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Nächtlicher Spaziergang in Rom

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Fredys EM-Blog – Nr. 3 In elf Städten in elf Ländern, es ist eine sonderbare Fussball-Europameisterschaft in eigenartigen Zeiten. In diesem EM-Blog möchte ich über beides schreiben, Gedanken zum Turnier, das in diesem Sommer stattfindet, aber immer noch Euro 2020 heisst, manchmal nur mit Bildern – aber auch mit Texten von früher zeigen, wie es einmal war, als eine EM nur in einem Land (oder höchstens zwei Ländern) ausgetragen wurde. Einige Erlebnisse von damals. Nächtlicher Spaziergang in Rom Claudio Sulser, damals der grosse centravanti im Schweizer Fussball, der Mittelstürmer mit den verwirrenden Haken, der sich manchmal selber ausdribbelte, lief in jener Nacht zusammen mit Freunden durch das nächtliche Rom. Es war Oktober, es war aber immer noch eine sommerlich-römische Stimmung, eine schwüle Nacht und Sulser in bester Laune, es war nach dem Spiel, und die Svizzeri hatten im Olimpico eben Erstaunliches geleistet. 1:0 gegen Italien, noch nie hatte eine Schweizer Fussballnationalmanns...

Mit Gazza im Pub

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Fredys EM-Blog – Nr. 2 In elf Städten in elf Ländern, es ist eine sonderbare Fussball-Europameisterschaft in eigenartigen Zeiten. In diesem EM-Blog möchte ich über beides schreiben, Gedanken zum Turnier, das in diesem Sommer stattfindet, aber immer noch Euro 2020 heisst, manchmal nur mit Bildern – aber auch mit Texten von früher zeigen, wie es einmal war, als eine EM nur in einem Land (oder höchstens zwei Ländern) ausgetragen wurde. Einige Erlebnisse von damals. Mit Gazza im Pub Paul Gascoigne, 57 Länderspiele für England, 10 Tore. Eine Kolumne während der Euro 1996. England spielte gegen Schottland, Paul Gascoigne, das schlampige Genie, schoss ein wunderbares Tor. Und an diesem Freitag treffen die beiden Teams wieder aufeinander, wieder in London im Wembley, es ist ihr 115. Länderspiel, 149 Jahre nachdem sie das erste Länderspiel der Fussballgeschichte überhaupt ausgetragen haben (damals in Glasgow). Und eben die Erinnerung an Paul Gascoigne, der in seiner Biografie schreiben liess: «...

Ferien in Bauma

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Ferien in Bauma Landgasthof «Heimat» in Bauma. Auszug aus einem Tagebuch der Euro 2008, die in zwei Ländern, in der Schweiz und in Österreich, ausgetragen wurde und überschaubar war. Es waren auch Geschichten aus dem Leben des deutschen Journalisten und Autoren Ronald Reng. Samstag, 7. Juni. Wo liegt die Schweiz? Das Magazin «Stern» klärt diese Woche auf: «Südlich von uns liegt ein kleines, herziges und schwer bewaffnetes Land, darin noch nicht einmal 7,6 Millionen Menschen leben, die vier Sprachen lesen (eine davon ist Deutsch) und ebenso viele Sprachen sprechen (Deutsch gehört nicht wirklich dazu).» Und zu diesem Land, das nicht im tiefsten Afrika liegt, ist das wichtig: «Röschti und Rütli, Fähnli und Fondue. Das bizarre Volk der Eidgenossen kann fast alles ausser Fussball spielen. Und liebt fast alle, wenn sie Geld haben – ausser die Deutschen.» Sonntag, 8. Juni. Die «Welt am Sonntag» fordert: «Jetzt aber her mit der Euphorie!» und schreibt vom Wasser, das immerzu vom Himmel fällt...

Ein Ende wie immer?

