Ein Anruf von Papst Franziskus

Der Papst und der Fussballgott: Franziskus und Diego Maradona.

Auf meinem Handy leuchtet manchmal «Anonym» auf. Ich weiss dann ziemlich sicher, wer mich sucht. Auch «Unbekannter Anrufer» heisst es manchmal. Aber da habe ich keine Ahnung, und solche Anrufe ignoriere ich, es dürfte bestimmt ein Callcenter sein, das nur irgendetwas, Wein, eine Zeitung oder eine Versicherung, verkaufen will. Leuchtet jedoch «Anonym» auf, dann ist es ein Anrufer aus dem Ausland, ich kenne ihn, «Hallo …», sage ich dann – ich verschweige hier natürlich den Namen, er will ja anonym bleiben.

Eine Geschichte kürzlich in der stets schönen «Streiflicht»-Kolumne auf der Frontseite der «Süddeutschen Zeitung» hat mich auf dieses Thema gebracht. Es ging darin wieder einmal um Papst Franziskus, der gerne telefoniert und schon viele mit seinen Anrufen überrascht hat. Diesmal soll er die Nummer von seinem geistlichen Freund Miguel Dominguez Garcia in Mexico-City gewählt haben, dummerweise war der gerade an seiner feierlichen Messe. In Garcias Hosentasche vibrierte es, es wurde in diesem Moment in der Kirche gerade gesungen, und so nahm er das Handy hervor, plauderte kurz mit dem Papst, ehe er es auf laut stellte und die kirchliche Gemeinde mithören liess. Diese Leute erkannten natürlich die Stimme sofort – und sollen spontan applaudiert haben.
«Ich bin Papst Franziskus» – er wollte sich nur für ein Buch bedanken.
Ein anderer Pfarrer, Cesa Alejandro Pulchinotta aus Montorio Romano in der Nähe von Rom, soll auch einmal einen Anruf erhalten haben, unbekannte Nummer, aber am Ende der Leitung meldete sich einer mit den Worten: «Ich bin Papst Franziskus» – er wollte sich nur für ein Buch bedanken, dass ihm Pulchinotta über einen gemeinsamen Freund geschenkt hatte.


Schon seit jungen Jahren ein Fan von Atlético San Lorenzo de Almagro.

Oder Stefano Cabizza, ein Internatsschüler aus Padua, grosser Fussballfan. Er hatte dem Papst einen Brief geschrieben – und dann läutete Wochen später sein Mobiltelefon: «Hallo, hier ist Papst Franziskus». Er habe ihm sofort das Du angeboten, und viele Minuten lang hätten sie geplaudert, gelacht und auch über Fussball geredet.


Oder dieser Anruf. Daniel Del Regno ist der Sohn eines Kioskinhabers mitten in Buenos Aires, und er hörte am Telefon: «Ich bin es wirklich, der Kardinal Jorge, ich rufe aus Rom an.» Del Regno wusste natürlich, wer Jorge war, Jorge Mario Bergoglio, er hatte ihm während Jahren täglich die Zeitung «La Nacion» nach Hause gebracht. Aber der Erzbischof hatte inzwischen eine Dienstreise nach Rom angetreten, wegen Umzug komme er jetzt aber nicht zurück, soll er am Telefon gesagt haben, und er müsse das Abonnement leider kündigen. Aus dem Erzbischof war zwei Wochen zuvor ein Papst geworden, Papst Franziskus. Del Regno wusste das selbstverständlich, aber er konnte nicht glauben, dass dieser nun persönlich anruft und sich nochmals für die prompte Lieferung herzlich bedankt. Er war fassungslos.
Aber jetzt, wenn wieder einmal «Anonym» erscheint? Es könnte ja sein, dass …
Und ich denke, was mache ich jetzt, wenn das nächste Mal bei einem Anruf auf meinem Handy «Anonym» erscheint? Bisher war ich doch sicher, ich konnte den Anrufer direkt mit dem Namen ansprechen, ich irrte mich nie, anonym kann nur er sein, «Hallo …», sage ich, oder «Schön, dass du anrufst». Aber jetzt, wenn wieder einmal «Anonym» erscheint? Zögere ich dann vielleicht, denn es könnte ja sein – keine Ahnung weshalb zwar, ich habe ihm noch nie einen Brief geschickt oder Buch geschenkt. Aber offenbar, so erfahren wir, ruft der Mann aus dem Vatikan plötzlich irgendwelche Leuten an.

Ich weiss, Fussballfans sind beide, Franziskus war zwar als Kind nur Torhüter und unbegabt, weil er sich nicht gerne bewegte, aber er hat einen Lieblingsklub, der mehrfache argentinische Meister Atlético San Lorenzo de Almagro aus Buenos Aires. Er ist dort Mitglied-Nummer 88'235, zahlt seine Beiträge, und das Stadion heisst seit einem Jahr «Estadio Papa Francisco.»

Der andere ist von einem anderen Fussballklub.

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