Im Süden der Kurve
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Und damals als Kind, noch viel früher, da durften wir noch direkt auf dem Boden hinter dem einen Tor sitzen, und stolz war ich, als Küsnachter hinter Karli Grob, dem Küsnachter im Tor des FCZ. Ich habe in einem alten Fotoalbum ein Bild gefunden, ein Dokument, wie ich damals schrieb. Es war auch gegen Basel.
Aber jetzt mitten drin in der Südkurve, zum ersten Mal, nicht ganz zwar, an einem Ende, eine Glaswand trennt gleich neben mir zum Sektor C, doch ich bin einer aus der Kurve; der Sohn der Enkel und Freunde daneben, Simon, er schaut die Spiele immer hier, hat mich eingeladen.
Und zwei Stunden miterlebt. Wie sie singen, immer nur singen, immer wieder andere Lieder, wie sie mit den Händen klatschen, Fahnen schwenken, wie sie rauchen, nicht nur Zigaretten, Bier in der Hand halten – auch mit Alkohol, obwohl das eigentlich verboten wäre –, Fäuste strecken, und eben: singen, singen, singen, ständig singen.
Ich singe nicht mit, kenne ja den Text im Gegensatz zu fast allen nicht, aber doch, ich ertappe mich, so nach 40 Minuten, ich wippe etwas mit, klopfe mit der rechten Hand auf meinen rechten Schenkel, im Rhythmus, irgendwie angesteckt.
Jung und alt, mehrheitlich männlich, aber auch Frauen und Mädchen. Alle singen und klatschen.
Fast alle tragen weisse Schuhe. Das gehört dazu in der Kurve. Und irgendein Leibchen mit Klubbezug – besonders viele mit der Zahl 93 und «Minute» darunter, vorne auch das Datum: «13. Mai 2006». Damals in Basel. Legendär.
Ich kann es nicht sagen, sah wenig, das andere Tor war gefühlt einen Kilometer weg, zwischendurch zündete einer vor uns , vermummt, er verschwand nachher gleich wieder, eine Rauchbombe, nur noch grau vor Augen, es stank fürchterlich.
Die Gesichter und die Emotionen der Menschen interessierten mich mehr als der Ball.
Das 2:1 für Basel war spät gefallen, kurz, nur ein gebrochener Herzschlag lang, war es still. Dann, von ganz unten, der Capo, dieses Lied soll gesungen werden:
Im Süden der Kurve denken sie an diesem Samstagabend kurz vor halb elf schon ans nächste Spiel. Um wieder zu singen, zu klatschen, Fahnen zu schwingen. Und hoffentlich dann zu jubeln.
Es ist nicht mein letzter Besuch.
Früher, immer auf den Medienplätzen oder sonst irgendwo auf einem Sitz der Westtribüne, die Südkurve im Letzigrund weit weg, zwar hörbar, aber meistens von den Gesängen wenig zu verstehen, oft beeindruckt (von den Choreo-Ideen), manchmal aber auch genervt vom Rauch, der allen die Sicht auf den Platz nahm oder den lauten Böllern und Leuchtpetarden.
Und damals als Kind, noch viel früher, da durften wir noch direkt auf dem Boden hinter dem einen Tor sitzen, und stolz war ich, als Küsnachter hinter Karli Grob, dem Küsnachter im Tor des FCZ. Ich habe in einem alten Fotoalbum ein Bild gefunden, ein Dokument, wie ich damals schrieb. Es war auch gegen Basel.
Aber jetzt mitten drin in der Südkurve, zum ersten Mal, nicht ganz zwar, an einem Ende, eine Glaswand trennt gleich neben mir zum Sektor C, doch ich bin einer aus der Kurve; der Sohn der Enkel und Freunde daneben, Simon, er schaut die Spiele immer hier, hat mich eingeladen.
Und zwei Stunden miterlebt. Wie sie singen, immer nur singen, immer wieder andere Lieder, wie sie mit den Händen klatschen, Fahnen schwenken, wie sie rauchen, nicht nur Zigaretten, Bier in der Hand halten – auch mit Alkohol, obwohl das eigentlich verboten wäre –, Fäuste strecken, und eben: singen, singen, singen, ständig singen.
FC Züri zeig was chasch,
jede Gägner abelaah,
Wenn du alles gisch und
wänn du wirklich wilsch,
Chasch ganz z’obersch stah!
Lololololo…
FCZ!
Jung und alt, mehrheitlich männlich, aber auch Frauen und Mädchen. Alle singen und klatschen.
Fast alle tragen weisse Schuhe. Das gehört dazu in der Kurve. Und irgendein Leibchen mit Klubbezug – besonders viele mit der Zahl 93 und «Minute» darunter, vorne auch das Datum: «13. Mai 2006». Damals in Basel. Legendär.
Und auch jetzt wieder gegen den FC Basel, ein Klassiker. Ich sah das 1:0 für Zürich nicht, eine Fahne versperrte die Sicht, das 1:1 auch nicht, ein Biss in die Bratwurst, das 2:1 für den FCB schon, ein Elfmeter direkt vor der Südkurve, aber war es ein gutes Spiel?
Ich kann es nicht sagen, sah wenig, das andere Tor war gefühlt einen Kilometer weg, zwischendurch zündete einer vor uns , vermummt, er verschwand nachher gleich wieder, eine Rauchbombe, nur noch grau vor Augen, es stank fürchterlich.
Die Gesichter und die Emotionen der Menschen interessierten mich mehr als der Ball.
Oder eben die Lieder.
FC Züri allez allez,
Südkurve das sind mir dihei
Als ob Gast oder au dihei
Mir lönd oi sicher nie elei
Blau und wiis sind oisi Farbe
Sind die balsam uf oisi Narbe
Und geg die isch s'bescht Rezept
Es Goal vo oisem FCZ
Sing so luut wie du nur chasch
Schlüss dich dene Chranke a,
Au wenn d Wält bald unter ghat
Stömmer immer für dich da!
Träg die Farbe jede Tag,
FC Züri überall
Uf de Huut und a de Wand
Nimm de Schal i dini Hand
Und egal wos ane ghat
Fahr vorus mier reised nah
alles stah und ligge lah,
zum i jedes Stadion gah
Es ist nicht mein letzter Besuch.
*Dieser Text erschien zuerst auf Facebook. Deshalb ist es
noch nicht der 500. Blog. Er kommt in einer Woche.
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