos des Cavaller, diesem kleinen Dorf im Südosten der Insel Mallorca, es ist an einer kleinen Seitenstrasse gelegen mit einer spanischen und auch japanischen Küche. Oder er? Einige Tische daneben sitzt er, etwas weniger sportlich, er trinkt sein drittes Glas vom Anima Negra AN 2, einem Wein von der Insel; er ist auch einige Jahre älter, aber er hat grosse Hände. War er vielleicht der Torhüter? Es könnte sein, mit diesen Händen. Denke ich. Ein anderer kommt die kleine Strasse runter, zusammen mit ein paar Freunden, auch er möchte einen Platz im Can Mel, es ist ein In-Lokal auf der Insel, jeden Abend voll besetzt, und von überall her kommen sie hierher, auch heute wieder. Javier, der das Lokal führt, begrüsst ihn, klar, er finde noch etwas, sagt er, er findet für seine Gäste immer einen Platz in seinem Restaurant, irgendwie. Es...

Die andere Insel

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  Blog-Nr. 358     Er ist wieder in seinem Dorf, wie schon oft, auf seiner Insel, immer wieder geht er dorthin, aber das Dorf und die Insel sollen keinen Namen haben, sie könnten eigentlich überall sein. Denn eigentlich träumt er in diesem Moment, er sitzt in einer Bar am Meer, es hat weniger Leute als üblich, es ist die Zeit zwischen den Zeiten, nicht mehr Sommer, auch wenn der Himmel immer wieder blau ist und die Sonne wärmt, aber noch nicht Winter, es ist eigentlich die schönste Zeit; er sitzt hier und blickt aufs Meer und die Wellen, einige Fischerboote sind draussen, die Yachten weg, die Wolken gehen so schnell weg wie sie manchmal plötzlich kommen, und er träumt von einer anderen Insel. Noch nie war er dort, aber gehört und gelesen hat er schon oft über sie, und jetzt eben auch einen mehrteiligen Film gesehen, mit dieser Geschichte auf dieser Insel. Er sitzt also in der Bar auf seiner Insel und träumt von dieser anderen Insel. Und eigentlich ist es ein schlechtes Ze...

Heimkommen

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Stadtgeschichten (9) Das ist keine Stadtgeschichte. Oder doch. Eine Geschichte über ein kleines Dorf auf einer Insel. Und dem Gefühl von Heimat. Oder besser: Ein Dorf mit dem Gefühl, es sei zur Heimat geworden, zur zweiten Heimat. Diesen Blog-Beitrag auch hören! Früher, als Kind, war es das Tessin, der Lago Maggiore, die linke Seite von Bellinzona aus gesehen, Gambarogno, als grosse Gemeinde existiert es erst seit 2010. Damals, eben als Kind, waren es einzelne Dörfer, San Nazzaro, Magadino, Gerra, Vira, Orgnana, ein Ortsteil von Magadino, ach, diese schöne Namen. Überall waren wir mit den Eltern in den Sommerferien, immer am Lago Maggiore, immer auf dieser Seite, nur dieser Seite, und immer war es das Gefühl von Nach-Hause-kommen-und-alles-kennen, eben eine zweite Heimat. Wie jetzt. Mallorca, diese Insel, jahrzehntelang gemieden – Mallorca? Sicher nicht! Ich? Dorthin? Nein, nein, nie! Niemals! –, dann entdeckt, aus Zufall, weil mich jemand überredet hat, zum Glück. Und mich vom ersten ...