Der stille Abschied

Zürichsee, 25. April 2020.


Der stille Abschied


Es war wolkig. Aber auch immer wieder kam die Sonne. Als würde sich der Himmel öffnen. Es war warm. Und es war vor allem still. Draussen auf dem See, es hatte kaum Wellen. Wir, meine zwei Schwestern und ich, fuhren mit einem kleinen Boot hinaus, es war ein Samstag im April. Unser Papi hatte das früher auch viel getan, er liebte das Wasser, den See, seinen Zürichsee, den Blick auf Küsnacht, sein Dorf. Die Stille hier draussen. 

Wir dachten ganz fest an ihn. Haben ein kleines Schiffchen gebastelt, aus weissem Papier mit dem Namen von Papi drauf geschrieben. Wir liessen es aufs Wasser gleiten, streuten weisse Pfingstrosen aus seinem Garten dazu. 

Das Wasser trug das kleine Schiffchen stundenlang, es schaukelte manchmal, meistens aber schien es einfach ganz leicht zu schweben, die Blumen entfernten sich, und plötzlich waren sie wieder näher beisammen. Die beiden Ufer weit weg, wir waren mitten auf dem See. Es glitzerte, zwischendurch verschwanden die Wolken, ein Tag Ende April wie fast im Sommer. Eine mystische Stimmung,

Es war still. Und traurig. Und auch schön. Es war ein Abschied, weil wir in diesem Moment und in diesen besonderen Zeiten nicht anders Abschied nehmen können.

Und erst später las ich von meinem Papi in einem Ordner, in dem er ganz vieles aus seinem Leben aufgeschrieben hat, diese Zeilen, es muss in den achtziger Jahren gewesen sein: «Immer wieder ist es das Wasser, das mich seit jeher fasziniert. Es ist etwas Bezauberndes, dem Spiel der Wellen und den Wolken nachzusehen, dies befriedigt mich mehr, als die grösste Reise in aller Hektik.»

Wir spürten an diesem Samstag im April fest: Wir sind unserem Papi nahe. Nur wir alleine, draussen auf dem See.

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