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Posts mit dem Label "Nachrufe" werden angezeigt.

Ein Tag mit Peter Bichsel

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Blog-Nr. 388 Die Suche nach dem ersten Satz – ein Nachruf Ich hatte die Skischuhe schon angezogen, den Helm auf dem Kopf, da schaute ich nochmals auf mein Handy, es könnte ja sein, dass jemand «Ski heil» wünscht oder «viel Spass». Ich werde das erste Mal in diesem Winter, der bei uns am See keiner war, auf einer Piste stehen. Eine Nachricht ploppte sofort auf: «Peter Bichsel gestorben». Auf Tagi-online erscheint bereits ein Nachruf, nur kurz nach der Todesmeldung. Die Medien müssen vorbereitet sein, Journalisten Nachrufe schreiben, bevor die Menschen gestorben sind, das Leben verlangt Schnelligkeit auch nach dem Tod. Peter Bichsel wurde 89. Und er hat mein Leben geprägt, vielleicht gar beeinflusst. Ich dachte immer, so schreiben zu können wie er, das muss himmlisch sein. Und dabei sagte er einmal: Schreiben habe sehr viel mit Nicht-Können zu tun. «Ich lerne es nie, und wenn ich die Chance gehabt hätte, die Tour de France zu gewinnen, wäre ich nicht Schriftsteller geworden.» Oder: «Ich...

Diva im Rigiblick

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Blog-Nr. 380  Zum Tode von Marianne Faithfull (2) Nochmals ein Text zur verstorbenen Marianne Faithfull. Über einen Auftritt in Zürich, nicht als Sängerin. Sie rezitierte an zwei Abenden im Theater Rigiblick die Sonnette von William Shakespeare. 2012 war es, Daniel Rohr und Brigitta Stahel, das Leitungsteam des Theaters, warteten damals im Hauptbahnhof auf sie . Und die Geschichte mit dem Honig in der Künstlergarderobe. E s war ein kalter Februarmorgen im Jahr 2012. Daniel Rohr , der Direktor des Theater Rigiblick, und seine Stellvertreterin Brigitta Stahel standen an einem Geleise im HB Zürich und warteten auf einen Zug aus Paris. Viele Leute kamen, sie aber war nirgends zu sehen, und die beiden dachten bereits: Oh, weh, war sie nicht auf dem Zug? Aber dann stand plötzlich eine unscheinbare, ungeschminkte Frau vor ihnen, die mit ihrer unvergleichlich tiefen und brüchtigen Stimme sagte: «Here, i am.» Es war Marianne Faithfull , 65 damals. Sie konnte also unerkannt in einem interna...

Ein wildes Leben

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Blog-Nr. 379 Zum Tode von Marianne Faithfull  Eine grossartige Stimme ist im Himmel. Die Sängerin, Songschreiberin und Schauspielerin Marianne Faithfull ist gestern Donnerstag «friedlich in London im Kreis ihrer liebevollen Familie verstorben. Sie wird uns fehlen.» So meldete es ein Sprecher der Familie. Die Todesursache wurde nicht bekannt gegeben.  Faithfull wurde 78. Vor vier Jahren schrieb ich diesen Kolumne über sie. Über ihr wildes Leben, über eine einzigartige Frau mit einer einzigartigen Stimme, rauchig, brüchig, aber auch immer wieder melancholisch. Ich hatte damals ein grosses und beeindruckendes Interview mit ihr in der «Süddeutschen Zeitung« gelesen. Und ich erinnerte mich an ein Konzert mit ihr, 1996 im Zürcher Kaufleuten – und ihr wundervolles Lied «The Ballad of Lucy Jordan», die Geschichte einer 37jährigen Frau, die mit 37 Jahren erkannte, dass ihr Leben in eine Sackgasse geraten war. Wie auch das bewegte Leben von Marianne Faithfull sie immer abstürzen li...

Zum Tod von Totò Schillaci

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    Blog-Nr. 355     Ein Nachruf mit Geschichten der Famiglia Galli, damals  während Italia Novanta     Totò, mit richtigen Vornamen Salvatore, Schillaci war eine Sternschnuppe in einem wunderbaren italienischen Sommer, 1990, bei der Fussball-WM. «Un' estate italiana», wie die WM-Hymne von Edoardo Bennato und Gianna Nannini hiess, sie singen von magischen Nächten mit Torschüssen und von den Träumen, die in der Kindheit beginnen und jetzt wahr werden. Schillaci verzauberte damals ein Land, mit seinen grossen, dunklen und feurigen Augen und seinem stechenden Blick, manchmal anklagend und gezeichnet von einem harten Leben, manchmal flehend, manchmal suchend und fragend – und eben: seine Augen und wie er leidenschaftlich jubelte nach seinen Toren, er kniete auf den Rasen und streckte seine Arme weit aus, als wolle er ganz Italien umarmen.    Er war mit sechs Toren der beste Torschütze der WM und wurde auch zum besten Spieler gewählt. «Schillacis...

Zuletzt war er einsam

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Blog-Nr. 302 Zum Tode von Franz Beckenbauer Es war am vergangenen Samstag in einem Dorf in Graubünden, eine kleine Runde bei einer Geburtstagsfeier, und irgendwann im Laufe des Abends kamen wir auf Franz Beckenbauer zu sprechen. Es gehe ihm gar nicht gut, sagte einer, der ihn schon lange kennt, mit ihm zusammen spielte, aber auch er hatte zuletzt keinen Kontakt mehr, seine Familie in Salzburg schirme ihn ganz ab. Er sei sehr einsam. Und auch verbittert. Und ein anderer kam auf den Film zu sprechen, der die ARD an diesem Montag ausstrahlte, er heisst schlicht «Beckenbauer», beide am Tisch hatten ihn bereits gesehen, und einer sagte, ihm sei es vorgekommen wie ein Pre-Obituarium, wie eine Dokumentation, als sei er schon gestorben. Ein schöner Film sei es, nur schade, dass es im letzten Teil nur noch um die Schattenseiten in Beckenbauers Leben gehe, um das Sommermärchen 2006, die WM in Deutschland, die mit ungeklärten Geldströmen offenbar gekauft wurde. Und das Ende bleibt doch immer in ...

Die Stille damals

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Sie schreien, sie reden fast nicht mehr, sie schreien meistens, und sie schreien besonders, wenn ein Tor fällt, und meistens ist es waaaaaahnsinnig oder unglaublich oder unfassbar, und man denkt (oder hört eben), dass sie oft auch schreien, um selber zu hören, wie sie schreien. Diesen Blog-Beitrag auch hören! Der heutige Fussball ist anders als damals, und jene, die darüber berichten oder eben schreien sind auch anders, es ist eine andere Zeit. Aber an damals erinnert man sich nun, weil einer gestorben ist, mit 96, der eben dafür stand, wie es war, damals. Ernst Huberty, er redete mit sonorer Stimme und berichtete so, wie er immer auch gekleidet war, stilvoll, seine grauen, später mehr weissen Haare fein gescheitelt, er war der «Mister Sportschau» der ARD. Damals, als Samstag und nur Samstag der Tag des Fussballs war, Anpfiff in den Stadien 15.30 Uhr, abends ab 18 Uhr eben die Sportschau, anfänglich durften sie nur drei Spiele zeigen, aufgenommen mit zwei Kameras, und von den übrigen g...