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Moralische Empörung

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Blog-Nr. 506 Bild von KI Ich war im Auto unterwegs, von Barcelona Richtung Valencia, ein kurzer Halt, ein Blick auf die Mails (müsste eigentlich nicht sein), eines von SRF. Sie würden am Abend in «10 vor 10» etwas zu Granit Xhaka machen und ob ich vielleicht … Ich mailte zurück, schrieb, wo ich war, das sei wohl eher ungünstig. Beim nächsten Halt das nächste Mail: Vielleicht könne man ja einen Videocall machen. Hm. Ich war auf dem Weg zu einem Yoga-Retreat, nicht als Yogi unter lauter Yoginis, aus anderen Gründen, der Kopf also anderswo, der Himmel nur blau, das Meer aus der Ferne auch, 31 Grad, Hochsommer im Herbst. Xhaka weit weg. Dass er inzwischen zugegeben hatte, ein gefälschtes Zertifikat erworben zu haben, wusste ich in diesem Moment noch gar nicht. Ich solle doch schnell zurückrufen, wenn es mir ginge, eine nächste Nachricht. Ich tat es, redete lange mit dem Reporter von der Inlandredaktion und merkte dabei: Das Thema ist komplizierter, als es zunächst scheint. Verschiedene Eb...

Schönheit des Fussballs

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Blog-Nr. 498 Sie kennen den Namen nicht. Sie sind viel  zu jung dafür. Sie wissen nicht, wer Franco Baresi war. Dieser geniale italienische Fussballer, der ein Leben lang nur für die AC Milan spielte, insgesamt 719-mal, dreimal die Champions League gewann, sechsmal italienischer Meister, auch Weltmeister wurde. «Il capitano» , eine grosse Persönlichkeit, «Il Piscinin» auf lombardisch «Der Kleine» nannten sie ihn, aber er war einer der Grössten in der Fussballgeschichte. Er trug die Nummer 6. Mit 66 Jahren starb er letzten Freitag nach einer schweren Lungenerkrankung. Aber sie kannten ihn nicht. Sie, die kleinen Kinder, die ich spielen sah in der Badi Männedorf, Buben und Mädchen, vielleicht zehn Jahre alt, zwei Stühle bildeten das Tor. Mal schoss einer oder eine, mal stand jemand im Tor, die anderen sassen auf Stühlen und schauten zu, bis sie wieder an der Reihe waren. Oder meine Enkel, Dylan und Diego, in der Badi Kusen in Küsnacht auf einer kleinen Wiese. Es dunkelte schon. Ein...

Die Bilder, die bleiben

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Blog-Nr. 494 Die Fussball-WM ist seit Tagen zu Ende, zum Glück mit diesem Ende und nicht dem anderen Weltmeister. Im Netz ist sie aber noch nicht vorbei, mit Bildern, die nicht nur echt sind, aber zumindest wahres Denken zeigen. Wie der Orange dem spanischen Captain Rodri den goldenen Pokal entreisst, über den Rasen davonrennt, weil er sagt, diese Trophäe gehöre ihm. Schon bei den Livebildern nach dem Finalspiel war er nur schwerlich daran zu hindern gewesen, noch lange neben den jubelnden Spaniern stehen zu bleiben und sich der Welt als narzisstischer Gockel und Mitglied der Weltmeister zu zeigen. Und diese Bilder sind nicht fake – sie sind widerlich. Von der Kraft des Fussballs wurde in Bilanzen gesprochen, weil die Faszination Ball grösser sei als die Figuren, die den Ball für eigene Interessen benutzen. Grösser als die beiden Best Friends. Es mag stimmen. Aber der Fussball zeigte eben auch diese Seite. Wie sich Argentinier, zwei vor allem, nach dem Abpfiff wie wilde Tiere auf feie...

Der letzte Ball

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Blog-Nr. 493 Ja, doch mehr gesehen, als ich gedacht hatte, es war auch besser, als wir erwartet hatten, manches nicht so, wie befürchtet, wenn man den Mann in Orange wieder mal ausblendet, mit seinem Anruf bei seinem Best Friend «Johnny» Infantino, und diese unsägliche Halbzeitshow im Final. Wir lernten Fussballer aus Kap Verde kennen, ihren Torhüter, Vozinha ist sein Spitzname, «Kleine Oma», 40jährig, vereinslos, auf Instagram folgen ihm nicht mehr 5000, sondern 30 Millionen, und es gab Tage, besser: Nächte und Spiele, da erwachte ich am Morgen, sah das Resultat und den Spielverlauf und dachte: Es wäre so schön gewesen, dieses Spiel live zu erleben. Aber ich schlief. Was bleibt nach fünf langen Wochen? Einiges. Da ist Lionel Messi. Er stand bei dieser, wohl seiner letzten Weltmeisterschaft, unter Denkmalschutz, aber er zeigte in vielen Momenten noch einmal, dass Fussball manchmal Poesie sein kann. Zuletzt, nach einem himmeltrauriglangweiligmiesen Final (wegen den Argentiniern), bliebe...

