Stolz sein

Blog-Nr. 457


Ich schrieb diesen Text vor fast genau zwei Jahren während der alpinen
Ski-WM in Courchevel. Und ich habe ihn jetzt aktualisiert, um- und neugeschrieben. 
Weil die Gefühle wieder ähnlich sind.




Ich hörte das Lied, schrieb ich damals, zufällig auf einer persönlichen Liste, die Spotify zusammengestellt und die man hört, wenn man spazierend einfach etwas Musik hören und sich nicht festlegen will. (Diesmal war es während dem Fitnesstraining, ich wollte mich auf das Konzert von Herbert Grönemeyer am Sonntag im Hallenstadion einstimmen).

Ich hatte «Deutsche Liedermacher» gewählt, und dann…

… ich hörte dieses Lied und dachte an Momente in diesen olympischen Tagen in Italien ...

Abends auf dem Teletext gesehen; ja, Teletext, wie vor 40 Jahren, für mich immer noch eine der wichtigsten Informationsquellen: Bronze für Gregor Aschwanden.

Bronze!

Nicht mehr Simon Amman, dem ich es so wünschte, dass er zum achten Mal dabei sein darf bei Olympia; nein Gregor Deschwanden, unglaublich. Ich musste seinen weiten Sprung durch die nächtliche Luft in Val di Fiemme am TV nachsehen, war beeindruckt, aber wie immer, wenn man Sportliches sieht und es nicht mehr live ist und man das Ergebnis kennt, ist es nicht mehr ganz gleich.

Stolz war ich aber.

Stolz?

Am gleichen Tag gezittert mit einer Frau, die ich sonst fernsehschauend kaum beachte, Mathilde Gremaud; sie fliegt meterhoch durch die Luft, Saltis und dreieinhalb Rotationen um die eigene Achse, die Hand an ihrem Ski. Ich zitterte mit ihr, jetzt live.

Gold! Stolz. Sehr.

Stolz?

Und klar, die tollkühnen Skifahrer und - fahrerinnen, im steilen und eisigen Hang oder akrobatisch durch die Tore, gebangt mit ihnen und gejubelt und vielleicht gar geschrien, Franjo von Allmen, «unser Skiheld», hiessen Schlagzeilen, unser …

Ganz viele Medaillen. Stolz. Wir sind eine Skination.

Stolz?

Oder rotweisse Gefühle beim Spiel mit dem Puck, mit dem curlenden Stein, im Skicross oder, tatsächlich, es tönt sehr nach Plauschsport in der freien Natur, beim Touren auf Skiern, zuerst mit Fellen, dann laufend mit Rucksack, zuletzt abfahrend, die Felle jetzt verpackt. 

Stolz.

Stolz?

Wir sind stolz, wir Schweizer sind stolz auf unsere Schweizer und Schweizerinnen, auch nachher bei der Ehrung der Medaillengewinner, mit der Nationalhymne, wie sie jubeln und sich freuen und einige Tränen haben und stolz sind mit feuchten Augen.

Und eben, dann hörte ich wieder das Lied, «Stolz drauf» heisst es, der Bayer Werner Schmidbauer hat es geschrieben und singt es zusammen mit Pippo Pollina und Martin Kalberer auf dem Album «Süden».

Es heisst darin:

I bin ned stolz drauf, wo i her bin
weil i dafür überhaupt nix ko
Und ob i jetzt Oberbayer,
Massai oder Eskimo bin
d’Hauptsach is, i bin a freier Mo.

Stolz sein. Auf Franjo von Allmen, Mathilde Gremaud, Tanguy Nef, Marco Odermatt, Loïc Meillard, Gregor Deschwanden, wir Schweizer auf Schweizer. Immerhin heisst es im Lied auch:

I bin ned stolz drauf, wo i her bin
so wenig wia i mi aa dafür scham.

Der Schriftsteller Peter Bichsel sagte einmal: »Heimat ist dort, wo du deinen Ärger hast.»

Oder eben auch etwas stolz bist. Wie in diesen Tagen.

Auch wenn du dafür überhaupt nichts kannst.



Nächste musikalische Lesungen:

1. März, 11 Uhr Immobilienwerkstatt, Küsnacht
Anmeldungen: 
fredy.wettstein@gmail.com

23. Mai, 18 Uhr, Gasthaus zum weissen Rössli, Mettmenstetten
Anmeldungen:

Wer nachher Essen mag (sehr zu empfehlen)


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