Damals in der Pause

Blog-Nr. 472



Wir sehen etwas, sind an einem Ort, stehen vor einem Gebäude, vielleicht ist es auch ein Bild, eine Stadt, eine Beach, eine Bar, manchmal sind es Erinnerungen an eine vergangene Liebe, oder wir lesen etwas, in der Zeitung, in einem Buch, und … 

... im Kopf ist alles wieder zurück.

Damals. Und damals scheint, als sei es heute, oder wenigstens gestern, alles wieder nah vor den Augen, obwohl es doch weit weg ist.

Wie in diesem Moment. An einem Morgen im April. Ich spazierte auf einer Quartierstrasse in meinem Dorf und blieb stehen. Vor mir mein Schulhaus, damals, erst im Kindergarten, dann in der Primarschule, und eben dieser Pausenplatz, es ist fast alles noch gleich wie in den sechziger Jahren.

Der Pausenplatz. Mit dem Unterstand und der grossen Glasscheibe, den Säulen. Und auf beiden Seiten hat es Bänkli. Eigentlich zum Sitzen gedacht. Aber bei uns waren es die Tore. Und wir hatten einen Tennisball – wo versteckten wir diesen eigentlich während der Schulstunde ? –, er war unser Fussball.

Einer von uns musste ins Tor, das heisst, er sass auf dem Bänkli. Rutschte umher. Versuchte mit seinen Füssen den Ball abzuwehren. Und zwei spielten gegeneinander, oder manchmal zwei gegen zwei, rannten auf dem Betonboden umher. Es gab oft blutige Knie. Und der Tennisball lag irgendwo im Gebüsch. Einen zweiten hatten wir nicht. Er musste gefunden werden. Und die Pausenglocke läutete. Die Lehrerin vielleicht schon vor ihrem Pult. Wir waren verschwitzt.

Wie schön war es. Damals. Denke ich, als ich nun wieder hier stand, auf dem Pausenplatz meines Schulhauses. Und nur eines ist anders: Es hat jetzt zwei Tore, kleine, aber richtige Tore mit einem Netz, der Torhüter könnte ein richtiger Torhüter sein, nicht einer, der auf dem Bänkli sitzt und keine Hände sondern nur die Füsse und Beine braucht, und wir hätten keinen Tennisball, sondern einen richtigen Fussball.

Ach, damals. Pause, viertel vor zehn oder viertel vor drei oder oft auch nach der letzten Stunde nochmals, die Treppen runter vom Klassenzimmer nach draussen, nur eines im Kopf. Den Tennisball in der Hand. Wer geht aufs Bänkli?

Jetzt, denke ich, es sind Frühlingsferien und es ist ein wunderbarer Frühlingstag, ich kann es also nicht beobachten, sitzen sie, wenn die Schule wieder beginnt, wohl in der Pause auch auf dem Bänkli. Und schauen in ihre Handys. Dabei hätte es doch Tore, richtige Tore.

«Mein» Schulhaus

Liebe Freundinnen und Freunde,

Bald lesen (Kolumnen, auch Texte von früher) und spielen (u.a. Dylan, Cohen, Springsteen, Matter) wir wieder:

– Am 23. Mai 2026, es ist der Pfingstsamstag.

– An einem besonderen Ort: Im Gasthaus zum weissen Rössli in Mettmenstetten im Säuliamt.

– Mit besonderen Gastgebern: Regula Esposito (als Künstlerin: Helga Schneider) und Fredy Bickel (Fussball).

Ab 18 Uhr, also bliebe nachher genügend Zeit, die wunderbare Kochkünste im schönen Gasthaus zu geniessen.

Wir würden uns sehr freuen:

Fredy und Lukas

Übrigens: Mit ÖV (S5) gut erreichbar, aber es hat auch genügend Parkplätze.


Anmelden für die musikalische Lesung:
(Platzzahl beschränkt)

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