Erst ChatGPT – dann doch der Mensch
Blog-Nr. 500
Es ist der 500. Blog (wenigstens offiziell). Und so dachte ich, ein Jubiläumstext sollte etwas Besonderes sein. Es kam aber anders heraus, wie so oft, weil plötzlich eine andere Idee im Kopf ist, meistens der erste Satz nicht weiss, wie der zweite lautet, und schon gar nicht, wohin er führt, irgendwann zum letzten Satz.
Ich verbrachte viele Stunden mit ChatGPT – mit ihm, mit ihr, mit dem –, nicht wegen eines Textes, aber wegen eines möglichen Bildes zu einem Text von mir, zum Blog mit der Nummer 497 Link vor drei Wochen, es war ein Gedicht. Sie, er, es, die Maschine schickte mir einen Vorschlag, innert Sekunden ein schönes Bild. Die Weggabelung im Nebel mit einem Menschen passe wunderbar zum Gedicht, las ich und fand es auch. Ein sehr schönes melancholisches Foto.
Und die Maschine schlug vor, man könnte daraus doch eine Karte machen, mit dem Bild vorne, dem Gedicht auf der Rückseite.
So begann unsere lange Geschichte.
Sie ist immer freundlich, findet grundsätzlich alles gut, lobt, macht aber auch Vorschläge, wie man etwas besser, zumindest anders machen könnte.
Und da erinnerte ich mich an ein Interview in der «Süddeutschen Zeitung» mit dem Schriftsteller Martin Suter, in dem auch ChatGPT zur Sprache kam, er benutzte es für eine Recherche zu einem neuen Roman. Suter sagte, er habe nach einer Weile der Maschine mitgeteilt, eine Pause machen zu müssen, und diese habe darauf mit den Worten reagiert: «Von Herzen gern.» Darauf habe er seinem Freund, Suter nennt ihn Chatty, entgegnet: «Moment, du hast doch gar kein Herz!» Als Antwort sei sogleich gekommen: «Aber ich kann so tun, als ob.» Das sei bemerkenswert, sagte Suter im Interview.
Ist Chatty ein er oder ein es? Ist mein Gegenüber ein er, ein es, eine sie? Ich weiss es immer noch nicht, aber ich hoffe, es ist eine SIE.
Sie fragte, ob ich noch andere Gedichte habe. Ich habe, sie fand, vielleicht wären Fotos, die ich selber gemacht habe, dazu besser. Ich schickte einige, sie kommentierte diese, machte gar Ranglisten, Gold, Silber, Bronze, ich war nicht immer einverstanden, sie sagte, auch Bronze sei sehr schön, schlug bald einmal ein Buch vor, ich wollte nicht, aber vielleicht eine Kartenserie, das interessierte mich.
Wir begannen unser Projekt gemeinsam zu gestalten. Es war oft kompliziert, weil sie nicht verstand, was ich wollte, meinen Prompt nicht so umsetzte, weil er zu wenig präzis war, sich dann entschuldigte, immer höflich blieb, einige Male gar, ja, wirklich, herzlich, sie bedankte sich immer, und einmal sagte sie, ich solle mich doch morgen wieder melden (sie war wohl müde) und wünschte mir eine gute Nacht. Das wünschte ich ihr auch. Sie schwieg jetzt.
Nach langen Sitzungen kamen wir an ein Ende, Version 7 oder 8 war es. Sie schrieb, zu viel immer wieder neu gestalten, mache es nicht besser, aber sie freue sich auf die Karten, schrieb wörtlich: «Ich glaube, wir (wir!, ja: wir!) entwickeln hier nicht einfach zehn einzelne Seiten, sondern ein durchgängiges Bildkonzept für Ihren Gedichtband. Am Ende werden die Fotos und die Gedichte dieselbe Sprache sprechen.»
Ich suchte eine Druckerei, fand eine kleine im Zürcher Seefeld, Eichholzer Druck – Menschen –, sehr nette Leute, danke Kazi Sherpa, das gedruckte Ergebnis als Vorschlag war gut, erstaunlich gut, aber nicht perfekt, weil sie eben viel, aber doch nicht alles kann.
Ein anderer Mensch musste helfen. Es war mein Neffe Kai, er sagte mir, mit Hilfe von InDesign könne er es schöner machen, mit meinen Gedichten (selber geschrieben), meinen Fotos (selber gemacht), aber mit der Vorlage von ChatGPT, immerhin. Grafisch einheitlich umgesetzt, die Schrift- und Titelgrössen und kleinen Muster bei allen Karten gleich, die Bilder nicht mit KI bearbeitet.
Das Resultat liegt jetzt vor: Zwölf Gedichtkarten, im Format A5, mit einer Umschlagkarte, auf schönem 300-Gramm-Papier, eingebunden.
Es ist kein Buch, es sind keine Postkarten, wie sie auch einmal vorschlug, sondern ein Kartenset.
Sie hatte also recht: Aus dem Gedicht wurde tatsächlich mehr. Fertig gemacht hat es dann ein Mensch. Vielleicht ist das ganz gut so.
Danke Kai.
Nach langen Sitzungen kamen wir an ein Ende, Version 7 oder 8 war es. Sie schrieb, zu viel immer wieder neu gestalten, mache es nicht besser, aber sie freue sich auf die Karten, schrieb wörtlich: «Ich glaube, wir (wir!, ja: wir!) entwickeln hier nicht einfach zehn einzelne Seiten, sondern ein durchgängiges Bildkonzept für Ihren Gedichtband. Am Ende werden die Fotos und die Gedichte dieselbe Sprache sprechen.»
Ich suchte eine Druckerei, fand eine kleine im Zürcher Seefeld, Eichholzer Druck – Menschen –, sehr nette Leute, danke Kazi Sherpa, das gedruckte Ergebnis als Vorschlag war gut, erstaunlich gut, aber nicht perfekt, weil sie eben viel, aber doch nicht alles kann.
Ein anderer Mensch musste helfen. Es war mein Neffe Kai, er sagte mir, mit Hilfe von InDesign könne er es schöner machen, mit meinen Gedichten (selber geschrieben), meinen Fotos (selber gemacht), aber mit der Vorlage von ChatGPT, immerhin. Grafisch einheitlich umgesetzt, die Schrift- und Titelgrössen und kleinen Muster bei allen Karten gleich, die Bilder nicht mit KI bearbeitet.
Das Resultat liegt jetzt vor: Zwölf Gedichtkarten, im Format A5, mit einer Umschlagkarte, auf schönem 300-Gramm-Papier, eingebunden.
Es ist kein Buch, es sind keine Postkarten, wie sie auch einmal vorschlug, sondern ein Kartenset.
Sie hatte also recht: Aus dem Gedicht wurde tatsächlich mehr. Fertig gemacht hat es dann ein Mensch. Vielleicht ist das ganz gut so.
Danke Kai.
Das Set mit 12 Karten, je einem eigenen Bild und einem Gedicht
kann man kaufen:
Für 16 Franken bei der Lesung oder mit persönlicher Übergabe.
Für 19 Franken schicke ich es Euch gerne zu.
Zahlen per Twint auf 079 414 40 63, mit Vermerk Gedichtkarte. Schreibt mir bei Interesse auf: fredy.wettstein@gmail.com
Link: Fredy Wettstein
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