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Interview im Tagblatt der Stadt Zürich An diesem Freitag beginnt in Rom ein Jahr verspätet die Fussball-Europameisterschaft, die immer noch Euro 2020 heisst, es ist ein europaweites Turnier, das in elf Ländern ausgetragen wird. Als Blog-Vorschau ein Interview, das ich dem «Tagblatt der Stadt Zürich» in dieser Woche geben durfte. Mit zwei Tipps – bezüglich der Schweizer Mannschaft nicht sehr optimistisch, trotz allem. Und warum Platinis damalige Schnapsidee immer noch gefährlich ist. Als langjähriger Sportchef des Tages Anzeigers und der SonntagsZeitung waren Sie an zehn Fussball-Weltmeisterschaften und an acht Europameisterschaften vor Ort dabei. Ihr verrücktestes Erlebnis? Unvergessliche waren einige, aber ein verrücktes? Vielleicht das: Es war die WM 1990 in Italien, ich war in Mailand, wollte spätnachts mit dem Hotellift in mein Zimmer. Im zweiten Stock ging plötzlich die Tür auf, Diego Maradona trat in den Lift. Ich war völlig perplex, mein Spanisch miserabel, im vierten Stock ging...

Gefängnisfussball

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Diesen Blog-Beitrag auch hören!   Turnier der F-Junioren in Bülach Es war Samstag, es war in Porto, es war der Final der Champions, die keine Champions waren, aber das Final der Besten in Europa. 16 000 Menschen im Drachenstadion, endlich wieder, und schon Tage zuvor waren die englischen Fans aus London und Manchester in die portugiesische Küstenstadt eingefallen, tranken viel und feierten ungehemmt. «Masken? Soziale Distanz? C’mon!» berichtete der Reporter der «Süddeutschen Zeitung» vor Ort, besonders nach dem Spiel wussten die meist blauen Blauen von Chelsea am Ufer des Douro kaum mehr, was einst eine Pandemie war. War da mal was? Es war Sonntag, es war in Bülach, es hätte an vielen Orten irgendwo auf dem Lande sein können, es war ein Turnier der F-Junioren, der Kleinsten, deren Hosen manchmal bis zu den Knöcheln reichen. Die Sportanlage Erachfeld ist von einem hohen Gitter umgeben, ausser den kleinen Spielern und ihren Betreuern darf niemand rein, wir stehen draussen und versuch...

Ewig schade

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Diesen Blog-Beitrag auch hören!   Gerd Müller und Robert Lewandowski Romantiker, die noch Gerd Müller erlebt haben, wie er nach einem Tor einfach nur die Arme in die Höhe streckte, sich umdrehte und wieder zur Mittellinie lief, weil er sein nächstes Tor schiessen wollte, hofften, es hätte sich so abgespielt: Die letzte Minute im Spiel der Bayern gegen Augsburg und die letzte Minute der deutschen Meisterschaft, es gibt einen Elfmeter für die Münchner, Robert Lewandowski, der keine Elfmeter vergibt, tritt an - und schiesst den Ball in die Arme des Torhüters von Augsburg, der auch ein Pole ist. Er verneigt sich jetzt vor dem Himmel und vor Gerd Müller, der ausserhalb von München seit Jahren in einem Pflegeheim liegt, nicht mehr ansprechbar, an Demenz erkrankt. Es bliebe damit so: Müller 40, Lewandowski 40. Beide halten den Rekord mit den meisten Toren in einer Bundesliga-Saison, es bleibt ein Rekord für die Ewigkeit. Wie wir alle dachten, als dies Müller, dem «Bomber der Nation», vor...

Er denkt, ich denke

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Thomas Tuchel und Pep Guardiola   Diesen Blog-Beitrag auch hören!   Es ist nicht mehr wie damals in der Schumann’s Bar am Odeonplatz in München, als sich Pep Guardiola und Thomas Tuchel zu einem fachmännischen Austausch unter Trainern trafen. Ihr Tisch soll bald verstellt gewesen sein mit Pfefferdosen und Salzstreuern und auch Espressotassen und Zahnstocher, die sie ständig umher geschoben haben, um mögliche Taktiken zu besprechen, das Rotweinglas war Guardiolas rechter Verteidiger, und die Kellner im Lokal wagten es nicht mehr, ihnen nachzuschenken, weil die beiden so vertieft und leidenschaftlich waren in ihren Gesprächen, stundenlang, wird erzählt. Diesmal sitzt jeder seit Tagen für sich in seinem Managerbüro, Guardiola im Osten Manchesters im feudalen Trainingszentrum der Citizens und Tuchel 250 Kilometer südlich im Cobham Center ausserhalb von London, wo die Fussballer von Chelsea beheimatet sind. Nachgestellt: Taktik auf dem Bistrotisch, Rotweinglas als rechter Verteidi...

