Lesen. Zeitungen.
Blog-Nr. 499/b
Dasitzen, blaue Trams fahren vorbei, noch draussen, weil seit gefühlt Silvester jeden Tag Sommer ist, froh darum, dass sich die Sonne noch hinter dem Haus versteckt, denn es ist morgens um zehn schon warm, immer noch warm, irgendwann, vielleicht ja schon bald, kommt der Herbst und dann der Winter, und wir sitzen alle wieder drinnen und denken, es sind nicht Tage oder Wochen, nein: Monate bis dieses südliche Lebensgefühl wieder aufkommt und man glaubt, man sitze nicht am Kreuzplatz in Zürich, sondern auf irgendeiner Piazza in Rom oder Palermo, beim Espresso, später Aperitivo.
Und eben: Wir lesen – nicht alle, einige sitzen auch vor ihrem Laptop oder tippen in ihre kleinen Geräte irgendwelche Nachrichten, vielleicht liebe oder andere – man glaubt es ihrem Gesichtsausdruck ablesen zu können. Vielleicht shoppen sie auch oder lesen Börsenkurse.
Aber viele tun es. Sie lesen. Zeitungen.
Es hat davon einige, sie hängen an einem Ständer beim Eingang zum Lokal mit dem schönen Namen Bohemia, aber meistens fehlen sie dort, denn …
Eben: Wir lesen. Zeitungen. Gedruckte Zeitungen, nicht Zeitungen, die sich in diesen kleinen Geräten verstecken.
Noch gibt es sie. Wie lange?
Und so geniessen wir, die hier draussen auf bequemen Rattanstühlen sitzen und zu spät kamen, weil der Abend zu lang oder die Nacht zu kurz war und deshalb keine Zeitung mehr im Gestell lag, einfach den Anblick: Wie viele hier eine Zeitung in den Händen halten, die eine oder die andere von Zürich, mit Lesebrille oder nahe vor den Augen. Und lesen.
Ein wunderbarer Anblick.
Nächste musikalische Lesung:
Sonntag, 29. November, 11 Uhr
Immobilienwerkstatt, Küsnacht
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