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Verloren

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Blog-Nr. 451 Einmal Wawrinka, einmal Odermatt* Der eine holte zuletzt zwei Bierdosen aus seiner Tasche und prostete dem Turnierdirektor zu. Der andere versteckte sein Gesicht, den Kopf lange auf die Skistöcke gestützt. Verloren. Der eine hatte feuchte Augen, wurde gefeiert, feierte selber, genoss einfach den Moment. Der andere hatte einen leeren Blick, wäre am liebsten sofort verschwunden, hätte gerne mit niemandem sprechen müssen. Der eine verabschiedete sich aus Melbourne, vom ersten grossen Tennisturnier des Jahres, nie mehr wird er dort spielen. Der andere stand wieder auf dem Podest, zum 100. Mal in seiner Karriere, und er wird wieder nach Kitzbühel zurückkehren.  Verloren.  Der, der Abschied nahm, hatte auch schon viel und viel Grosses gewonnen und jetzt nochmals gezeigt, wie grossartig er ist. Der, der so abgrundtief enttäuscht war und bei der Ehrung der Besten weinte, gewinnt fast immer. Aber weiterhin nicht die Abfahrt auf der Streif. Wegen sieben Hundertstelsekunden....

Jetzt Rast, damals Rösli

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Blog-Nr. 382 Die 25-jährige Walliserin Camille Rast wurde am Samstag in Saalbach Weltmeisterin im Slalom (vor Wendy Holdener) - als erste Schweizerin seit Vreni Schneider 1991. Die erste Schweizerin, die einen alpinen WM-Titel gewonnen hatte, war Rösli Streiff aus Glarus. 1932 siegte sie in Cortina d'Ampezzo im Slalom – mit über zehn Sekunden Vorsprung. Ich habe diesen Text vor vier Jahren geschrieben, mit der Erinnerung an einen Besuch bei ihr mitte der siebziger Jahre. Rösli Streiff starb 1997, 96-jährig. Foto: Landarchiv des Kantons Glarus Sagen Sie mir nicht Frau, sagen Sie mir bitte Fräulein, ich bin ein Fräulein und bin noch zu haben, sagte sie. Und lachte.  Sie war über 70 damals, ich besuchte sie als junger Journalist mitte der siebziger Jahre für einen Bericht im damaligen Fachblatt «Sport», die Rubrik hiess «Wer sie waren. Was sie wurden», und eigentlich hätte sie das Gespräch am liebsten verschoben. Es war ein wunderbarer Wintertag im Dezember gewesen, über Nacht hatte e...

Abschiede

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Blog-Nr. 305 Trennungen und Abschiede sind nie einfach, schmerzhaft meistens, sie können wütend machen, verletzend sein, sie verlaufen oft nicht im gegenseitigen Einvernehmen, auch wenn man es so darstellen will, nach aussen hin. Sei es privat, bei Beziehungen, nach einem gemeinsamen Leben, sei es im Beruf, weil die da oben entscheiden, dass bei denen da unten gespart werden muss, sei es im Sport. Und manchmal gibt es Tränen. Es gibt zuletzt einige Beispiele, von Trennungen, Abschieden, Rücktritten und Diskussionen, ob man zusammen weitermachen will oder es vielleicht vernünftig wäre, auseinander zu gehen. Guillaume Hoarau , «der singende Stürmer mit der Gitarre» (NZZ), sei sauer gewesen und wütend, als er, in Bern eine Kultfigur, von den Young Boys 2020 hören musste, dass sie ohne ihn planen, nach sechs Jahren und 118 Toren in 188 Spielen, Hoarau war damals 36. YB war für ihn eine Familie, eine Liebesbeziehung sei es gewesen, und ein Familienmitglied könne man doch nicht einfach so ve...

Russi auf dem Felsen

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Diesen Blog-Beitrag auch hören!   Vor Beat Feuz war Bernhard Russi. Fast täglich. Es schien, als gäbe es für das Schweizer Fernsehen in diesen Tagen vor Olympia nur noch ein Thema: Bernhard Russi. Russi gegen Klammer, das Rennen ihres Lebens, vielleicht das beste Skirennen überhaupt, damals am Patscherkofel in Innsbruck, am 5. Februar 1976, mit bewegenden Bildern. Oder Russi gegen Collombin, das Duell, zwei Abfahrer und Menschen, die so unterschiedlich sind, der Sonnyboy aus Andermatt und der wilde Roland Collombin, ein Film des Westschweizer Fernsehens 2018. Und: «Von hohen Gipfeln und dunklen Tälern», eine Dokumentation von Filmautor Michael Bühler aus dem Jahr 2017, die sehr private Geschichte von Russi, auch mit Bildern, wie er im Pflegeheim seine schwer behinderte Schwester Madleine besucht. Dreimal Russi innert weniger Tage am Fernsehen. Und jetzt, es war am Montagmorgen wenige Minuten nach fünf Uhr, dieses Bild am TV. Bernhard Russi auf dem Felsen, den die Chinesen eigentlic...

