Als Yogi in der Bohemia Bar
Blog-Nr. 507
Es ist so in einem langen Leben. Wir mussten und müssen immer noch irgendwo abbiegen. Und ist dann nicht vieles Zufall? Oder Schicksal?
Der Entscheid vor einem Studium, im Beruf, in der Liebe. Wir treffen jemanden in einer Bar, vielleicht im Zug, irgendwo unterwegs, in einer Badi, in den Ferien, beim Kaffee, im realen Leben.
Oder auch das.
Dieser Text war eigentlich nicht als Blog gedacht. Ich schrieb ihn, während sich neun Frauen zu einer Yoga-Woche getroffen haben, im Pozzo de Sol, einem Bijou von einer grossen Finca, umgeben von tausend Olivenbäumen an der Costa Daurada, der goldenen Küste zwischen Barcelona und Valencia.
Ich bin kein Yogi, fotografierte nur, machte eine kleine Lesung,
(deshalb dieser Text) aber ich fühlte mich als Yogi, allein unten am Meer, ich war ganz bei mir, wenigstens im Kopf, mental entspannt.
Der Entscheid vor einem Studium, im Beruf, in der Liebe. Wir treffen jemanden in einer Bar, vielleicht im Zug, irgendwo unterwegs, in einer Badi, in den Ferien, beim Kaffee, im realen Leben.
Oder auch das.
Ich fahre zwischen Barcelona und Valencia der Costa Daurada entlang, in nördlicher Richtung von L’Ampolla weg, diesem kleinen Hafendorf mit einer wunderbares Gelateria. Es ist eine kleine Strasse mit vielen Kurven, immer unterhalb der Eisenbahn.
Man sieht das Meer meistens nicht, glaubt aber, es zu riechen. Beim Mirador El Perelló rechts ab, ein Wegweiser zeigt den Strand an. Jetzt sieht man es, himmelblaukaribikschön. Dann unten nach links abgebogen, mehr zufällig, auf einen schmalen Weg, der bei einem grossen sandigen Parkplatz endet.
Eine Beach. Eine kleine Bar, mehr eine Holzhütte, schattige Pinien. Bohemia Mar steht an einer Wand. Wie schön schon dieser Name: frei sein, unkonventionell und das nahe Meer.
Man sieht das Meer meistens nicht, glaubt aber, es zu riechen. Beim Mirador El Perelló rechts ab, ein Wegweiser zeigt den Strand an. Jetzt sieht man es, himmelblaukaribikschön. Dann unten nach links abgebogen, mehr zufällig, auf einen schmalen Weg, der bei einem grossen sandigen Parkplatz endet.
Eine Beach. Eine kleine Bar, mehr eine Holzhütte, schattige Pinien. Bohemia Mar steht an einer Wand. Wie schön schon dieser Name: frei sein, unkonventionell und das nahe Meer.
Es soll, wie ich lese, hier manchmal auch Live-Musik geben, und ich stelle es mir vor: Lieder, tanzen, ein Sonnenuntergang, rötliches Licht, eine laue Sommernacht. Es muss bezaubernd sein.
Aber noch ist es Nachmittag.
Es hat ein paar Liegestühle, 5 Euro für eine Stunde, die Sonnenschirme sind aus Stroh, das Wasser glitzert. Die junge Spanierin an der Bar lächelt fast verlegen, und als sie mir ein Glas Rosé in einen Plastikbecher einschenkt und ich mich an einen Tisch vor der Bar setze, kommt sie sofort dahergelaufen, entschuldigt sich, hat ein Weinglas in der Hand. Sie meinte, ich würde den Wein unten auf dem Liegestuhl trinken, deshalb nur der Plastikbecher.
Pido disculpas, sagt sie, entschuldigt sich mehrmals, immer noch verlegen lächelnd.
Und nach einer Stunde hat man das Gefühl, man sei schon wochenlang hier. In dieser Stimmung, mit diesem Licht, dem Blick in die Unendlichkeit, dem Geräusch der Wellen. Der Sand leuchtet golden. Das dunkle Blau des Meeres geht direkt in das Hellblau des Himmels über, wolkenlos.
Manchmal entsteht ein heimatliches Gefühl ganz schnell. Man ist abgebogen an einem Ort, an dem man noch nie war, den man nicht kannte, zufällig, links statt rechts. Und ist im Glück gelandet.
Es ist im Leben so, in der Liebe. Dort sowieso. Nie ist sie schöner als wenn alles noch unschuldig ist. Zart, unberührt. Nur Gegenwart. Nur im Augenblick.
Und denkt – zurück zum Abbiegen auf dieser kleinen Strasse zum Meer hin: Hier möchte ich immer bleiben. Nie mehr weg. Einfach sein.
Und denkt aber auch: Muss man, wenn man so glücklich ist, ganz bei sich, nicht auch fast ein schlechtes Gefühl bekommen? So viel Schönes – hat man das verdient?
