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Zwischen Krieg und Frieden

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Blog-Nr. 449 Pippo Pollina  mit seiner neuen Tour  « Fra guerra e pace»* Es war wie damals, mitte der achtziger Jahre, als er es nicht mehr ausgehalten hatte, in seinem Palermo in Sizilien, und er von der Mafia und der Korruption in der Stadt flüchtete: Pippo Pollina, inzwischen 62, ist wieder der Strassenmusikant, wie damals in den Städten quer in Europa, auch in Zürich, im Niederdorf, nur er und seine Gitarre, Lieder singend, Leute legten Münzen oder Noten in eine Schachtel.  Pippo Pollina mir Gitarre im Kaufleuten So betritt er an diesem Mittwoch und Donnerstag zweimal das Kaufleuten, läuft durch den Saal, von ganz hinten nach vorne zur Bühne, inmitten der Zuschauer, nur er und die Gitarre, singt «A mani basse», seine Hommage an Muhammad Ali, den er so bewundert. Er beschreibt im Lied die Künstler, die Hoffnung verbreiten sollen in Zeiten, in denen Politiker versagen. Ein starkes Lied, eines von vielen von Pollina, der seit mehr als 30 Jahren im Zürcher Seefeld lebt. U...

13 Gebote am 13.

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 Blog-Nr. 448 Abschied nehmen von einem Menschen, der 96 werden durfte, ist etwas anderes, als von Kindern und Jugendlichen, die ihre Träume, Ziele und Pläne, wohl auch die Liebe noch vor sich haben, wie kürzlich nach der Tragödie in Cran-Montana. Mit 96 blickt man zurück, erinnert sich, was war, was hat dieser Mensch hinterlassen, welche Spuren, was hat er uns mit auf den Weg gegeben. Bei jungen Menschen denkt man, was hätten sie noch alles erreichen können, was wäre aus ihnen geworden, was hätten sie uns zeigen können. Es ist eine andere Trauer. An diesem Dienstag, der Schnee schmilzt unter der Sonne, es ist ein Tag im Januar mit zarten Gefühlen an den Frühling, gedenkt Zürich Sven Hotz , der am 7. Dezember gestorben ist. Draussen vor der Kirche St. Peter in der Altstadt hängt an einer Hauswand ein übergrosses, von der Letzigrund-Südkurve gemaltes Porträt, die Sonne scheint drauf, und drinnen im Gotteshaus kommen über 700 zusammen, um sich von ihm zu verabschieden. Pfarrer Andre...

Trauer

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Blog-Nr 447 40, eine Zahl lässt uns nicht mehr los. Seit mehr als einer Woche ist sie in unseren Köpfen, wir lesen sie täglich, hören sie im Fernsehen und Radio. Es sind 40 Schicksale, wir kennen die Menschen nicht. Wissen nur: Sie sind fast alle jung, sehr jung, einige noch Kinder. Über Einzelne konnten wir etwas erfahren, aber es sind fremde Namen, sie lebten im Wallis, irgendwo auf der Welt. Sie hatten Pläne für das neue Jahr, in der Schule, im Beruf, im Leben, vielleicht in der Liebe. Sie heissen, diese Namen konnten wir lesen, 24 von 40: Diana, Alicia, Charlotte, Achille, Giovanni, Victoria, Ricardo, Joaquim, Guillaume, Fany, Matéo, Cyane, Noémie, Stefan, Noa, Sofia, Arthur, Chiara, Emanuele, Trystan, Benjamin, Taylan, Nora, Caroline. Wir trauerten an diesem Freitag alle, in der ganzen Schweiz läuteten die Kirchenglocken, für einen kurzen Moment stand das Leben überall still, fühlten wir uns verbunden im Schmerz. Und es kamen auch solche Gedanken: Ein tragisches Ereignis bewegt u...