Kamerafahrt am Hüenleri

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Zwischen dem Lauberhorn und der Streif das Hüenleri. Oder die oder der Hüenleri, ich weiss nicht, woher das Wort stammt. Aber so heisst die Piste, «Hüenleri schwarz», es steht angeschrieben auf einem Holzpfosten, zuoberst am Lift, gleich vor einem ersten, dem einzig richtig steilen Hang. Schwarz, das bedeutet schwierig, gefährlich. Aber gut, es sei zugegeben: Schwarz hier wäre anderswo eher blau, hellblau, leicht, ungefährlich. Das oder der oder die Hüenleri ist eine von vier Pisten in Pany, und Pany liegt auf einer Sonnenterrasse im Prättigau, bei Küblis fährt man links hoch. Es hat einen, nur einen einzigen Skilift, einen, wie es früher viele solche gab, ein Schlepper mit Bügeln. Arno Camenisch hat darüber ein wunderbares Buch geschrieben, es geht dabei um einen solchen Schlepper in den Bündner Bergen, er könnte in Pany stehen, auch hier hat es ein Hüttli gleich neben dem Lift. «Der letzte Schnee», heisst das Buch von Camenisch. Die Anbügler in Pany arbeiten sonst als Bauern oder...

Russi verliert wieder

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Diesen Blog-Beitrag auch hören!   Bernhard Russi und Franz Klammer in Zürich beim 17. Zürich Film Festival Sie sahen aus wie damals, oder sagen wir: fast; der eine ist inzwischen 67, der andere 73 Jahre alt und hat immer noch längere Haare, nur sind sie jetzt grau. Sie erinnern an damals, als ganz Österreich und die halbe Schweiz an diesem Samstag, 5. Februar 1976, vor dem Bildschirm sassen und fieberten, und es kaum ausgehalten hatten vor knisternder Spannung, 45 Jahre sind es her. Abfahrt bei den Olympischen Spielen in Innsbruck am Patscherkofen, 60 000 am Pistenrand, strahlender Sonnenschein, und das Duell: Franz Klammer gegen Bernhard Russi. Es ist vielleicht das grösste Duell, das es je im Wintersport gab, das spektakulärste, das verrückteste. Der Techniker gegen den Wilden, der Stilist, der an diesem Tag auch wild fuhr, der Wilde, der noch verrückter fuhr. Der, der zuvor alles gewonnen hatte, seit neun Rennen ungeschlagen, gegen den, der nach 1972 nochmals Olympiasieger werd...

Die erste Ski-Weltmeisterin – sie schrieb für die NZZ über ihre Rennen

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Zweifache Weltmeisterin: Rösli Streiff, Glarus. Diesen Blog-Beitrag hören! Sagen Sie mir nicht Frau, sagen Sie mir bitte Fräulein, ich bin ein Fräulein und bin noch zu haben, sagte sie. Und lachte. Sie war über 70 damals, ich besuchte sie als junger Journalist mitte der siebziger Jahre für einen Bericht im damaligen Fachblatt «Sport», die Rubrik hiess «Wer sie waren. Was sie wurden», und eigentlich hätte sie das Gespräch am liebsten verschoben. Es war ein wunderbarer Wintertag im Dezember, über Nacht hatte es geschneit, die Sonne schien, und sie wäre so gerne auf die Ski gegangen, sie liebe Pulverschnee im Steilhang, möglichst steil und gefährlich müsse es sein. Sie, eigentlich Rosa, aber alle nannten sie immer nur Rösli, Streiff, eine zierliche kleine Frau oder eben ein Fräulein aus Glarus, die erste alpine Ski-Weltmeisterin aus der Schweiz. 1932 war es, die Rennen fanden in Cortina d’Ampezzo statt, wie jetzt wieder, und deshalb auch diese Geschichte, es ist eine Erinnerung an eine an...

Zeit und Zeiten

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Rot oder grün, schlecht oder gut?   Kürzlich wieder, während der Übertragung eines Skirennens, es war ein Slalom, vom TV-Kommentator gehört: «Ein brillanter Auftritt des Schweizers. Was die Zeit wert ist, werden wir später sehen.» Rot oder grün leuchtet am Bildschirm auf, erst jetzt wissen wir, wie die Leistung einzuschätzen ist – rot schlecht, grün stark. Ich habe zu Zeit und Zeiten und auch Zeitlupe, die vieles aufklärt, zuweilen auch etwas zu viel der Wahrheit, früher einmal zwei Texte geschrieben. Rot, grün Sie stehen am Start, und wir schauen hin. Und es ist WM, und wir schauen  gespannt hin. Wie wir es früher taten, und heimgerannt sind  von der Schule. Wir sehen eine rote Zahl und denken: oh, schlecht. Wir sehen eine grüne Zahl und denken: oh, gut. Sie fahren schnell, denken wir, sehen wir,  und glauben es, die Zeit sagt es. Im Ziel. Wir konzentrieren uns, nur auf die Zeit, rot oder grün.  Sie fahren schnell, und wir wissen nicht warum.  Jubeln oder ...