Warten im Zug
Blog-Nr. 505
Er fährt. Tatsächlich. Und pünktlich: EC 196 ab München Hauptbahnhof, der eine Baustelle ist, 8:32 Uhr. Auf die Minute genau. Gute Reise wünscht die Stimme im Lautsprecher. Und sogar das Internet funktioniert. Jetzt, es ist 08:35 Uhr.
Zwei Minuten später nicht mehr. Ich bin der Erste im Restaurant-Wagen, trinke einen Espresso, schwarz. Hätte einen zweiten nötig, dringend.
Leider, höre ich von der lieben Serviceangestellten, gebe es keinen, die Maschine sei defekt. Das sagt jetzt auch der Unbekannte am Lautsprecher, aber kalte Getränke gäbe es; nur kein Coca-Cola, dafür Vivi-Cola höre ich, weil jemand, der Coca will, ja kein Vivi. Ich trinke Wasser.
Und jetzt fährt der Zug nicht mehr. Er hält, irgendwo im Nirgendwo. Grün ist es draussen und blau oben, ein wunderbarer Herbstmorgen, bald heisst es in München «O’zapft is»; im Hauptbahnhof, der eine Baustelle ist, standen schon viele in Lederhosen, einige mit dem ersten und sicher nicht letzten Bier in der Hand.
Der Zug hält weiter. Der Unbekannte mit der Stimme meldet den Grund: Ein Gegenzug muss abgewartet werden, steigen sie ja nicht aus, halten sie die Türen geschlossen. Der Gegenzug kommt lange nicht. Vielleicht wartet er auch irgendwo – auf den Gegenzug, auf unseren, aber wir halten ja. Gegenzüge, die gemeinsam halten, einer dort, der andere da.
Dann geht es doch weiter. Ich kann aber nicht mehr schreiben: Verbindung unterbrochen, meldet der Laptop.
Dann leben wir wieder. Und halten. Diesmal korrekt: In Buchloe. «Ca. + 20’» zeigt es im Fahrplan an.
Aber wenigstens fährt er bald wieder. Nur heisse Getränke gibt es weiterhin nicht, hören wir wieder, «leider», sagt er, entschuldigt sich. Und bald offline sind wir auch wieder.
Und dann: Erneut hält er, den Ort gibt es im Fahrplan nicht, «Türkheim» steht auf einer blauen Tafel beim Geleise, eine Gemeinde im Landkreis Unterallgäu google ich, 7000 Einwohner. Der Bahnhof ist etwa so gross wie jener von Goldbach zwischen Zollikon und Küsnacht. Dort hält auch nie ein ECE. Allerdings fährt am rechten Zürichseeufer auch keiner.
Ein Gegenzug kam übrigens nicht, es wurde diesmal auch keiner erwartet. Wir haben einfach gehalten, nichtprogrammgemäss.
Jetzt bummeln wir wieder, so fühlt es sich wenigstens an, die S-Bahn, die in Goldbach programmgemäss hält, fährt jeweils schneller. Grün sind die Wiesen, viel grün, immer wieder auch Wälder, blau der Himmel, Kühe, die weiden, Menschen mit Hunden unterwegs, Velofahrer.
Wieder mal offline der Laptop. Kein Espresso, der helfen würde, ganz wach zu werden, die Nacht war kurz gewesen. Zu essen gäbe es, ich habe aber keinen Hunger, wie schön wäre jetzt ein Espresso im Bohemia in Zürich.
Wir bummeln durch die grüne Gegend, aber offenbar bummeln wir schneller als im Fahrplan vorgesehen. «Ca. +9’» steht bei Lindau-Reutin nur noch, wir sind am Bodensee, es ist der Grenzbahnhof zu Österreich. Vielleicht funktioniert die Maschine für den Espresso nach der Grenze, denke ich. Wunschtraum.
Und übrigens: «Ca. +9’» stimmt inzwischen nicht mehr, es ist jetzt plus 15, und, vorausschauend im Fahrplan steht: «Zürich HB, ca. +30». Die Stimme am Lautsprecher entschuldigt sich, Bauarbeiten seien schuld und, klar, Gegenzüge, viele Gegenzüge. Deutschland ist das Land der Gegenzüge. Die kommen und vielleicht auch warten.
Zwischen Flughafen und Zürich soll unser ECE 196 immerhin fünf Minuten aufholen, lese ich, wenn es dann wirklich stimmt; freie Bahn muss dort sein, und Gegenzüge fahren dann auf vielen anderen Geleisen.
Dann geht es doch weiter. Ich kann aber nicht mehr schreiben: Verbindung unterbrochen, meldet der Laptop.
