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Posts mit dem Label "Stadtgeschichten" werden angezeigt.

Er heisst Andres

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Blog-Nr. 356 Stadtgeschichten (12) Ich sitze in meinem Bistro, in dem ich fast immer sitze, meistens aber am Morgen, beim ersten Espresso oder Latte Macchiato, den Laptop oft vor mir oder eine Zeitung, noch physisch, ich halte sie in den Händen, aber das immer weniger, weil die Nachrichten aus dieser verrückten Welt nur verrückt oder depressiv machen, besonders bei diesem grauen Wetter; ich sitze also für einmal am späteren Nachmittag hier, jetzt mit einem Glas Pino Grigio und der Laptop liegt auf dem kleinen Tisch und ein Buch, das ich eben gekauft habe, auf den Knien. Und neben mir sitzt jemand, ich habe ihn früher schon gesehen, auch in diesem Bistro, längere Haare, das gefällt mir und ich beneide ihn ein wenig darum; ungefähr gleiches Alter, denke ich. Mehrmals muss ich ihn schon gesehen, vielleicht, denke ich, ihm gar zugelächelt haben, stumm, nie mit ihm gesprochen. Auch jetzt nicht. Oder lange nicht. Der Laptop, die Idee für einen Text, das Buch ist wichtiger. Und er macht sich ...

Verloren

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Blog-Nr. 344 Stadtgeschichten (12) Wo ist es nur? Es war doch noch da, im Hosensack, auf der Vespa ist das etwas ungeschickt, ich weiss. Aber jetzt? Nicht (mehr?) im Hosensack, nicht in der Tasche vorne auf der Vespa (hätte ja sein können), nicht zu Hause, wohin ich zurückgekehrt bin, und auch nirgends auf der Seestrasse, die ich nochmals abfuhr, sofern man es überhaupt hätte sehen können. Es ist ein kurzer Weg zur Badi. Wo? Völlig durcheinander bin ich, genervt. Irgendwie nackt. Panik. Ohne Handy.  Wie hilflos wir sind, wie verloren, abgetrennt von allem, kein Kontakt mehr zu niemandem, und für alle sind wir niemand mehr. Keine andere Telefonnummer im Kopf, früher, da wussten wir doch zehn, zwanzig Nummern, alle auswendig, die meiner Eltern, ihr Festnetz, weiss ich heute noch auswendig, obwohl sie schon länger nicht mehr leben. etzt sind wir abhängig von diesem kleinen Ding. Ihm ausgeliefert. Aber eine Idee, vielleicht ist es die Rettung. Es gibt diese Funktion «Wo ist?», gesucht ...

Zentimeter

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Blog-Nr. 321 Stadtgeschichten (11) Ich bin schuldig. Keine Ausrede. Mein Fehler. Aber es war nicht einfach, ein Tram kam, ich sah es im Rückspiegel, es war schon nahe, sehr nahe, in der Seefeldstrasse der Zweier, vielleicht der Vierer, einfach ein blaues Tram, und einige Meter davor ein Velofahrer, es war also wirklich eng und knapp, und es pressierte, ein hektischer Moment. Die Lücke war klein, dahinter stand einer, vorne einer, mein Auto musste dazwischen, Stress pur, schon am frühen Morgen, nur wenige Zentimeter blieben hinten, nur wenige Zentimeter vorne und ständig der bange Blick in den Rückspiegel, was da noch näher kommt. Aber irgendwie geschafft. Das Tram jetzt auf gleicher Höhe, aussteigen unmöglich, viel zu eng, der Velofahrer bereits vorbei, ihm – oder war es doch eine ihr? – schien es nicht zu pressieren, die Person im Tram-Cockpit drückte auf die Glocke, schrill der Ton, der Velofahrer – oder sie – davon unbeeindruckt, glücklich radelnd. Und ich einfach nur froh. Eben: Es...