Fassungslos

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Blog-Nr. 446 Fassungslos machte immer wieder vieles Die Reporter schrien es im Fernsehen Tore, Zeiten, alles war ständig fassungslos Ich mochte das Wort längst nicht mehr hören Bis zu diesem ersten Tag im neuen Jahr Bis wir das hörten, was geschehen war Bis wir nicht glauben wollten, was wir hörten Bis wir – fassungslos waren Jetzt hat das Wort wieder die richtige Bedeutung Nie mehr sollten wir es anders gebrauchen Für Tore im Fussball oder erstaunliche Zeiten dafür kann anderes geschrien werden Fragen, ja, aber schon Antworten geben? Sprachlos fassungslos sein ist jetzt das Richtige  Meine Webseite  zum Blog, mit immer  wieder neuen Fotos und Tipps und nächste Lesungen HIER Den  Blog «Wieder im Auge»   kostenlos abonnieren   oder   auf Facebook folgen  und lesen.  

Das war's

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  Blog-Nr. 445 Ein Bild und ein Text  – zu jedem Monat im 2025 1. Januar . Der Blick auf das neue Jahr, auf 2025, diesmal auf 2500 Meter über Meer, im Engadin, auf Muottas Muragl . Die Weite. Das Unbekannte. Das Unberührte. Und, auch, ja: Die Sehnsucht. Tags zuvor war es noch grau und düster gewesen, vielleicht waren es auch nur die Gedanken zurück auf das vergangene Jahr, manches war nicht gut, nicht schön – abschliessen damit, zuletzt sich fast gesehnt danach, dass es vorbei ist, etwas Neues soll beginnen dürfen. Und jetzt: Die Sonne, das Licht, die Hoffnung, der Wunsch. Wie immer, am ersten Tag des neuen Jahres. Es soll besser werden, oft sagen wir es, wir nehmen es uns auch vor, es besser zu machen. Es liegt ja auch an uns. Wir sollten es auch am zweiten Tag nicht vergessen. Bis zum 365. Tag nicht. 25. Februar . Noch einmal ihn sehen, ihn, den alle «Büeli» rufen, Andres Ambühl . Wie er über das Eishockeyfeld flitzt und schwebt mit seinen schnellen Beinen, die nie müde werd...

Schweigen

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Diese Einleitung zu meinem nächsten Blog, der ein Gedicht ist, nicht weihnachtlich oder nur ein wenig, ist es mir wichtig zu schreiben. In eigener Sache, was irgendwie immer eine komische Formulierung ist. Aber es muss sein. Kürzlich sagte jemand, ich würde nicht reagieren auf eine Bemerkung zu einem Text; ich sagte, ich hätte nichts erhalten. Sah in meinem Blogger-Programm nach, klickte auf ein File – und, oh schreck, gegen 200 Kommentare aus den letzten zwei Jahren leuchteten auf. Ich hatte etwas nicht aktiviert, und so blieben sie versteckt irgendwo im Netz. Wie ärgerlich.  Jede Bemerkung, ob lobend oder kritisch, soll beantwortet sein. Ich schwieg, weil ich nichts sah. Einige Nachrichten, sah ich jetzt, kamen «Anonym», so lautet wenigstens der Absender, weil, auch das habe ich erst jetzt erfahren, im Mail-Programm diese Möglichkeit besteht, und es technisch offenbar einfacher ist, etwas zu schreiben. «Anonym» hätte ich auch nicht anonym beantworten können. Aber vielen Dank alle...

Elber der Cowboy

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Blog-Nr. 443 So schön, dieses Bild in dieser Zeit, in der es zum Fussball andere Bilder gibt, widerliche-erbärmliche-skandalöse-peinliche, von zwei Narzissten, die sich als Best Friends bezeichnen, der eine dem anderen unterwürfig ist, und die sich in ihren Welten als Könige sehen. Aber eben, es gibt auch dieses schöne Bild und die schöne Geschichte dazu kürzlich im «Spiegel». Giovane Elber als Cowboy, im Sattel reitend auf einem Pferd im hellblauen Westernhemd, hellbraune Jeans und mit Sonnenhut, die Zügel lässig in der rechten Hand, die andere mit gespreizten Fingern in der Luft, ein Messer im Gürtel, er treibt wohl eine Herde vor sich her, blau ist der Himmel über seiner Rinderfarm. Elber? Elber, der Fussballer, einst einer der besten Stürmer der Welt, Brasilianer. Und dazu diese Erinnerung. Es war im Sommer 1991, ein lauer Dienstagabend im alten, ach so schönen, ehrwürdigen Hardturmstadion, der Rasen, wie immer in den Sommermonaten, ganz frisch, fast unberührt noch. Wir, vom FC T...