Ziellose Zugfahrten
Blog-Nr. 508
Lesen inspiriert. Es kann zu schönen Gedanken führen – seit einiger Zeit, in dieser verstörenden Welt, aber auch zu angstvollen. Es kann auch zum Träumen verleiten, mehr in Büchern als in Zeitungen. Man liest einen Satz oder eine Seite mehrmals, weil es so gut tut. Und ein (fremder) erster Satz kann zu einer Idee, zu einem (eigenen) zweiten und dritten Satz und zu einer (eigenen) Geschichte führen.
So ging es mir schon oft. Ich schreibe, weil ich zuvor gelesen habe. Ich lese viel.
In diesem Moment, bei Wolken, aber sommerlichen 29 Grad, im Sand am Meer, habe ich eben das gelesen. Eine Geschichte in der neu gestalteten «Welt am Sonntag» über den in Deutschland lebenden Schweizer Jean-Remy von Matt, den Mitbegründer der Hamburger Agentur Jung von Matt, einer der erfolgreichsten im deutschsprachigen Raum.
In diesem Text geht es auch um ein ungewöhnliches Wochenend-Ritual von Jean-Remy von Matt. Er steigt dann oft in einen Zug, nicht, um an einem Ort anzukommen. Er sucht sich kein Ziel und keinen Grund aus, niemand erwartet ihn irgendwo. Er steigt einfach ein, in einen «Zug nach irgendwo» – weil er unterwegs sein will, weil er so kreativ sein kann, sagt er.
Sinnlose Fahrten nennt er es, das Gefangensein im fahrenden Raum stimuliere seine Gedanken. Unterwegs denken und finden.
Da kommt einem Peter Bichsel in den Sinn, der vieles, was er schrieb, im Zug geschrieben hat. Auch er, wie von Matt, fuhr immer 2. Klasse. Er hatte ein GA sass im Zug, beobachtete, schaute den Menschen zu oder auf die Landschaft, er fand die Ruhe, auch wenn andere um ihn herum redeten. Ein Buch von ihm heisst «Eisenbahnfahrten», und darin steht dieser Satz: «Die Kunst des Eisenbahnfahrens ist die Kunst des Wartens, und darin liegt der eigentliche Zeitgewinn, dass man Zürich nicht zu erreichen hat, sondern zu erwarten.»
Warten auf einen Gedanken vielleicht, aber vielleicht kommt ein Gedanke, weil man nichts erwartet. Und führt zu einem ersten Satz. Bei Bichsel, dem wunderbaren Formulierer, zu vielen ersten Sätzen, bei vielen ziellosen Zugfahrten.
Vielleicht beobachtet man unterwegs auch so etwas. Und jetzt kommt mir Manuel Stahlberger in den Sinn, der Comiczeichner, Lyriker und Liedermacher aus St. Gallen mit den oft leisen und melancholisch-lakonischen Texten. Im Lied «Die Gschicht isch besser» beginnt es so:
Stahlbergers Geschichte führt dann zu einem besseren Ende. Auf die Frage, wie seine Lieder entstehen, sagte er einmal: «Ich weiss gar nicht, woher meine Sätze kommen.»
Vielleicht auch beim Zugfahren.
Nach irgendwohin.
Lesen inspiriert. Es kann zu schönen Gedanken führen – seit einiger Zeit, in dieser verstörenden Welt, aber auch zu angstvollen. Es kann auch zum Träumen verleiten, mehr in Büchern als in Zeitungen. Man liest einen Satz oder eine Seite mehrmals, weil es so gut tut. Und ein (fremder) erster Satz kann zu einer Idee, zu einem (eigenen) zweiten und dritten Satz und zu einer (eigenen) Geschichte führen.
So ging es mir schon oft. Ich schreibe, weil ich zuvor gelesen habe. Ich lese viel.
In diesem Moment, bei Wolken, aber sommerlichen 29 Grad, im Sand am Meer, habe ich eben das gelesen. Eine Geschichte in der neu gestalteten «Welt am Sonntag» über den in Deutschland lebenden Schweizer Jean-Remy von Matt, den Mitbegründer der Hamburger Agentur Jung von Matt, einer der erfolgreichsten im deutschsprachigen Raum.
In diesem Text geht es auch um ein ungewöhnliches Wochenend-Ritual von Jean-Remy von Matt. Er steigt dann oft in einen Zug, nicht, um an einem Ort anzukommen. Er sucht sich kein Ziel und keinen Grund aus, niemand erwartet ihn irgendwo. Er steigt einfach ein, in einen «Zug nach irgendwo» – weil er unterwegs sein will, weil er so kreativ sein kann, sagt er.
Sinnlose Fahrten nennt er es, das Gefangensein im fahrenden Raum stimuliere seine Gedanken. Unterwegs denken und finden.
Da kommt einem Peter Bichsel in den Sinn, der vieles, was er schrieb, im Zug geschrieben hat. Auch er, wie von Matt, fuhr immer 2. Klasse. Er hatte ein GA sass im Zug, beobachtete, schaute den Menschen zu oder auf die Landschaft, er fand die Ruhe, auch wenn andere um ihn herum redeten. Ein Buch von ihm heisst «Eisenbahnfahrten», und darin steht dieser Satz: «Die Kunst des Eisenbahnfahrens ist die Kunst des Wartens, und darin liegt der eigentliche Zeitgewinn, dass man Zürich nicht zu erreichen hat, sondern zu erwarten.»
Warten auf einen Gedanken vielleicht, aber vielleicht kommt ein Gedanke, weil man nichts erwartet. Und führt zu einem ersten Satz. Bei Bichsel, dem wunderbaren Formulierer, zu vielen ersten Sätzen, bei vielen ziellosen Zugfahrten.
Vielleicht beobachtet man unterwegs auch so etwas. Und jetzt kommt mir Manuel Stahlberger in den Sinn, der Comiczeichner, Lyriker und Liedermacher aus St. Gallen mit den oft leisen und melancholisch-lakonischen Texten. Im Lied «Die Gschicht isch besser» beginnt es so:
Die Gschicht isch bekannt
Sie sitzed im Zug
Aber nöd im gliiche
Beidi Züg fahred
Sie gsehnd sich durs Fenschter
Aber denn chunnt e Weiche
Und es triibt sie usenand
Sie hend sich nöd kennt
Sie lueged sich i d Auge
Für en churze Moment
Stahlbergers Geschichte führt dann zu einem besseren Ende. Auf die Frage, wie seine Lieder entstehen, sagte er einmal: «Ich weiss gar nicht, woher meine Sätze kommen.»
Vielleicht auch beim Zugfahren.
Nach irgendwohin.
Ein 12-teiliges Kartenset, je einem eigenen Bild
und einem Gedicht zu kaufen:
Für 16 Franken bei der Lesung oder mit persönlicher Übergabe.
Für 19 Franken schicke ich es Euch gerne zu.
Zahlen per Twint mit Vermerk Gedichtkarte.
Schreibt mir kurze Mailnachricht (Fredy Wettstein),
dann schicke ich Euch meine Handynummer fürs Twinten
Nächste musikalische Lesung:
Sonntag, 29. November, 11 Uhr
Immobilienwerkstatt, Küsnacht
Anmeldungen:
fredy.wettstein@gmail.com
Meine Webseite
zum Blog, mit immer wieder aktuellen Fotos
und Tipps zu Büchern, Konzerten, Filmen, Orten
Kommentare
Kommentar veröffentlichen