Dann leben wir wieder. Und halten. Diesmal korrekt: In Buchloe. «Ca. + 20’» zeigt es im Fahrplan an.
Aber wenigstens fährt er bald wieder. Nur heisse Getränke gibt es weiterhin nicht, hören wir wieder, «leider», sagt er, entschuldigt sich. Und bald offline sind wir auch wieder.
Und dann: Erneut hält er, den Ort gibt es im Fahrplan nicht, «Türkheim» steht auf einer blauen Tafel beim Geleise, eine Gemeinde im Landkreis Unterallgäu google ich, 7000 Einwohner. Der Bahnhof ist etwa so gross wie jener von Goldbach zwischen Zollikon und Küsnacht. Dort hält auch nie ein ECE. Allerdings fährt am rechten Zürichseeufer auch keiner.
Ein Gegenzug kam übrigens nicht, es wurde diesmal auch keiner erwartet. Wir haben einfach gehalten, nichtprogrammgemäss.
Jetzt bummeln wir wieder, so fühlt es sich wenigstens an, die S-Bahn, die in Goldbach programmgemäss hält, fährt jeweils schneller. Grün sind die Wiesen, viel grün, immer wieder auch Wälder, blau der Himmel, Kühe, die weiden, Menschen mit Hunden unterwegs, Velofahrer.
Wieder mal offline der Laptop. Kein Espresso, der helfen würde, ganz wach zu werden, die Nacht war kurz gewesen. Zu essen gäbe es, ich habe aber keinen Hunger, wie schön wäre jetzt ein Espresso im Bohemia in Zürich.
Wir bummeln durch die grüne Gegend, aber offenbar bummeln wir schneller als im Fahrplan vorgesehen. «Ca. +9’» steht bei Lindau-Reutin nur noch, wir sind am Bodensee, es ist der Grenzbahnhof zu Österreich. Vielleicht funktioniert die Maschine für den Espresso nach der Grenze, denke ich. Wunschtraum.
Und übrigens: «Ca. +9’» stimmt inzwischen nicht mehr, es ist jetzt plus 15, und, vorausschauend im Fahrplan steht: «Zürich HB, ca. +30». Die Stimme am Lautsprecher entschuldigt sich, Bauarbeiten seien schuld und, klar, Gegenzüge, viele Gegenzüge. Deutschland ist das Land der Gegenzüge. Die kommen und vielleicht auch warten.
Zwischen Flughafen und Zürich soll unser ECE 196 immerhin fünf Minuten aufholen, lese ich, wenn es dann wirklich stimmt; freie Bahn muss dort sein, und Gegenzüge fahren dann auf vielen anderen Geleisen.
Ich nehme ein Buch, das Internet funktioniert sowieso meistens nicht, «Das Falkenschloss» von Richard Reich. 448 Seiten, Das sollte reichen bis Zürich. Der Wimpel «Freistaat Bayern» verdeckt etwas die Sicht auf die zwischendurch grünen Wiesen, aber jetzt auch auf mehr Häuser und den nur blauen Himmel.
Wir fahren, sind aber immer noch am Bodensee. Es stockt wieder, einmal, vor St. Gallen, auch im Tunnel, und ja: Ja nicht aussteigen, höre ich (übrigens bis Zürich werden es bereits 45 Minuten Verspätung). Vor uns bummeln Regionalzüge. Wir sind weiterhin ohne Espresso.
Wir fahren, sind aber immer noch am Bodensee. Es stockt wieder, einmal, vor St. Gallen, auch im Tunnel, und ja: Ja nicht aussteigen, höre ich (übrigens bis Zürich werden es bereits 45 Minuten Verspätung). Vor uns bummeln Regionalzüge. Wir sind weiterhin ohne Espresso.
Den Laptop schliesse ich. Ich lese jetzt,
Ein 12-teiliges Kartenset, je einem eigenen Bild
und einem Gedicht zu kaufen:
Für 16 Franken bei der Lesung oder mit persönlicher Übergabe.
Für 19 Franken schicke ich es Euch gerne zu.
Zahlen per Twint mit Vermerk Gedichtkarte.
Schreibt mir kurze Mailnachricht (Fredy Wettstein),
dann schicke ich Euch meine Handynummer fürs Twinten
Nächste musikalische Lesung:
Sonntag, 29. November, 11 Uhr
Immobilienwerkstatt, Küsnacht
Anmeldungen:
fredy.wettstein@gmail.com
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zum Blog, mit immer wieder aktuellen Fotos
und Tipps zu Büchern, Konzerten, Filmen, Orten
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