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Vor zwei Jahren

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Blog-Nr. 309 Zwei Jahre Krieg, zwei Jahre Leid, Schmerz, hunderttausende Tote, Elend und ein Ende nicht in Sicht. Wenige Tage, nachdem die Russen ihren Bruderstaat Ukraine am 24. Februar 2022, um vier Uhr morgens Schweizer Zeit,   überfallen hatten, schrieb ich diesen Blog.  Er ist aktuell wie damals. Ich veröffentliche ihn deshalb nochmals, in gekürzter Form, nur zweimal ergänzt. Es sind spontane Gedanken, die damals durch den Kopf gingen, Gedanken von mir und Gedanken, die Menschen in Zeitungen und am TV äusserten. Lena K., eine Ukrainerin, die seit 15 Jahren in Zürich lebt, schaut alle paar Stunden in den Whatsapp-Status ihres Bruders. Sie will sehen, ob er noch lebt. Ihr Bruder ist im Krieg in Kiew. So erzählt sie es an diesem Nachmittag im Radio SRF 1. Wir sehen überall Bilder. Es ist ein Krieg in Bildern. Live, auf den verschiedensten Kanälen. Noch nie gab es so viele Bilder von einem Krieg. Wir werden zugemüllt mit Informationen. Aber was wissen wir wirklich? Wladimir P...

E hübsche Tag

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Der Anbügler, schwarze Zipfelmütze, Sonnenbrille, braun gebranntes Gesicht, wünscht «e hübsche Tag», bevor er mich auf die Reise bergwärts schickt. «Atemlos» von Helene Fischer ertönt gleichzeitig aus einem grauen Transistorradio, der etwa so alt ist wie dieser Mann, er hat das Gerät auf eine Ablage aus Holz gestellt, mit einer Antenne. Die Anbügler sind, wenn niemand mehr den Lift braucht, im Sommer Bauern oder sie sind pensioniert.   Diesen Blog-Beitrag auch hören!   Atemlos geht es dann doch nicht bergwärts, sondern ziemlich langsam oder besser: gemütlich, wie das so ist bei einem Lift mit Bügeln, hier in Pany, in diesem kleinen Dorf 1250 m ü. M. auf dem sonnenbeleuchteten Hang oberhalb von Küblis im Prättigau. «E hübsche Tag» sagen sie alle in dieser Gegend, auch im Volg, dem einzigen Laden im Dorf, wenn man morgens das frische Brot holt. «E hübsche Tag» hat der Mann mit den Bügeln vor einem Jahr vielleicht auch gesagt, es war der 24. Februar 2022. Ich war damals ebenfalls...

Sehnsucht

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Wir alle haben unsere Sehnsuchtsorte. Zufällig mal entdeckt, vorbeigefahren, angehalten, kurz geblieben, wieder gekommen und im Kopf nicht mehr weggebracht. Es ist wie beim Verlieben. Warum, weiss man nicht genau. Es ist einfach so. Ein erster Blick, eine erste Begegnung, flüchtig noch, aber irgendwie sofort vertraut. Bei Menschen wie bei Orten. Wie bei Cas Concos, oder korrekt: Cas Concos des Cavaller, einem Dorf, mehr Kaff, aber positiv gemeint, im Südosten der Insel Mallorca. Es hat eine Kirche, eine Hauptstrasse, einen Kern mit vielen Häusern, eine Galerie, eine Bäckerei, eine Apotheke, ein Immobilienbüro, ein paar Restaurants, und eines, das besonders anziehend ist, das Can Mel, das jeden Abend und das ganze Jahr über fast immer ausgebucht ist, und, gleich nebenan einen Laden für alles, mit Maria, die 89 ist, der Abuela, Grossmutter, inzwischen auch Urgrossmutter und immer noch jeden Tag im Laden steht oder sitzt und scheu lächelt. Oder Javier, ihr Enkel, der jeden Tag in seinem R...

Krieg und Fussball

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Diesen Blog-Beitrag auch hören!     In meiner Lieblingszeitung, ich habe einige Lieblingszeitungen, aber diese lese ich inzwischen jeden Tag am längsten, also darin sehe ich es fast jeden Tag, ich schreibe bewusst: sehe, denn lesen tue ich es inzwischen kaum mehr. Und zwar aus diesem Grund: Es erinnert mich an Fussball, an Texte, die ich früher auch manchmal auf vielen Tribünen dieser Welt geschrieben habe, wenn es pressierte, an reine Spielberichte, auch wenn ich lieber Texte schrieb, in denen es um Geschichten und Menschen ging. Und das ist nun mein Problem, wenn ich diese Texte in meiner Lieblingszeitung oder zumindest jener, die ich am längsten lese, sehe. Oft wirkt es wie ein Live-Ticker von einem Spiel. Es stehen darin Sätze wie diese: Sie dürften Tag und Nacht an ihren Plänen gearbeitet haben. Möglich scheint ein Zangenangriff. Sie begannen einen elementaren taktischen Fehler. Sie könnten mit ihrer Angriffstaktik versuchen, den Gegner einzukesseln. Sie zerstörten damit ...

Bilder hier, Bilder dort

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Der 23. Februar, es war sonnig, ein schöner Wintertag, der kleine Diego stand in Pany im Prättigau zum ersten Mal auf den Ski, am Radio sprachen sie in den Nachrichten über Putin und die Ukraine, es tönte bedrohlich, aber wir hielten es nicht für möglich, wir dachten, so zerstörerisch und wahnsinnig könne er doch nicht sein, irgendjemand müsse ihn doch stoppen können, zur Vernunft bringen in seinem imperialen Wahn. Der nächste Tag, der 24. Februar, veränderte unsere Welt. Kiew, zwei Stunden von uns weg, näher als Lissabon, die Ukraine, von der wir bis jetzt nicht so viel wussten - von diesem Tag an gibt es nur noch dieses Thema, wir sind erschüttert, fassungslos, wir haben Angst, es ist ein Krieg vor unserer Haustür. Ein Land wird nicht nur angegriffen, es soll vernichtet werden. Auf grauenhafte Art. Und trotzdem gibt es bei uns weiterhin diese Bilder, vielleicht spüren wir erst jetzt wieder, auf welch wunderbarer Insel wir leben, wie privilegiert wir immer noch sind, betroffen von all...