Kinder des Krieges

Blog-Nr. 469


Symbolbild

Es war eine lange Kolonne, die da über den Fussgängerstreifen lief, auf der Mühlebachstrasse im Kreis 8 in Zürich, es war ein sonniger Morgen in diesem Frühling. 12 oder 15 Kinder, wohl vierjährig, sie gaben sich die Hand, jedes trug einen kleinen Rucksack, alle blau, irgendwelche Figuren drauf, wohl ein Sandwich drin und etwas zu trinken, sie trugen gelbe Westen, und alle hoben die Hand, lächelten eher schüchtern, und bedankten sich winkend beim Autofahrer.

Wohl eine Kindergartenklasse oder eine Kita, zuvorderst und zuhinterst eine erwachsene Person, die Kinder schwatzten miteinander oder blickten zu den Bäumen, rosa leuchteten die Kirschblüten, schön war die Welt, ihre Welt.

Vielleicht war es die gleiche Klasse, die einige Wochen zuvor, es war noch Winter, mittags kurz nach halb zwölf ins Totò gekommen war, kurz vor der vorübergehenden Schliessung des Ristorante. Auch damals kamen sie in einer lange Kolonne hereinspaziert, auch damals mit ihren Rucksäcken, aber wohl ohne Sandwiches drin, ihre Lehrerin lädt sie einmal im Jahr zu einem Pizza-Essen ein.

Pizza-Essen für die Kinder im Totò

Und so sassen sie nachher ganz hinten an einem langen Tisch, es waren grosse Pizzen, einige Reste blieben auf ihren Tellern übrig. Aber glücklich schwatzend und lachend verliessen sie das Lokal wieder.

Unbeschwerte Kinder, fröhliche Kinder, aber am Tag, als sie über die Strasse gelaufen waren, kamen nachher am Autoradio die stündlichen Nachrichten. Wie fast immer schreckliche Nachrichten, es war von Kindern die Rede, die bei einem Angriff von russischen Raketen in der Nähe von Kiew getötet wurden, vielleicht waren sie spielend auf dem Pausenplatz gewesen, und es war die Rede von Hunderttausenden von Kindern, die im Süden von Libanon auf der Flucht sind, weil die israelische Regierung sie vertrieb und dazu aufforderte.

Kinder im Krieg und Kinder in Zeiten von Kriegen, und durch meinen Kopf ging ein Lied, ich wusste nicht mehr, wie es genau heisst und auch nicht, wer es einst gesungen hatte, es muss ein österreichischer Liedermacher sein.

Ich googelte und fand ihn. Reinhard Fendrich und sein Lied: «Kinder des Krieges», ein Antikriegslied, das von Kindern handelt, die kein Glück kennen, 2006 erstmals erschienen, vor zwanzig Jahren, auch damals tobte der Libanon-Krieg zwischen Israel und der Hisbollah.

Und die Worte in diesem Lied sind so wahr:

«Die Kinder des Krieges
sie klagen euch an
vielleicht nicht heute
doch ganz sicher irgendwann
Die Kinder des Krieges
sie kennen kein Glück
nur Angst und Verzweiflung
und sie geben sie zurück.»

20 Jahre später gilt Fendrichs Lied für noch viel mehr Kinder. Aber einige dürfen weiterhin im Glück aufwachsen. 

Reinhard Fendrich mit «Kinder des Krieges» (Video YouTube)



Nächste musikalische Lesungen:

23. Mai, 18 Uhr, Gasthaus zum weissen Rössli, Mettmenstetten
Anmeldungen (es hat noch knapp 20 Plätze):

Wer nachher Essen mag (sehr zu empfehlen)



29. November, 11 Uhr, Wieder Immobilienwerkstatt, Küsnacht
Anmeldungen 
fredy.wettstein@gmail.com


Meine Webseite 
zum Blog, mit immer 
wieder neuen Fotos und Tipps


Den  Blog «Wieder im Auge» 
 auf Facebook folgen und lesen. 





Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Besuch bei Mamma

Kuno Lauener und der Fotograf

Hoarau – bitte nicht, YB!

Diego (8): «Yanick, Yanick»

Ancillo Canepa: «Heliane, wir müssen reden»

Blauweisser Frust

Das Flick-Werk

Abschied nehmen

Genug ist genug

Chaos bei GC