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Es werden Posts vom Januar, 2023 angezeigt.

Theater um E-Mails

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Es ist ein Februar im Jahr 2030, die Premiere eines Theaterstücks im Klubsaal des Kaufleuten in Zürich, die Tickets waren innert Stunden weg, und die Organisatoren suchen verzweifelt nach Daten, an denen sie es nochmals aufführen können. «Der Politskandal» ist der Haupttitel, darunter, auf den Plakaten und im Internet, gedruckte Zeitungen gibt es leider nur noch wenige, etwas kleiner: « … der aber keiner war. Eine E-Mail-Komödie.» Alain Berset und Marc Walder treten auf, in einer Nebenrolle Peter Lauener, der seine Haare ebenfalls abrasiert hat, es sei für das Stück wichtig, damit nicht immer klar ist, wer nun welche Rolle spielt. Alle drei, vorne auf der Bühne Berset und Walder, dahinter Lauener, der aber manchmal auch den Stuhl von Berset einnimmt, sitzen an einem Pult vor ihren Computern. Was sie schreiben, wird jeweils auf der Bühne auf einem Screen übertragen. Diesen Blog-Beitrag auch hören! Alt-Bundesrat Berset ist inzwischen als Verwaltungsrat in verschiedenen Firmen tätig, unte

Einer singt, einer liest

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Gehen Sie hin! Das ist in diesem Blog für einmal einfach nur ein Tipp. Sehr persönlich. Ich war hingegangen, und es war im Zürcher Kaufleuten einer der schönsten Abende seit langem. Ein Abend mit Liedern und einer Lesung, mit Tönen und Worten, mit Gedanken und Geschichten, um das Leben und die Liebe, die Poesie und die Politik. Ich kenne Pippo Pollina seit langem, er kam aus Sizilien, lebt inzwischen seit 30 Jahren im Zürcher Seefeld, ein wunderbarer Cantautore. Ich habe ihn schon an vielen verschiedenen Orten auf dieser Welt erleben dürfen, im grossen und wunderbaren Teatro Massimo in Palermo, auf kleinen Bühnen, in schönen Parks und auch schon bei privaten Konzerten. Seine Lieder handeln von Freiheit, von Liebe, vom Meer, von Sehnsüchten, von den schönen, aber auch den schattigen Seiten unserer Welt und natürlich oft über Sizilien, seiner Heimat. Ich schätze Mike Müller, den Schauspieler und auch Geschichtenerzähler sehr, seine Auftritte oft mit viel Satire, wunderbar damals mit Gi

Sie ist unhübsch

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Die letzte Seegfrörni Wir Kinder rannten hinunter zum See. Nicht, um beim Schiffsteg in Küsnacht ins Wasser zu springen, möglichst in die Wellen eines wegfahrenden Schiffes. Nicht, um zu fischen, was ich manchmal auch tat, mit meinem Grossvater, dabei konnte ich Fische nicht töten. Wir rannten nach der Schule zum See und hatten einen Stock in der Hand und Schlittschuhe, meine waren schwarz, ich hatte sie zu Weihnachten bekommen – waren es «Graf»? –, und ich trug meistens einen Skipulli im Norweger-Muster, den meine Mamma selber gestrickt hatte, mitsamt der Kappe. Es gibt davon ein Bild in der Zeitung von damals. Chneble auf dem Zürichsee im dem von der Mutter gestricktem Pullover Diesen Blog-Beitrag auch hören! (Und viele Bilder dazu)   Wir rannten zum See, der jetzt ein Eisfeld war. Ein einziges Eisfeld. Damals, als es im Winter noch winterlich war – und vor allem kalt, bitter kalt. Wir wollten nur eines: Eishockey spielen, Chneble sagten wir, manchmal mussten wir zuerst den Schnee zu

In diesen Zeiten

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Es war, vor fast genau drei Jahren, das erste Kapitel in meinem Blog. Weitere 23 Kapitel folgten, «In diesen Zeiten» war jeweils das Thema – Gedanken zur Zeit in der wir damals lebten. Alles war plötzlich anders. Die Geschichte und mein Blog begann so: «Es war, heute scheint es, als wäre es schon lange her, doch es war erst vor kurzem, es war im Januar, der Winter war damals bereits ein Frühling. In den Zeitungen standen nur kleine Meldungen, unter Vermischtes, im Radio bei den Nachrichten meistens am Ende, kurz vor der Börse und dem Wetter. Diesen Blog-Beitrag auch hören! In einer Stadt in China, wir haben den Namen vorher noch nie gehört und erst später wurde sie zu einem Begriff: Wuhan – in dieser Stadt, und es war von einem Wildtiermarkt und Fledermäusen die Rede, sollen Leute an einem Virus erkrankt sein; einige wenige, jeden Tag aber mehr, die ersten Toten, mehr Tote. Wir lasen und hörten die Meldung und vergassen es wieder. China ist weit, weit weg, das neue Jahr hat eben begonn

Geschwitzt mit Pelé

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Pelé brachte mich ziemlich ins Schwitzen, damals. Es war, glaube ich, in der sechsten Klasse, ich musste vorne im Schulzimmer einen Vortrag halten, und ich wählte ihn zum Thema, die drei etwas vergilbten Blatt Papier habe ich nach langem Suchen in einer Keller-Schublade gefunden. Ich schrieb, lese ich, und es war auch der Titel, weniger von Pelé, ich schrieb: «genannt Pelé», denn ich wählte viel lieber seinen richtigen Namen, ich musste verliebt gewesen sein in diesen, er klang so schön, einmal schrieb ich, er töne wie ein wunderbarer Spielzug der Brasilianer: Edson - Arantes - do - Nascimento! Achtmal kommt sein Name im Vortrag vor.   Diesen Blog-Beitrag auch hören!   Ich weiss nicht mehr, wie ich damals überhaupt zu diesen Informationen gekommen war. Wir hatten zu Hause keinen Fernseher, mein Götti hatte einen, und bei ihm durfte ich manchmal Fussballspiele sehen, mit verwackelten schwarz-weiss Bildern; ich las sicher Zeitungen, denn ich lernte, sagte einmal meine Mamma, mit Zeitung