Heute

Blog-Nr. 371


Gedanken an Weihnachten und zum Leben




Es hängen Kugeln, es leuchten Lichter, es brennen Kerzen, es glitzert und glänzt, und wir sitzen drinnen im Bistro, und eigentlich möchte ich lieber draussen sitzen, irgendwo, und ich denke an eine laue Sommernacht mit Sternen, die am Himmel leuchten und dem Mond, der scheint, und der Sonne, die sich kurz zuvor verabschiedet hat, ich bin in Gedanken auf meiner Insel, das Meer, die sanften Wellen, die andere Luft; doch jetzt, an diesem Abend, es ist kalt draussen und der Tag war grau und trüb, es war eigentlich gar nie richtig Tag, sondern nur etwas dazwischen, halb Tag, halb Nacht, immer nur dunkel und trist; doch jetzt, in diesem Moment, drinnen, an einer Bar, einen Negroni sbagliato vor mir, sanfte Musik im Hintergrund, nicht «Last Christmas», kommen auch solche Gedanken.

Der Zweier fährt vorbei, und – täuscht es? – selbst das Rot mit der weissen Ziffer leuchtet anders, ein anderes Rot, weihnachtlicher.

Die Menschen, die jetzt hier sind im Bistro, suchen Wärme, auf irgendeine Art.

Ist es das Älterwerden? Man erinnert sich zurück an die Kinderzeit, die leuchtenden Augen beim Betreten der Stube mit dem Christbaum, Weihnachten war etwas Besonderes, draussen lag Schnee, was natürlich eine falsche Erinnerung ist; später kam sie einfach alle Jahre, schon wieder Weihnachten, dachte man – und jetzt kommt plötzlich auch der Gedanke: Wieviele Weihnachten noch? Die Vergänglichkeit wird einem bewusst. 

Eigentlich kann es ja so schön sein. Diese Zeit jetzt, es muss ja nicht immer Sommer sein, die Nacht nicht immer lau. Das Jahr, das so laut und hektisch und verstörend war, und überall auf der Welt spielte man mit dem Feuer, geht zu Ende.

Es ist gut so, und macht Platz für Neues. Hoffentlich Schöneres.

Die Stille ist angenehm, mit den Kugeln und Lichtern an den Fenstern, und die Sterne am Himmel sind verhüllt im dicken Nebel. Eigentlich sollten wir doch mehr annehmen, wie es gerade ist, sich nicht sehnen nach etwas, das sein könnte, vielleicht; eigentlich sollte uns diese Zeit daran erinnern, dass es doch viel wichtiger wäre, das Heute zu geniessen und nicht nach dem Morgen zu fragen, zu wünschen, dass es anders wäre.

Und uns vor allem sagen, welches Glück wir haben, in diesem Jetzt, an diesem Ort in dieser Welt leben zu können. Das Glück, glücklich sein zu dürfen. Hier.

«Last Christmas» soll ertönen. Heute.

Auch wenn der Song ja gar nicht weihnachtlich, sondern traurig ist. Oder auch: «All I Want for Christmas is you.» Persönliches Glück kann nur durch innere Ruhe erreicht werden, sagen die Buddhisten. Atmen wir ein, langsam, halten still, lange, atmen wir wieder aus, ganz langsam und noch länger. Es ist die ideale Zeit dafür.

Versöhnen wir uns mit uns.

Weihnachtliches Rot des Zweiers


Pegasus: «Christmas» (Quelle: Facebook)


Ein anderer Text:

Eine frühere weihnächtliche Geschichte:


Fredy Wettsteins Blog «Wieder im Auge» 
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