Zorniger Boss

Blog-Nr 453

Bruce Springsteen am 30.6.2025 im San Siro, Mailand


Roberto De Niro, andere grosse Schauspieler und Schauspielerinnen, Natalie Portman, Jennifer Aniston oder Edward Norton, auch die Sängerin Billie Eilish, haben sich schon gegen den narzisstischen Möchte-gerne-Weltherrscher aus Washington und Mar-a-Lago positioniert, jetzt tut es auch Rockmusiker Bruce Springsteen. Oder tut es wieder.

Mit Worten machte er es schon lange. Bei allen Konzerten im vergangenen Jahr quer durch Europa schrie er zu seinem Publikum, dass sein Amerika, das er so liebe, in den Händen einer korrupten, inkompetenten und verräterischen Regierung sei, und er liess dies jeweils auch an den Videoleinwänden in der entsprechenden Landessprache übersetzen.

Jetzt macht er es mit einem Song. Am Samstag, wenige Stunden nachdem auf der Nicollet Street in Minneapolis der 37-jährige Alex Pretti von Beamten der Einwanderungs- und Zollbehörde ICE festgehalten und mit zehn Schüssen getötet worden war, schrieb Springsteen das Lied, nahm es am Dienstag im Studio auf und veröffentlichte es an diesem Mittwoch.

Und deshalb, und nur deshalb dieser Blog, wegen dem Lied «Streets of Minneapolis», weil es so wichtig ist, dass Künstler ihre Stimme erheben als Antwort auf den Staatsterror, der über die Stadt Minneapolis hereingebrochen ist, wie Springsteen schreibt.

Er widmet das Lied Alex Pretti und auch Renée Good, die anfangs Januar in ihrem Auto auch erschossen worden war, «und allen Bewohnern der Stadt und unserer unschuldigen Nachbarn mit Migrationshintergrund».

«King Trump» habe seine Privatarmee aufmarschieren lassen, um scheinbar das Gesetz durchzusetzen.

Springsteen textete und singt:

«Eine Stadt in Flammen bekämpfte Feuer und Eis/
Unter den Stiefeln ihrer Besatzer/
König Trumps Privatarmee vom DHS/
Mit Waffen an ihren Mänteln/
Kam nach Minneapolis, um das Recht durchzusetzen/
So zumindest behaupten sie es» 

Er zeigte in seinen Liedern immer wieder politisches Engagement, aber so zornig, so wütend und direkt war er noch nie. Kürzlich, bei einem kleinen Gastauftritt in New Jersey, hat er von «Gestapo-Methoden gegen unsere Mitbürger» gesprochen.

Vielleicht wird «Streets of Minneapolis» zu einem seiner wichtigsten Protestsongs. Die «Dörrpflaume eines Rockstars, so dumm wie ein Stein» (schrieb ER in Grossbuchstaben im letzten Jahr auf seiner eigenen Plattform) hält zum Glück den Mund nicht. Der Boss ist zorniger denn je. 

Und der, der sich als Weltboss fühlt, wird wohl bald wieder seine Grossbuchstaben gebrauchen. «Be free, Bruce Springsteen», so beendet der Rockmusiker seine Botschaft auf Instagram.

24 Stunden nach der Veröffentlichung wurde der Song auf YouTube bereits über drei Millionen mal angeklickt; er, mit Brille vor dem Mikrofon, hat es inzwischen noch mit einem aufwühlenden Video und dem Songtext ergänzt. Das Musikmagazin «Rolling Stone» spekuliert, ob Springsteen an diesem Freitag im Club First Avenue in Minneapolis an einem Benefizkonzert auftreten wird.

«Streets of Minneapolis», viereinhalb Minuten lang, unbedingt hören:

Bruce Springsteen und sein Protestlied



Nächste musikalische Lesungen:

1. März, 11 Uhr Immobilienwerkstatt, Küsnacht
Anmeldungen: 
fredy.wettstein@gmail.com

23. Mai, 18 Uhr, Gasthaus zum weissen Rössli, Mettmenstetten
Anmeldungen:

Wer nachher Essen mag (sehr zu empfehlen)


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