Leben in der Kabine

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Diesen Blog-Beitrag auch hören!   Kabine der Veteranen des FC Wettswil Bonstetten Der schönste Satz fällt am Schluss des Filmes. Der junge Fussballer, 14 ist er, sitzt in der Garderobe, das Spiel ist zu Ende, er ist glücklich, seine Mannschaft hat gewonnen, und er sagt: Würde er einen Final in der Champions-League spielen können und seine Grossmutter wäre krank, würde er bei ihr sein wollen. Der junge Fussballer wollte als kleines Kind mal Stuntman werden, oder vielleicht Pilot, er ist jetzt in der Sekundarschule und spielt bei den Junioren des FC Blue Stars. Er hatte Träume, wie wir alle und wie junge Fussballer besonders, und nicht nur junge, alle, Frauen, Männer, die dem Ball nachjagen, Fussball ist immer auch träumen, wie ein Trainer im Film sagt, träumen, sich vergessen, Ängste ausleben, Freude und Schmerz zulassen. Dieser Film, «Football Inside» heisst er, er läuft momentan in verschiedenen Kinos, von Michele Cirigliano, einem Zürcher, 46, seine Eltern kommen aus dem Süden I...

Wildes Leben

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Diesen Blog-Beitrag (und die Musik) auch hören! Marianne Faithfull Das passiert immer wieder. Ein Name einer Musikerin oder eines Musikers, und dann ist ein Lied im Kopf. Vielleicht ist eine Geschichte damit verbunden, eine ganz persönliche, und sie soll persönlich bleiben, vielleicht war es auch einfach der erste Song, den man vor langer Zeit von diesem Namen gehört hatte. Marianne Faithfull.  Und: «The Ballad of Lucy Jordan». Es ist das Lied für mich. Von ihr. Mit ihrer tiefen, rauen und rauchigen Stimme. Es ist die Geschichte einer 37-jährigen Hausfrau, deren Leben in eine Sackgasse geraten war, die auf das Hausdach stieg, wo ihr ein fremder Mann die Hand reichte und sie in eine psychiatrische Klinik begleitete. Das war im Kopf. Und so war es, als ich kürzlich in der «Süddeutschen Zeitung» ein ganzseitiges Interview von ihr las – Marianne Faithfull und diese Ballade –, es ist ein eindrückliches, schonungsloses Interview. Mit «Schicksal» ist es getitelt, und es schliesst mit dies...

Chloote!!!

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Diesen Blog-Beitrag auch hören!   Trauer Dieses Bild! Es sagt alles. Mittwochabend, kurz vor elf, ich sass vor dem TV, habe mit meinem Sohn SMS hin und her geschickt, Wörter gebraucht, die ich sonst kaum je ausspreche, rohe Kraftausdrücke, keine schönen Wörter, ich habe gelitten, er auch, fürchterlich gelitten, habe aufgeschrien und geflucht und gehofft und gezittert und gejammert - und am Ende: nur noch Leere. Stille. Trostlosigkeit. Wie auf diesem Bild. Und ich fragte mich: Spinnst du? Wegen Chloote, wegen dem EHC, diesem Eishockeyclub, weshalb bedeutet dir das so viel und kann ein Verein deine Gefühlswelt an einem Abend im April so beeinflussen? Wie man Fan wird, ist ja meistens eine rätselhafte Geschichte, wie vieles im Leben. Ein einziger Moment, eine Begegnung, und man ist gefangen von etwas und jemandem, das ist in der Liebe so, und irgendwie ist Fan-Sein auch Liebe, eine Beziehung mit allem, was dazugehört, Spass und Schmerz, Freude und Leid. Fassungslos: Kloten-Trainer Per...