Es donnert

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Blog-Nr. 492 KI-Foto Ich träume. Es war keine Schwalbe, sondern ein Foul, und Embolo ist kein Schauspieler, sondern ein famoser Fussballer, er durfte weiterspielen und schoss dann das 2:1 für die Schweiz in Kansas City, Messi verabschiedete sich mit Tränen aus dem Turnier und sagte, es sei sein letztes Spiel für die Nationalmannschaft gewesen, und wir lagen uns in dieser lauen Sommernacht auf dem Idaplatz im Kreis 3 in Zürich in den Armen und jubelten noch stundenlang, längst war es ein weiterer wunderbarer Sommertag geworden, und jetzt sitze ich wieder vor einem grossen Bildschirm, diesmal in der Immobilienwerkstatt in Küsnacht, die in solchen Momenten eine schöne Bar ist, und Harry Kane und Granit Xhaka haben ihre beiden Mannschaften im Atlanta Stadium zum Halbfinal an dieser Weltmeisterschaft auf den Rasen geführt, die ganze Schweiz ist mit ihnen, die Strassen sind leer gefegt, alle schauen irgendwo fern, ein ganzes Land vor dem Fernseher, und hören Sascha Ruefer schreien, er sitzt ...

Stolz vereint am Idaplatz

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Blog-Nr. 491 Früher, als ich noch berufshalber in der ganzen Welt die Stadien besuchte, war ich immer früh dort, und ich liebte diese Atmosphäre, wenn zuerst noch Stille herrschte und die Tribünen sich langsam füllten und zu leben begannen und es laut wurde. Und ich blieb auch meistens lange in den Stadien, schreibenderweise, und auch diese Stimmung war immer besonders, die Tribünen wieder leer, aber mit einer Geschichte in der Luft und dem Geruch des Spiels, den Bildern im Kopf. Nicht alle Bildschirme waren gross Das Stadion war in dieser Nacht wieder der Idaplatz im Quartier Wiedikon in Zürich . Und ich war früh dort, die Sonne dieses Dauersommers hinter der Stadt eben erst untergegangen, aber jetzt waren schon viele da, sehr viele, und ich und sie gingen erst mehr als acht Stunden später, noch nie war ich so lange in einem Stadion, die Sonne ging im Osten wieder langsam auf, die Stadt erwachte – nein, das stimmte diesmal nicht: sie ging schlafen. Ein Land ging schlafen. Die Angeste...

Wenn Zürich erwacht

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Blog-Nr. 489 Den Wecker gestellt auf 03.30 Uhr. Mit der roten Vespa in die Stadt gefahren, die noch gar nicht erwacht, einfach still ist, (fast) keine Autos, kein Tram, keine Rotlichter, niemand auf der Strasse. Das Bellevue leer. Nur das Surren des Vespa-Motors. Ein schöner Moment, allein in der grossen Stadt, «Il est cinq heures, Paris s’éveille», das Lied von Jacques Dutronc kommt in solchen Momenten mir immer in den Sinn, es beschreibt die Poesie einer Stadt im Morgengrauen, die Verliebten sind erschöpft, die Strassenarbeiter mit Besen unterwegs. Aber viele solche Momente kenne ich ja gar nicht. Um halb vier morgens schlafe ich meistens, oder will schlafen und kann nicht. Oder träume vielleicht. Nicht jetzt, an diesem Freitagmorgen. Den Wecker gestellt (und beinahe nicht gehört) wegen Schweizern, die Fussball spielen. Warum das? Zwei «Spanier» vor dem «Vior» und Kobel und Xhaka Als ich die Vespa parkte bei der Löwenstrasse vor dem Club «Vior», in dem sie abends zuvor noch mit Salsa...

Die Denker

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Blog-Nr. 488 Der eine steht. Der andere läuft an, nachdem er zuvor den langen Weg vom Mittelkreis her gegangen war. Der eine, der im Tor steht, denkt sich, was der andere, der den Ball jetzt auf den Punkt gelegt hat und nun schiessen soll, vielleicht denkt. Er denkt – und er denkt auch. Und er, der im Tor steht, denkt, der andere denkt in dieser Sekunde auch irgendetwas und er hat wohl einen Plan; und er fragt sich, was der andere vielleicht gerade in dieser Sekunde denkt und was für einen Plan er hat; und er denkt, es sei besser, er denke jetzt gleich. Aber vielleicht denkt der andere, dass er jetzt anders denken soll, weil der im Tor so denkt.  Er will anders denken, als er denkt. Er ändert seinen Plan. Und der in Tor denkt im letzten Moment, er müsse vielleicht doch anders denken. Elfmeterschiessen, die Verlängerung nach der Verlängerung, wie jetzt wieder an dieser Weltmeisterschaft, wie bei den Sechszehntelfinals schon in zwei von vier Spielen, es sind die Momente der Denker. D...

No einisch der gliich Diego si

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Blog-Nr. 485 Ein Buchtipp: «Mit linggs» von Pedro Lenz Es ist WM, auch in Mexiko, auch im Aztekenstadion, und weil damit so manches in den Kopf kommt, über den Fussball von damals, und weil man dabei denkt, es fehlen heute Figuren von einst, auch weil es früher ein Turnier mit weniger Mannschaften war, mit 16 oder 24 und nicht 48, mit weniger Spielern, die man sich merken konnte, aber natürlich vor allem mit einem; und eben Mexiko, eben das Aztekenstadion, dieser 22. Juni 1986, ein Sonntag, Argentinien gegen England: Diego Armando Maradona und seine beiden Tore, mit dem Fuss und der Hand Gottes, und wie der uruguayische TV-Reporter auf der Tribüne in sein Mikrofon schrie: «Genio, genio, genio… ta, ta, ta goooooooool! Quiero llorar, Dios santo, viva el fútbal… golaaaazooo Diegoool!» Alles das steht in spanisch auf zwei Seiten in diesem Buch, aber sonst ist alles auf Berndeutsch geschrieben, und dann heisst es so: «Genie, Genie, Genie… Ta, ta, ta Goooooooool! I wett gränne, Heilige Gott,...