Eine Begegnung, eine Geschichte

Blog-Nr. 455


Symbolbild

Ich sah sie auf dem Trottoir der Seestrasse am Zürichsee gehen, ein Mann, wohl der Vater, mit einem Kind an jeder Hand, drei Schwarze Menschen, die Kinder, der Bub vielleicht 11, das Mädchen vielleicht 9, trugen Rucksäcke. Der Vater, denke ich, hatte sie von der Schule in der Nähe abgeholt; es war nachmittags kurz nach vier, ein schöner Frühlingstag im Februar, vielleicht hatten auch sie heute die Zeugnisse bekommen, wie alle Schüler in diesen Tagen.

Sie wirkten vergnügt, sie lachten, sie schwatzten, sie waren bunt gekleidet, auch der Vater, vielleicht hatte er ihnen als Belohnung für die guten Noten etwas versprochen, sie liefen nachher hoch zum Bahnhof, wo es einen Kiosk gibt.

Ich denke, sie leben schon länger hier in der Schweiz, er spricht, wie ich knapp mithöre, französisch mit den Kindern, sie reden recht gutes Schweizerdeutsch.

Ein schönes Bild.


Ich las einige Tage zuvor im Magazin der Süddeutschen Zeitung die Geschichte eines unbescholtenen Bürgers, der in den USA auf offener Strasse verhaftet worden war, sie hat den Titel: «Sie haben mich».

Es ist eine bedrückende Geschichte.

Die Geschichte im SZ-Magazin vom 30. Januar

Die Journalistin war zweimal in Washington D.C., sie recherchierte die Folgen von Trumps Abschiebepolitik am Beispiel einer Familie.

Sie traf die Frau von Alfredo Gonzales, sein Name wurde zu seinem Schutz geändert, er war mit 18, vor 23 Jahren, aus Guatemala in die USA gekommen, weil er Arbeit suchte. Er fand sie, zuerst als Taglöhner, 50 Dollar am Tag, gründete eine Familie, sie haben seit kurzem ein kleines Haus, die Erfüllung ihres amerikanischen Traumes.

Nie hat der Mann sich etwas zu Schulden kommen lassen, keine Vorstrafen,  sie führten ein normales Leben, doch seit die ICE, die Einwanderungs- und Zollbehörden der USA, bei Razzien Unschuldige auf offener Strasse in Handschellen legen und wie Kriminelle behandeln, hatte er Angst, zur Arbeit zu gehen. Er, ein Handwerker, ist einer von über elf Millionen Menschen, die ohne Papiere im Land sind. 

Foto aus dem SZ-Magazin

Prompt wurde auch er eines Tages an einer Kreuzung festgenommen, verhaftet, an den Füssen gefesselt und in ein Abschiebungslager gefahren, wo er unter widrigen Umständen viele Wochen bleiben musste. Seine Frau traute sich bald nicht mehr aus dem Haus, aus Angst, auch festgenommen zu werden; die Journalistin redete mit dem Anwalt, den sie genommen hatte, konnte dann später auch mit dem Mann reden. Sie beschreibt den Schrecken und die Verzweiflung dieser Familie, der Frau, die immer wieder vor ihm Altar im Wohnzimmer betet, auf dem Tisch steht eine Kerze, liegen die Bibel und ein Rosenkranz, sie schildert das Leiden der Kinder, das Jüngste in zweijährig.

96 Tage nach der Verhaftung konnte Gonzales nach Hause, er wartet nun auf den Termin beim Einwanderungsgericht.

Die Familie lebt weiter in grosser Angst, bangt, dass sie abgeschoben werden.

Man kann nicht oft genug Bruce Springsteens «Streets of Minneapolis» hören.

Bruce Springsteen:

Oder mit Lukas Langenegger:



Nächste musikalische Lesungen:

1. März, 11 Uhr Immobilienwerkstatt, Küsnacht
Anmeldungen: 
fredy.wettstein@gmail.com

23. Mai, 18 Uhr, Gasthaus zum weissen Rössli, Mettmenstetten
Anmeldungen:

Wer nachher Essen mag (sehr zu empfehlen)


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