Berset, der Raver

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Blog-Nr. 277  Stadtgeschichten (10) Hast Du das gesehen, unglaublich, sagt der eine, er legt seine Zeitung an diesem Morgen zur Seite, schüttelt den Kopf, wiederholt, es sei wirklich unglaublich. Wie immer haben sie sich im Bistro getroffen, um ihren Espresso zu trinken, sie tun das fast täglich. Und wie immer haben beide Zeitung gelesen, denn es ist ein Bistro, in dem noch Zeitungen aufliegen, solche gibt es immer weniger. Sein Kollege, er war vertieft in andere Gedanken, so scheint es wenigstens, fragt etwas erstaunt, was denn jetzt wieder unglaublich sei, er rätselt. Meinst du diese Idee mit Olympischen Winterspielen in der Schweiz, das sei doch eine Schnapsidee, zu gigantisch, einfach nicht mehr angebracht, die Schweiz habe andere Probleme, und das Volk würde das nie mehr gutheissen. Nein, sicher nicht, sagt der andere, obschon: Diese Idee fasziniere ihn, wenn doch Winterspiele noch eine Zukunft haben sollen, dann auf diese Art, verteilt in einem ganzen Land, ohne diesen Bau v...

Heimkommen

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Stadtgeschichten (9) Das ist keine Stadtgeschichte. Oder doch. Eine Geschichte über ein kleines Dorf auf einer Insel. Und dem Gefühl von Heimat. Oder besser: Ein Dorf mit dem Gefühl, es sei zur Heimat geworden, zur zweiten Heimat. Diesen Blog-Beitrag auch hören! Früher, als Kind, war es das Tessin, der Lago Maggiore, die linke Seite von Bellinzona aus gesehen, Gambarogno, als grosse Gemeinde existiert es erst seit 2010. Damals, eben als Kind, waren es einzelne Dörfer, San Nazzaro, Magadino, Gerra, Vira, Orgnana, ein Ortsteil von Magadino, ach, diese schöne Namen. Überall waren wir mit den Eltern in den Sommerferien, immer am Lago Maggiore, immer auf dieser Seite, nur dieser Seite, und immer war es das Gefühl von Nach-Hause-kommen-und-alles-kennen, eben eine zweite Heimat. Wie jetzt. Mallorca, diese Insel, jahrzehntelang gemieden – Mallorca? Sicher nicht! Ich? Dorthin? Nein, nein, nie! Niemals! –, dann entdeckt, aus Zufall, weil mich jemand überredet hat, zum Glück. Und mich vom ersten ...

Fotografieren, hm?

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Stadtgeschichten (8)             Die Frau, sie ist 80 oder wohl noch einige Jahre älter, hat einen kleinen Tisch in einer Ecke des Restaurants bekommen. Sie möchte etwas essen, nicht viel, sagt sie. Sie solle diesen Code auf dem Tisch abfotografieren, sagt der Kellner, er sagt es freundlich, aber so, als wäre es selbstverständlich, und er geht wieder weg. Fotografieren, sie wiederholt es nicht, aber man kann es ihren Lippen ablesen und in ihren Augen sehen, sie denkt: fotografieren, hm, Code? Sie versteht nicht, vor allem was mit diesem Wort gemeint ist, schaut fragend auf diese komischen Zeichen vor sich, eingehüllt in einen Plastikumschlag. Sie hebt die Hand, zeigt dem Kellner mit einem Winken, dass er doch bitte nochmals zu ihr kommen soll. Sie solle ihr Handy nehmen und fotografieren, dann würde sie sehen, was sie bestellen könne, hört sie. Ihr Gesichtsausdruck sagt, dass ihr das sehr spanisch vorkommt. Handy? Fotografieren? Diesen Blog-Beitrag auch hör...

Groupies und Schätzchen

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Stadtgeschichten (7) Luca, der Architekt, liest schon seine Zeitung, als Bruno, der Werber, durch die Tür des Bistros im Seefeld tritt, in dem die beiden ihren morgendlichen Espresso trinken. «Ciao», sagt er lediglich, vertieft sich wieder in seine Zeitung und sagt dann, ziemlich laut, sodass andere im Lokal es auch hören können und aufschauen: Es sei richtig, dass dieses Konzert abgesagt werden müsste. Hier stehe es in der Zeitung. Diesen Blog-Beitrag auch hören! Wovon redest du?, fragt Bruno. Diese Rammstein-Band mit diesem Leadsänger Till Lindemann dürfe nach allem, was man weiss, nächste Woche niemals in Bern auftreten, sagt Luca, man müsse ein Zeichen setzen. «Hm», sagt Bruno. Dieser Tillmann, sagt Luca, könne ja sehr lyrische Gedichte schreiben und habe, so lese er, eine sehr leise und angenehme Seite, aber ... «Aber?», fragt Bruno. Kunst rechtfertige doch nie einen Missbrauch. Weibliche Rammstein-Fans sollen, heisst es, rund und Konzerte gecastet, zu ihm geführt und heimlich unt...