Später am Abend, zurück in der Finca Pozzo de Sol. Ein zarter Wind, mehr ein Lüftchen, totale Ruhe, weiterhin keine Wolke am Himmel. Es ist das Datum, an dem nicht nur Jasmin Geburtstag hat – sie gehört zur Gruppe der Frauen, die ich vor wenigen Tagen noch gar nicht kannte –, sondern auch Nacht und Tag exakt gleich lang sind.
Ich bin weiterhin kein Yogi, schaue den lieben Yoginis nur mit einem halben Auge zu, während ich diesen Text schreibe.
Denke aber: Irgendwie habe ich mich heute Nachmittag am Meer auch als Yogi gefühlt. Ganz ruhig, zentriert, geprägt von einer tiefen körperlichen Leichtigkeit, im Einklang mit dieser schönen Umgebung. Alle Sorgen und Ängste weit weg, nur das ständige Plätschern des Wassers im Ohr, die sanften Wellen, weit draussen ein Segelschiff.
An diesem Abend – ich schreibe diesen Text am Freitag – findet die Season Closing Party statt, mit DJ 106, von 18 Uhr bis morgens um zwei, es ist Vollmond, 25 Grad noch um Mitternacht.
Aber noch ist es Nachmittag.
Es hat ein paar Liegestühle, 5 Euro für eine Stunde, die Sonnenschirme sind aus Stroh, das Wasser glitzert. Die junge Spanierin an der Bar lächelt fast verlegen, und als sie mir ein Glas Rosé in einen Plastikbecher einschenkt und ich mich an einen Tisch vor der Bar setze, kommt sie sofort dahergelaufen, entschuldigt sich, hat ein Weinglas in der Hand. Sie meinte, ich würde den Wein unten auf dem Liegestuhl trinken, deshalb nur der Plastikbecher.
Pido disculpas, sagt sie, entschuldigt sich mehrmals, immer noch verlegen lächelnd.
Und nach einer Stunde hat man das Gefühl, man sei schon wochenlang hier. In dieser Stimmung, mit diesem Licht, dem Blick in die Unendlichkeit, dem Geräusch der Wellen. Der Sand leuchtet golden. Das dunkle Blau des Meeres geht direkt in das Hellblau des Himmels über, wolkenlos.
Manchmal entsteht ein heimatliches Gefühl ganz schnell. Man ist abgebogen an einem Ort, an dem man noch nie war, den man nicht kannte, zufällig, links statt rechts. Und ist im Glück gelandet.
Es ist im Leben so, in der Liebe. Dort sowieso. Nie ist sie schöner als wenn alles noch unschuldig ist. Zart, unberührt. Nur Gegenwart. Nur im Augenblick.
Und denkt – zurück zum Abbiegen auf dieser kleinen Strasse zum Meer hin: Hier möchte ich immer bleiben. Nie mehr weg. Einfach sein.
Und denkt aber auch: Muss man, wenn man so glücklich ist, ganz bei sich, nicht auch fast ein schlechtes Gefühl bekommen? So viel Schönes – hat man das verdient?
Später am Abend, zurück in der Finca Pozzo de Sol. Ein zarter Wind, mehr ein Lüftchen, totale Ruhe, weiterhin keine Wolke am Himmel. Es ist das Datum, an dem nicht nur Jasmin Geburtstag hat – sie gehört zur Gruppe der Frauen, die ich vor wenigen Tagen noch gar nicht kannte –, sondern auch Nacht und Tag exakt gleich lang sind.
Eigentlich also Herbstbeginn, aber immer noch Hochsommer hier. Es ist ein Sommer, der ewig bleiben will.
Und Natalie sagt auf der Terrasse neben dem Pool zu ihrer abendlichen Lektion mit ihrer zarten Stimme:
Und Natalie sagt auf der Terrasse neben dem Pool zu ihrer abendlichen Lektion mit ihrer zarten Stimme:
«Loslassen ist heute das Thema.»
| Yoga unter der spanischen Sonne |
Denke aber: Irgendwie habe ich mich heute Nachmittag am Meer auch als Yogi gefühlt. Ganz ruhig, zentriert, geprägt von einer tiefen körperlichen Leichtigkeit, im Einklang mit dieser schönen Umgebung. Alle Sorgen und Ängste weit weg, nur das ständige Plätschern des Wassers im Ohr, die sanften Wellen, weit draussen ein Segelschiff.
Im Glück.
Auch nach dem zweiten Glas Rosé noch.
Oder dann erst recht.
Weil ich links abgebogen bin.
Zum Glück.
Auch nach dem zweiten Glas Rosé noch.
Oder dann erst recht.
Weil ich links abgebogen bin.
Zum Glück.
Ein 12-teiliges Kartenset, je einem eigenen Bild
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